Motoren-Diebe halten Seepolizei auf Trab

Schiffsbrände liessen die Schadenssumme im Jahr 2016 stark ansteigen
Schiffsbrände liessen die Schadenssumme im Jahr 2016 stark ansteigen © Kantonspolizei Thurgau
Bevor der Frühling kommt und der Bodensee wieder die Ersten aufs Wasser lockt, blickt die Seepolizei der Kantonspolizei Thurgau auf die vergangene Wassersportsaison zurück. Auffallend hoch ist im Jahr 2016 nicht die Zahl der Unfälle, sondern der Diebstähle.

Ende Jahr war die Seepolizei der Kantonspolizei Thurgau nochmals gefordert: Anfangs Dezember rettete sie einen Fischer und seinen Sohn aus dem Bodensee, nachdem das Boot der beiden gekentert war und sie sieben Stunden im eiskalten Wasser ausharren mussten. Wenige Wochen später rettete die Seepolizei eine Frau aus dem Untersee bei Steckborn, die mit ihrem Kajak gekentert war und über eine Stunde im Wasser trieb.

Trotz dieser beiden lebensrettenden Einsätzen und dem Hochwasser im Frühsommer, das vor allem die Gemeinden am Untersee in Atem hielt, blickt die Seepolizei an ihrer jährlichen Medienkonferenz auf ein durchschnittliches Jahr zurück.

Etwas mehr Unfälle

Während die Seepolizei im Jahr 2015 16 Mal wegen eines Unfalls auf dem Thurgauer Teil des Bodensees oder des Hochrheins auslaufen musste, waren es letztes Jahr 20. Laut Fritz Hefti, Chef Verkehrs- und Seepolizei, lässt sich die leichte Zunahme teilweise durch die lange Schönwetterperiode in der zweiten Hälfte des Sommers erklären. «Die Wetterverhältnisse sind ein zentraler Faktor und hängen direkt mit der Zahl der Unfälle zusammen», sagt er.

Das Wetter war deshalb auch für die Halbierung der Einsätze im Seenotfall verantwortlich. «Wir hatten diesen Sommer zwar mehr Starkwind-Warnungen, jedoch weniger Stürme. Aus diesem Grund ist die Zahl der Seenotfälle von 111 (2015) auf 62 gesunken», bilanziert Hefti an der Medienkonferenz in Kreuzlingen.

Schiffsbrände sorgen für hohe Schadenssumme

Während die Seepolizei im Bezug auf die Zahl der Unfälle auf ein durchschnittliches Jahr zurückblickt, ist die Schadenssumme der 20 Unfälle mit 145’000 Franken markant höher als in den Jahren zuvor. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 betrug die gesamte Schadenssumme nur knapp 45’000 Franken. «Der hohe Betrag im Jahr 2016 lässt sich durch mehrere Schiffsbrände erklären. Die Brände alleine sorgten für eine Summe von rund 130’000 Franken», sagt Hefti.

Unfälle fordern vier Todesopfer

Im Jahr 2016 kamen im Thurgauer Bereich des Bodensees vier Personen ums Leben. Mitte Juni fanden Passanten den leblosen Körper eines 64-jährigen Mannes beim Schiffssteg in Landschlacht. Anfangs Juli ertrank ein 78-jähriger Mann und rund einen Monat später eine 89-jährige Frau beim Schwimmen im Bodensee bei Bottighofen. Ende August wurde eine Frau bei Steckborn aus dem Untersee geborgen und reanimiert. Sie verstarb jedoch später im Spital. Auf dem gesamten Bodensee ereigneten sich 179 Unfälle, bei denen insgesamt 14 Personen ums Leben kamen (im Jahr 2015 waren es 19 Tote).

Die Taucher der Seepolizei wurden zu 18 Einsätzen aufgeboten. Sie bargen im vergangenen Jahr mehrere Schiffe und Fahrzeuge, aber auch zwei Leichen. Den 64-Jährigen beim Schiffssteg in Landschlacht sowie eine Frauenleiche bei Tägerwilen.

30 Bootsmotoren gestohlen

Während die Zahl der Unfälle, Verletzten und Todesopfer im Vergleich zu den Vorjahren stabil blieb, fällt eine andere Zahl ins Auge: jene der Vermögensdelikte. Im Jahr 2016 hat sich die Zahl der Diebstähle fast verdoppelt. «Von den 41 Diebstählen, die uns gemeldet wurden, war 30 Mal der Aussenbordmotor an Motorbooten entwendet worden. Wir gehen davon aus, dass ein grosser Teil dieser Diebstähle einer Tätergruppe zugeschrieben werden kann. Wir nehmen an, dass diese Motoren im Ausland landen und dort weiterverkauft werden», erklärt Hefti. Gefasst wurden die Täter nicht. Weiter wurden fünf Schiffe gestohlen, wovon zwei jedoch wieder gefunden werden konnten.


Newsletter abonnieren
0Kommentare
noch 1000 Zeichen