Alpeninitiative: Klimaziel nur mit weniger Lastwagen erreichbar

Ein Güterzug ist auf der Gotthardstrecke bei Gurtnellen unterwegs - auf der parallel verlaufenden Autobahn fahren Lastwagen in Richtung Süden (Archivbild).
Ein Güterzug ist auf der Gotthardstrecke bei Gurtnellen unterwegs - auf der parallel verlaufenden Autobahn fahren Lastwagen in Richtung Süden (Archivbild). © Keystone/MARTIN RUETSCHI
Will die Schweiz ihre Klimaziele erreichen, müsse die Zahl der alpenquerenden Lastwagen von heute einer Million Lastwagen auf unter 600’000 pro Jahr reduziert werden. Das fordert der Verein Alpeninitiative und beruft sich dabei auf eine Klimastudie.

Die Studie des Verkehrsexperten François Périllon setzt die Entwicklung des alpenquerenden Schwerverkehrs in Beziehung zu den Klimazielen des Bundes. Sie wurde von der Alpeninitiative in Auftrag gegeben und am Montag vor den Medien in Bern präsentiert.

Prognosen der OECD gehen für 2050 von einer Verdreifachung des Güterverkehrs in Europa aus. Auch in der Schweiz soll der Güterverkehr auf der Strasse gemäss offiziellen Prognosen trotz neuem NEAT-Basistunnel am Gotthard weiter zunehmen. Die Studie berücksichtigt zudem Faktoren wie die Weiterentwicklung der Lastwagentechnologie, Treibstoff und Politik und prognostiziert in mehreren Szenarien die Verkehrszunahme.

Diese stehe im Widerspruch mit den allgemeinen Klimazielen des Bundes, lautet der Schluss des Autors. Die Schweizer Klimaziele sehen vor, den Ausstoss des klimaschädlichen Kohlendioxid (CO2) zu vermindern, um die Klimaerwärmung zu bremsen.

Zu den wichtigsten Verursachern von CO2 gehört der Schwerverkehr, welcher in der Schweiz fünf Prozent dieser Emissionen verursacht. Denn die Lastwagen stiessen noch gleich viel Kohlendioxid aus wie vor 30 Jahren, erklärte die Co-Präsidentin der Grünen, Regula Rytz.

Zwar seien die neuen Fahrzeuge mit Anlagen ausgerüstet, welche die dreckigen Abgase von Feinstaub befreien. Diese “Waschanlagen” brauchten aber sehr viel Energie, so dass “ein neuer Lastwagen noch genau gleich viel CO2 ausstösst wie die Dreckschleudern von vor 30 Jahren”, kritisierte die Nationalrätin.

Seit 1994 hat der Bundesrat den in der Verfassung verankerten Auftrag, den alpenquerenden Gütertransitverkehr von der Strasse auf die Schiene zu verlagern, wie Jon Pult, Präsident der Alpeninitiative, in Erinnerung rief. Laut Gesetz dürfen ab 2018 nur noch 650’000 Lastwagen im Jahr die Schweizer Alpen durchqueren.

An diesem Fahrtenziel müsse die Schweiz festhalten, fordern die Vertreter der Alpeninitiative. Für die Klimaziele 2050 sei zudem eine weitere Senkung der alpenquerenden Lastwagenfahrten nötig – auf mindestens 585’000 Fahrten. “Es führt kein Weg an der Reduktion der alpenquerenden Lastwagenfahrten vorbei”, so Pult.

Weiter fordert der Verein, dass der Bundesrat die leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA) “endlich auf das erlaubte Maximum erhöhe und der Teuerung anpasse. Beides sei mit den Bilateralen Verträgen zwischen der Schweiz und der EU vereinbar. Heute zahle ein Transit-Lastwagen, der die Strecke Basel-Chiasso fährt, durchschnittlich 50 Franken zu wenig.

Die Alpeninitiative fordert zudem die Einführung von CO2-Limiten für Lastwagen.

Anfang Dezember präsentiert der Bundesrat seinen neuen Verlagerungsbericht – der letzte vor der Öffnung des Gotthard-Basistunnels. Der Verein sieht darin für die Regierung eine “riesige Chance, endlich den Verfassungsauftrag umzusetzen”.

Der Gotthard-Basistunnel werde gerne als “grösstes Umweltprojekt der Schweiz” bezeichnet. Das werde er aber nur, wenn die Gütertransporte von der Strasse auf die Schiene verlagert und so ein Beitrag zum Erreichen der Klimaziele geleistet werde.

(SDA)


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