Aargauer Gemeinde fordert: Keine Wohnungen für Flüchtlinge

Asylsuchende in einer Unterkunft in der Schweiz (Symbolbild).
Asylsuchende in einer Unterkunft in der Schweiz (Symbolbild). © KEYSTONE/Gaetan Bally
Weil anerkannte Flüchtlinge Zusatzkosten verursachen könnten, befürchtet die Aargauer Gemeinde Rekingen den finanziellen Ruin. Deshalb rät der Gemeinderat seiner Bevölkerung, anerkannten Flüchtlingen keine Wohnung zu vermieten.

“Strichpunkt” heisst die offizielle Publikation der Aargauer Gemeinde Rekingen, in der sich der Gemeinderat zu aktuellen Themen äussert. In diesem Blatt kommt er direkt auf sein Anliegen unter dem Titel “Aufnahme Asylanten mit Status B” auf den Punkt, wie die “Aargauer Zeitung” berichtet:

“Der Gemeinderat Rekingen wurde von den Sozialen Diensten Bad Zurzach darauf aufmerksam gemacht, dass sieben ehemalige Bewohner der Asylantenunterkunft nun den Status B erhalten haben und sich in Rekingen fest niederlassen. Der humanitäre Gedanke hinter der Wohnungsvermietung ist lobenswert. Diese Personen leben aber von der materiellen Hilfe. Sobald die Gemeinde kostenpflichtig ist, bedeutet dies den finanziellen Ruin für Rekingen. Aus diesem Grund bitten wir die Eigentümer von Liegenschaften, künftig von Mietverträgen mit Asylanten Status B abzusehen.”

“Existenzielle Bedrohung für Gemeinde”

Die Gemeinde will dementsprechend verhindern, dass sich Flüchtlinge in Rekingen niederlassen, aus Angst vor allfälligen Kosten. Rekingen verfügt über mehrere Unterkünfte für Asylbewerber. Werden diese anerkannt, müssen sie die Unterkunft verlassen und haben grundsätzlich freie Wohnsitzwahl. Sieben anerkannte Flüchtlinge wollen laut Knöpfel in Rekingen bleiben.

Die Gemeinde Rekingen hat mit 125 Prozent den zweithöchsten Steuerfuss im Aargau. “Als Sozialfälle würden sie die Gemeinde existenziell bedrohen”, sagt Gemeinderat Roman Knöpfel zur “Aargauer Zeitung”. Und dem wolle die Gemeinde rechtzeitig vorbeugen.

“Humanitär, aber nicht durchdacht”

Es sei vom humanitären Standpunkt aus lobenswert, aber die Frage sei, ob sich Vermieter bewusst sind, dass beispielsweise eine Kommunikation mit dem Mieter kaum möglich sei. “Dann gibt es auch die anderen Vermieter, die sich ‘gäbig’ bereichern wollen, weil der Kanton die Miete ja garantiert pünktlich bezahlt.”

Beim Verein Netzwerk Asyl Aargau ist man empört. Der Aufruf sei “sehr bedenklich, unfair und voreilig”. Rekingen sei aber nicht die einzige Gemeinde, die so agiere. “Tatsache ist, dass diese zumeist jungen Männer von der Schweiz als Flüchtlinge anerkannt wurden und mit grösster Wahrscheinlichkeit den Rest ihres Lebens hierbleiben werden.” Man müsse sie nach Kräften unterstützen, den rechten Weg in die finanzielle Selbständigkeit zu finden.

Kein lukrativer Ort für Flüchtlinge?

Knöpfel betonte, es sei nicht so, dass Rekingen auf gar keinen Fall wolle, dass die Flüchtlinge in der Gemeinde wohnhaft bleiben. “Unsere Strategie ist, ihnen vor Augen zu führen, dass der Ort in puncto Arbeitsangebot nicht wahnsinnig attraktiv und lukrativ ist, um längerfristig hierzubleiben.”


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