Als Bombenbauer verdächtigter US-Schüler will Schadenersatz

Der Vorfall an seiner Schule hat Ahmed Mohamed unter anderem eine Einladung nach Washington eingebracht. Wegen eines "seelischen Traumas" fordert der vermeintliche Bombenhersteller nun 15 Millionen Dollar. (Archivbild)
Der Vorfall an seiner Schule hat Ahmed Mohamed unter anderem eine Einladung nach Washington eingebracht. Wegen eines "seelischen Traumas" fordert der vermeintliche Bombenhersteller nun 15 Millionen Dollar. (Archivbild) © KEYSTONE/EPA/MICHAEL REYNOLDS
Der zu Unrecht als Bombenbauer verdächtigte US-Schüler Ahmed Mohamed fordert nun 15 Millionen Dollar Schadenersatz. Über seine Anwälte macht der Schüler, der mittlerweile in Katar lebt, ein seelisches Trauma geltend.

Die Festnahme Mitte September wegen eines selbst gebauten Weckers und die anschliessende gesellschaftliche Ächtung hätten ein “erhebliches seelisches Trauma” bei ihrem Mandanten angerichtet, heisst es in einem am Montag (Ortszeit) veröffentlichten Schreiben der Anwälte des 14-Jährigen. Ahmed lebt inzwischen in Katar.

Die Anwälte fordern von der MacArthur-High School in Irving im Bundesstaat Texas fünf Millionen und von der Stadt Irving zehn Millionen Dollar. Wenn diese Forderungen nicht innerhalb von zwei Monaten erfüllt würden, werde ein Prozess angestrengt.

Ahmed, einem Sohn sudanesischer Einwanderer, wurde Mitte September seine Bastelleidenschaft zum Verhängnis. Der Jugendliche brachte einen selbst gebauten Wecker mit in die Schule, um einen Lehrer zu beeindrucken. Statt jedoch dafür Anerkennung zu erhalten, wurde er von der Polizei in Handschellen abgeführt. Ein Lehrer hatte den Wecker für eine Bombe gehalten.

Zunächst musste sich Ahmed wegen des Baus einer Bombenattrappe verantworten. Nach seiner Freilassung wurde dann ein dreitägiges Schulverbot gegen ihn verhängt. Ein Foto des 14-Jährigen in Handschellen verbreitete sich rasch im Internet, Ahmeds Schule und der Polizei wurden Islamfeindlichkeit vorgeworfen.

“Ahmed wurde eindeutig wegen seiner Rasse, seiner Herkunft und seiner Religion herausgepickt”, schrieb seine Anwältin Kelly Hollingsworth. Irvings Bürgermeisterin Beth Van Dune habe in einer TV-Show, in der auch über einen bevorstehenden “heiligen Krieg der Zivilisationen” geredet worden sei, von einer “Spassbombe” gesprochen.

Mit der damals einsetzenden Hetze habe die Familie von Ahmed jede Möglichkeit verloren, in den USA in Sicherheit zu leben. Die Familie erhielt tatsächlich über das Internet Drohungen und zog fort, nachdem ihre Adresse publik geworden war.

Als die Geschichte im September aufkam, erhielt Ahmed zahlreiche Einladungen grosser Unternehmen – und sogar vom Weissen Haus. Der Sprecher von Präsident Barack Obama, Josh Earnest, sagte damals, einige von Ahmeds Lehrern hätten ihn im Stich gelasse”. Die Vorfälle könnten sich als lehrreich erweisen. Obama lud den Schüler zur Nacht der Astronomie ins Weisse Haus ein.

Ahmed veröffentlichte in den vergangenen Wochen über Twitter Fotos von Besuchen in Mekka, New York, im Sudan und Katar. Die Anwälte argumentieren jedoch, dass es neben dieser glamourösen auch eine dunkle Seite der Geschichte gebe. Sie machen geltend, der Teenager habe schliesslich ein “schweres psychologisches Trauma” erlebt.

(SDA)


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