Alle wollen das Schulhaus Wildhaus bauen

Von Laurien Gschwend
Das Provisorium (rechts) sowie das ehemalige Lehrerhaus (Mitte) der Anlage Lisighaus sollen ersetzt werden.
Das Provisorium (rechts) sowie das ehemalige Lehrerhaus (Mitte) der Anlage Lisighaus sollen ersetzt werden. © TAGBLATT/Sabine Schmid
Im Jahr 2018 soll ein Ersatzneubau für das Primarschulhaus in Wildhaus entstehen. Ganze 128 Architekturbüros aus ganz Europa haben dafür ihre Ideen eingereicht. Ein Preisgericht hat die besten zehn Vorschläge nun selektioniert.

Es wäre nicht das erste Bauprojekt im Toggenburg, das von Stararchitekten geplant wurde. Herzog & de Meuron gestalteten die Bergstation auf dem Chäserrugg neu, Peter Zumthor reichte einen Vorschlag für das Klanghaus ein. Derzeit kämpfen 128 Architekturbüros aus ganz Europa allerdings nicht darum, einen pompösen Konzertsaal zu gestalten, sondern die Primarschule in Wildhaus.

Attraktiver Auftrag der öffentlichen Hand

Dass gleich 128 Ideen eingereicht werden, ist für ein Primarschulhaus eine beträchtliche Zahl. “Es ist für mich nicht ganz nachvollziehbar, dass sich so viele melden”, sagt Schulleiter Stefan Gubler gegenüber FM1Today. Es sei wohl attraktiv, das Projekt zu konzipieren, da es sich um ein mittelgrosses Gebäude handelt. “Es ist kein Einfamilienhaus, aber auch nicht eine Riesengeschichte.” Ein mittelgrosses oder auch ein kleines Unternehmen könne das Projekt bewältigen.

Ausserdem seien Aufträge der öffentlichen Hand oft ein Anreiz, sich zu bewerben. “Eine politische Gemeinde hat immer auch finanziell einen gewissen Rückhalt”, so Gubler. Er bezieht sich auf Aussagen der Raumplaner und Architekten, die mit dem Gemeindepräsidenten Rolf Züllig und dem Schulratspräsidenten Peter Abderhalden Mitglieder des Preisgerichtes sind.

Anonyme Arbeiten

Die Fachjury hat unter den Bewerbern acht Architekturbüros und zwei Jungbüros ausgewählt. Derzeit ist noch offen, wer das Rennen macht. “Selbst das Preisgericht weiss nicht, welches Architekturbüro hinter dem Wettbewerbsbeitrag steckt, da die Arbeiten anonym eingereicht werden”, sagt Rolf Züllig gegenüber dem “Werdenberger & Obertoggenburger“.

Räume an Unterrichtsformen anpassen

Es sind verschiedene Aspekte zu berücksichtigen, um in die engere Auswahl zu kommen. “In erster Linie halten wir uns an das vom Schulgesetz vorgegebene Raumprogramm”, sagt Stefan Gubler. Heute sei es üblich, nicht mehr nur frontal zu unterrichten. “Deshalb müssen auch die Räume flexibler gestaltet werden”, fährt Gubler fort. Dies sei ein allgemein gültiges Kriterium, das nicht nur für die Schule Wildhaus gelte.

Um zu gewinnen, müssen die Büros ein “qualitativ hochstehendes Konzept” erarbeiten, das sich “in die bestehende Bebauung und Landschaft einfügt”, heisst es im “Werdenberger & Obertoggenburger” weiter. Die typische Architektur des Toggenburgs soll weitergeführt werden.

Aktuelle Situation “sehr umständlich”

Derzeit müssen die Schüler je nach Fach das Schulhaus wechseln. “Die jetzige Situation ist deshalb sehr umständlich”, so Gubler. Um in die Handarbeit oder die Religion zu gelangen, “muss man die Finken ausziehen und im Winter fast den Skianzug anziehen”, sagt der Schulleiter. Es sei eine grosse Verbesserung, wenn alles unter einem Dach angesiedelt werde.

Im Dezember berät sich das Preisgericht und wählt die beste Arbeit aus. “Erst, wenn das Siegerprojekt steht, können wir die exakten Kosten ausarbeiten”, sagt Gemeinderatsschreiberin Sabrina Lusti auf Anfrage. Das letzte Wort haben schliesslich die Bürger: An der Urne entscheiden sie über den Baukredit. Nehmen sie diesen an, sollen voraussichtlich im März 2018 die Bauarbeiten beginnen.


Newsletter abonnieren
0Kommentare
noch 1000 Zeichen