Alpaka-Wolle aus dem Toggenburg

Sabina Haese mit einem ihrer Schützlinge.
Sabina Haese mit einem ihrer Schützlinge. © FM1Today
Sabina Haese besitzt nicht nur Häsli, Hunde und Katzen. Ihr Spezialgebiet sind die Alpakas. Seit 27 Jahren spinnt sie selber die Wolle der exotischen Tiere. Daraus entstehen Kleider, von Handschuhen bis zu langen Unterhosen.

Im idyllischen Stein im Toggenburg ist Sabina Haese mit ihren Tieren zu Hause. Katzen, Hunde, Esel, Gämse – und Alpakas. Seit 27 Jahren hat die Hausfrau eine Herde dieser speziellen Vierbeiner, die eigentlich im Gebiet der Anden heimisch sind. “Ich bin selber mit vielen Tieren aufgewachsen und habe mich als Teenie schon gefragt: Welches ist eigentlich das perfekte Tier?”, erzählt Sabina Haese. Sie sei schnell auf das Lama gekommen. “Man kann es reiten, melken – dachte ich damals zumindest – und die Wolle brauchen. Zudem dienen sie als Lasttiere”, sagt die 54-Jährige.

Sesshaft mit Alpakas

Mit 27 Jahren dachte sich Haese: “Jetzt wirst Du sesshaft.” Sie habe sich dann zwei Alpakas gekauft. Dass sie danach anfing, die Alpaka-Wolle zu spinnen, hat sich einfach so ergeben. “Man muss die Tiere einmal pro Jahr scheren. Da kommt sehr viel schöne, flauschige Wolle zusammen.” Niemand wollte ihr die Wolle abkaufen. So kam es, dass sie die Wolle selbst in die Hand nahm. “Es lag nahe, mir ein Spinnrad zuzutun”, sagt Haese.

Lange Unterhosen aus Alpakawolle

Mit ihrer Wolle produziert sie hauptsächlich kleine Sachen wie Handschuhe, Schals oder Gilets. “Ich habe auch schon lange Unterhosen gestrickt”, sagt sie und lacht. Sie macht auch grössere Kleidungsstücke, diese haben ihren Preis: Ein Pullover kostet 185 Franken. “Den Zeitaufwand kann ich nicht genau definieren, es ist aber auf jeden Fall sehr aufwendig”, sagt Haese.

Alles aus einer Hand

Die naturbelassene Alpakawolle gibt es in etwa 22 verschiedenen Farbtönen. Die Wolle wird zuerst gewaschen und danach kardiert. Dann geht’s ans Spinnrad und das Stück muss noch gestrickt werden. Und das alles made by Sabina Haese.

Alpakas verkaufen oder essen

Wieviele Alpakas Sabina Haese besitzt, kann sie nicht sagen. “Was ich genau weiss: Elf Fohlen habe ich diesen Frühling aus der Herde bekommen.” Viele Tiere werden im Laufe des Jahres verkauft oder auch verzehrt, dann kommen wieder Jungtiere dazu. “Ich denke, im Moment sind es so 30 bis 35 Stuten und zehn Hengste. Vier von ihnen sind im Deckeinsatz”, erklärt Haese.

Zäh wie das Alpaka

Alpakas seien sehr aufmerksam und feinfühlig. Streicheln lassen sie sich jedoch nicht gerne. Sie verkauft viele ihrer Tiere weiter an Züchter. Eine Weile lang seien auch Alpakas interessant gewesen für Therapiezwecke psychisch geschädigter Menschen. “Das war ein paar Jahre ein ziemlicher Boom.”

Das Alpaka-Fleisch habe übrigens keinen richtigen Eigengeschmack. “Das Fleisch ist zäh, wie das Tier selber auch”, sagt Haese. Es habe wenig Fett dran, aber dafür viel Eiweiss. “Man muss einfach wissen, wie man es kochen muss.”

Hoffnung auf keine Veränderung

Wo sieht sich die Alpaka-Hirtin in zehn Jahren? “Ich will mich gar nicht gross verändern in der nächsten Zeit. Es ist ideal, so wie es ist, die Herde soll nicht grösser werden. Ich lerne nach wie vor jeden Tag dazu und bin immer noch sehr fasziniert von diesen Tieren.”

(red)


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