Mehr als 200 Festnahmen bei Protesten gegen Polizeigewalt in USA

Polizisten sperren die Strasse vor dem Polizeipräsidium in Dallas: Die Behörden erhielten eine Drohung, die sie nach eigenen Angaben sehr ernst nehmen.
Polizisten sperren die Strasse vor dem Polizeipräsidium in Dallas: Die Behörden erhielten eine Drohung, die sie nach eigenen Angaben sehr ernst nehmen. © KEYSTONE/AP ap/NOMAAN MERCHANT
Nach dem Tod von zwei Schwarzen und fünf weissen Polizisten innerhalb weniger Tage sind Demonstrationen gegen Polizeigewalt in den USA am Wochenende eskaliert. Mehr als 200 Menschen wurden festgenommen. US-Präsident Barack Obama appellierte an die Einheit der Nation.

Das Weisse Haus kündigte für Dienstag die Teilnahme Obamas an einer Trauerfeier für die getöteten Polizisten in Dallas an.

In zahlreichen US-Städten gingen Menschen auf die Strasse, um gegen Polizeigewalt gegen Schwarze zu demonstrieren, nachdem Polizisten in den vergangenen Tagen zwei Schwarze in St. Paul und Baton Rouge erschossen hatten.

In Dallas hatte daraufhin am Donnerstagabend ein 25-jähriger Schwarzer während einer friedlichen Kundgebung gegen Polizeigewalt fünf weisse Polizisten aus einem Hinterhalt erschossen. Der Afghanistan-Veteran Micah Johnson gab an, aus Rache weisse Polizisten töten zu wollen, bevor er von der Polizei getötet wurde.

Nach Angaben des Polizeichefs von Dallas, David Brown, verfolgte der Attentäter noch andere “zerstörerische” Projekte. Johnson habe mit Sprengstoff experimentiert, das vorgefundene Material hätte “zerstörerische Auswirkungen” auf die Stadt Dallas und auf “den Norden von Texas” haben können, sagte er.

In St. Paul im Bundesstaat Minnesota, wo ein Polizist am Mittwoch den Schwarzen Philando Castile in dessen Auto erschossen hatte, blockierten hunderte Demonstranten am Samstagabend stundenlang eine Autobahn und warfen Steine, Feuerwerkskörper und Flaschen auf Polizisten. 21 Sicherheitskräfte wurden nach Behördenangaben verletzt, mehr als hundert Menschen festgenommen.

“Das hat nichts mit Trauer zu tun, das hat nichts mit einer Demonstration zu tun, das nennt sich Aufstand, das nennt sich Gewalt”, sagte der Bürgermeister von St. Paul, Chris Coleman.

Auch in Baton Rouge in Louisiana, wo ein Polizist am Dienstag den schwarzen CD-Verkäufer Alton Sterling erschossen hatte, wurden mehr als hundert Demonstranten festgenommen, wie örtliche Medien unter Berufung auf die Polizei berichteten.

In San Francisco hielt ein grosses Polizeiaufgebot Demonstranten davon ab, eine Strassenkreuzung zu besetzen. Auch in Phoenix im Bundesstaat Arizona hatte die Polizei am Freitagabend Tränengas gegen Steine werfende Demonstranten eingesetzt. In Rochester im Bundesstaat New York wurden 74 Demonstranten nach einem Sitzstreik festgenommen.

US-Präsident Obama verkürzte seine Europareise um einen Tag und wollte schon am Sonntagabend in die USA zurückkehren. Bei einer Zwischenlandung in Madrid verteidigte er die US-Polizei: Eine grosse Mehrheit der Polizisten mache “wirklich gute Arbeit und versuche, Menschen zu schützen”, und dieses fair und ohne rassistische Tendenzen.

Am Dienstag wird Obama nach Dallas reisen, um bei einer ökumenischen Trauerfeier für die getöteten Polizisten zu sprechen, wie das Weisse Haus mitteilte.

Parteiübergreifend mahnten Politiker, die Spaltung des Landes nicht weiter zu vertiefen. Vizepräsident Joe Biden verurteilte die Polizistenmorde, aber auch die tödlichen Polizeieinsätze gegen Schwarze.

Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton forderte, “weisse Amerikaner müssen besser zuhören, wenn Afroamerikaner über die Hürden sprechen, auf die sie stossen”.

“Wer kein Afroamerikaner ist, wird niemals ganz begreifen können, was es bedeutet, schwarz zu sein”, sagte der ehemalige republikanische Präsidentschaftsbewerber Marco Rubio.

Ähnlich äusserte sich der frühere Sprecher der Republikaner im US-Repräsentantenhaus, Newt Gingrich. Schwarze in den USA lebten gefährlicher als Weisse, erklärte Gingrich, der als Donald Trumps möglicher Kandidat für die Vizepräsidentschaft gehandelt wird.

(SDA)


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