«100’000 Franken Steuergelder werden verschrottet»

Von Fabienne Engbers
Manfred Siegrist und seine Kinder wollen einen neuen Platz für die Skateboardrampen finden.
Manfred Siegrist und seine Kinder wollen einen neuen Platz für die Skateboardrampen finden. © FM1Today
Manfred Siegrist sucht verzweifelt nach einem Standort für eine Skateboard-Anlage. Wird er nicht fündig, muss die Anlage, die momentan auf dem Werkhof in Walzenhausen steht, verschrottet werden. Damit gingen 100’000 Franken Steuergelder in die Schrottpresse.

«Ich möchte, dass die Skateboardrampe einen neuen Platz in der Ostschweiz findet, damit man sie weiter benutzen kann», sagt Manfred Siegrist. Der 43-Jährige ist Inhaber des Skateboard-Geschäfts Shaka in Gossau. Mit seinen Kindern fährt er regelmässig nach Zürich, um mit dem Skateboard zu trainieren. In der Ostschweiz ist das Angebot an Skateboard-Rampen dünn.

Suche gestaltet sich schwierig

«Ich bin seit fast einem halben Jahr daran, einen neuen Ort für die teure Anlage zu finden», sagt der Skateboard-Fan. Das ist allerdings nicht so einfach. «Offenbar haben die Gemeinden kein Interesse an einer solchen Anlage oder der Platz fehlt», mutmasst Manfred Siegrist. Problematisch ist zusätzlich die Höhe der Geländer. Diese müssen laut dem Gossauer Tiefbauamt 1,20 Meter hoch sein; die Geländer der Skateboard-Anlage in Walzenhausen sind jedoch nur 1 Meter hoch. «Da noch ein zusätzlich Geländer drauf zu packen, ist doch das kleinste Problem», sagt Siegrist.

Zwischenlagerung auf einer Geissenweide

Das Grundstück, auf dem die Skateboard-Anlage nun steht, gehört einem Bauer. Der liess die Geissen auf und neben den Rampen grasen. Der Anlage hat das offenbar nicht geschadet. Nur der eine oder andere «Geissebolle» ist liegen geblieben.

«Für die Kinder werden in jeder Gemeinde Spielplätze gebaut», sagt Manfred Siegrist. «Für die Jugendlichen fehlen die Beschäftigungsmöglichkeiten in den Gemeinden». Ein Skateboard-Park würde den Jugendlichen eine solche sinnvolle und sportliche Beschäftigung bringen, meint Manfred Siegrist. Er selbst hat zwei Kinder, Felix (8) und Julia (10), beide fahren Skateboard.

Suche geht weiter

«Wir versuchen weiterhin alles, um die Rampen an den Mann zu bringen», sagt Siegrist. Die Anlage hat die Steuerzahler von Walzenhausen eine ganze Stange Geld gekostet. Manfred Siegrist hat selbst einmal Rampen gebaut und schätzt den Wert des Parks auf über 100’000 Franken. «Ausserdem wurde die Anlage nie stark gebraucht», sagt er. Über Facebook sucht der Skateboarder weiter nach einer Möglichkeit, den Skateboard-Park unterzubringen. Die Gemeinde Interlaken hat sich mittlerweile interessiert gezeigt. «Eigentlich möchte ich aber lieber, dass die Anlage in der Ostschweiz bleibt», sagt Manfred Siegrist.

Zeit läuft ab

Die Gemeinde Walzenhausen macht langsam aber sicher Druck. Anfang Juni hat Manfred Siegrist die Rampen inspiziert und der Gemeinde zugesagt, einen Platz dafür zu finden. Die Gemeinde will auf der Wiese, auf der die Anlage momentan steht, bauen. Das Abtragen eines Hügels und das Ausstecken des neuen Gebäudes haben bereits begonnen. Die Zeit wird knapp. «Finden wir niemanden, muss die Gemeinde die Rampen verschrotten», sagt Manfred Siegrist.

Skateboarden ist ab 2020 eine olympische Disziplin. Damit sollen vor allem junge Sportler begeistert werden. Der Olympiasieger in der Snowboard-Halfpipe, Iouri Podlatchikov, hat bereits angekündigt, dass er 2020 mit dem Skateboard antreten will.

Weitere Informationen zur ungewissen Zukunft der Skateboard-Anlage im Beitrag von TVO:


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