«Heute wären Romeo und Julia in der Psychiatrie»

Der Ehrgeiz des schweizerisch-britischen Philosophen Alain de Botton ist es, philosophisches Gedankengut verständlich und alltagstauglich zu vermitteln. Liebe ist eines seiner Spezialgebiete. (Archivbild)
Der Ehrgeiz des schweizerisch-britischen Philosophen Alain de Botton ist es, philosophisches Gedankengut verständlich und alltagstauglich zu vermitteln. Liebe ist eines seiner Spezialgebiete. (Archivbild) © KEYSTONE/EPA/JEON HEON-KYUN
Romeo und Julia «wären heute ein Fall für den Psychiater», sagt der schweizerisch-britische Philosoph Alain de Bottom: «durchgeknallte Teenager, die sich selbst umbringen». Noch katastrophaler für unser Liebesverständnis als solcherart Romantik seien Dating-Apps.

“Die Liebes-Apps aus dem Silicon Valley (…) gehen alle von der romantischen Idee des perfekten Zusammenpassens aus”, sagte der glücklich verheiratete 46-Jährige im Interview mit der Tageszeitung «Bund». «Das Problem: Es gibt keine perfekten Paare, denn niemand ist perfekt und alle Probleme und Defizite fliessen in die Partnerschaft ein.»

Das führe zu grossem Unglück. «Ich sage: Tinder ist ein Feind der Liebe». Es sei bedauerlich, dass es keine Apps gebe, die einem helfen würden, andere besser zu verstehen. «Heute ist Technologie nur am Zusammenbringen interessiert.»

Als Befürworter der «gewöhnlichen» Liebe, die man erlernen und an der man arbeiten muss, plädiert De Botton entschieden für Monogamie: Egal welche Beziehungsform man wähle, ob Treue oder offene Beziehung, «wir werden so oder so leiden». Doch bei Seitensprüngen seien die psychischen Schäden schmerzhafter.

(SDA)


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