007 in Realität

007 in Realität
© Wie abenteuerlich ist die Arbeit von Spezialagenten? (Bild: GettyImages)
Viel Vodka Martini, spektakuläre Verfolgungsjagden, schöne Frauen und die Lizenz zum Töten – das ist James Bond. Was ist dran an den aufregenden Abenteuern des beliebtesten Spions der Welt? Zwei MI6-Agenten erzählen von ihrer Arbeit als echte Spione des englischen Secret Service.

Die neueste Episode der 007-Reihe namens “Spectre” feiert heute Premiere. Daniel Craig darf erneut die Rolle des Topagenten spielen. Was ist wahr an der Rolle? Der BBC-Korrespondent Frank Gardner hat zwei Agenten des britischen Geheimdienstes (Secret Intelligence Service, SIS – besser bekannt als MI6) interviewt und hat ihnen diese Frage gestellt.

Keine Verfolgungsjagden

Gardner trifft die beiden in einer Hotellobby. Zwei eher unscheinbare Personen stellen sich ihm vor als “Kamal”, ein etwa 30-jähriger Mann mit Bart,  und “Kirsty”, die etwas älter ist und schon länger beim MI6 ist. Sie rekrutiert neue Agenten. Die Aufgabe von Kamal im MI6 ist, Beziehungen mit Individuen aufzubauen, die über geheime Informationen verfügen, die für Grossbritannien relevant sind.

Zusammen mit anderen Diensten wie etwa der MI5 (Indland-Geheimdienst) und dem GCHQ (das zentrale Abhörzentrum) werden Gefahren für die Sicherheit des Königreichs ausgewertet und analysiert. Alles in geheimer Mission. Also nichts mit spektakulären Verfolgungsjagden oder dergleichen.

Es ist eine Gruppen-Arbeit, und keine One-Man-Show wie bei 007. Kamal’s Job beschränkt sich mehrheitlich auf seine Bürotätigkeit und hat nichts mit der Action zu tun, die James Bond immer wieder erlebt.

Das Privatleben als Spion

Spione dürfen nichts von ihrer Arbeit an die Öffentlichkeit tragen. Für die Privatsphäre eine grosse Herausforderung. Wie geht man mit dem psychischen Stress um, nie etwas verraten zu dürfen, nie über etwas reden zu dürfen, das einen im Alltag beschäftigt? “Sobald Personen dem MI6 beitreten, bekommen sie eine Art zweite Rolle”, sagt Kirsty.

“Sie gehen durch eine Reihe von Sicherheitsbriefings, um diese Rolle zu perfektionieren, damit sie authentisch wie eine zweite Identität wirkt. Die Agenten erzählen ihren nächsten Angehörigen über ihre echte Tätigkeit, allen anderen spielen sie die Rolle vor, und dies für den Rest ihrer Karriere beim MI6”.

Für Kamal ist das kein Stress, sondern ein Spassfaktor: “Es ist etwas vom besten dieser Arbeit. Es ist Theater. Manchmal kann man auch etwas übertreiben, das ist wunderbar.”

Unsichtbar und unsterblich?

James Bond ist in seinen Filmen den Feinden immer eine Spur voraus, ist fast unsichtbar und übersteht alle Gefahren. Wie gefährlich ist die Arbeit wirklich? Kirsty relativiert: “Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass der Beruf überhaupt keine Gefahren birgt. Aber wir haben ein Sicherheitsteam, das alle Risiken genau analysiert und evaluiert. Wenn es Zweifel um die Sicherheit von Agenten gibt, wird die Operation nicht durchgeführt.”

“Lizenz zum Töten”

Der Doppel-0-Agent hat die Lizenz zu Töten. Wie ist das bei den echten MI6-Agenten? “Garantiert nicht”, antwortet Kamal. “Der Mythos um die Spionage-Arbeit ist extrem irreführend. Wir sind eine Organisation, die auf subtile Art und Weise arbeitet. Wie 007 lautkrachend durch Städte über beide Hemisphären zieht, lässt absolut falsche Schlüsse ziehen. Wir operieren stets im Schatten der Öffentlichkeit und wollen keine Aufmerksamkeit auf uns lenken. Eine Lizenz zu Töten ist die Antithese zu unserer Tätigkeit.”

“C” ist auch “C” in Realität

Gewisse Mythen stimmen aber tatsächlich mit der Wahrheit überein. Die Chefposition ist als “C” bekannt, und sie ist die einzige Person, die Papiere unterschreiben darf. Eine Forschungsabteilung mit der Bezeichnung “Q”, wie sie aus dem Film bekannt ist, gibt es tatsächlich.

Persönlichkeiten wie Bond?

Und nun die Abschlussfrage: Gibt es Persönlichkeiten wie James Bond, oder gab es je so einen? Beide lachen. “Hier kommen wir zum Ende der Fiktion und müssen der Realität ins Auge sehen”, sagt Kamal. “Wir sind nicht wie Bond. Wir suchen darum auch keine Leute, die ihre Missionen erfüllen wollen, koste es was es wolle. Unsere Agenten arbeiten nach britischen gesetzlichen Vorgaben.

Deswegen und aufgrund der Tatsache, dass wir im Schatten operieren wollen, können wir keinen Bond beim MI6 brauchen. Mit seinen persönlichen Angelegenheiten würde er einer Organisation wie der unseren immens schaden.”

(red)


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