Altersvorsorge macht Schweizern Angst

Schweizerinnen und Schweizer machen sich am meisten Sorgen um ihre Altersvorsorge, wie eine am Dienstag veröffentlichte Befragung zeigt.
Schweizerinnen und Schweizer machen sich am meisten Sorgen um ihre Altersvorsorge, wie eine am Dienstag veröffentlichte Befragung zeigt. © KEYSTONE/MARTIN RUETSCHI
Die Ungewissheit, ob man im Alter noch genügend Geld zum Leben hat, macht den Schweizerinnen und Schweizern am meisten Sorgen. Dies zeigt das Sorgenbarometer 2017 der Credit Suisse. Die Angst um die Altersvorsorge hat jene vor der Arbeitslosigkeit abgelöst.

44 Prozent der Befragten sehen in der Altersvorsorge das grösste Problem der Schweiz, wie die am Dienstag veröffentliche Befragung der CS zeigt. Damit wurde die Arbeitslosigkeit als Top-Sorge der Schweizer Bevölkerung abgelöst. Seit 2003 hatte das Sorgenbarometer mit der Arbeitslosigkeit einen einsamen Spitzenreiter gekannt.

Die Sorgen-Hierarchie habe sich deutlich verschoben, heisst es in der Mitteilung der CS. Alle Bevölkerungsschichten seien sich heute einig, dass die Altersvorsorge saniert werden müsse. So wird denn auch die Frage nach dem wichtigsten politischen Ziel von den meisten Befragten mit der Sanierung der AHV beantwortet.

Die Angst um die Altersvorsorge hat in der Sorgenwahrnehmung gegenüber dem Vorjahr um 16 Prozent zugenommen, wogegen jene vor der Arbeitslosigkeit leicht eingebüsst hat. Der Trend könnte die Altersvorsorge zu einem klimaprägenden gesellschaftlichen Thema werden lassen, schreiben die Verantwortlichen des Sorgenbarometers.

Das Nein zur AHV-Rentenreform 2020 – die Abstimmung fand nach der Erhebung für das Sorgenbarometer statt – dürfte gemäss CS auch kaum zu einer Beruhigung der Bevölkerung beitragen. Politik und Verwaltung gerieten in solchen Stimmungslagen stark unter Druck, für die Gesellschaft tragfähige Kompromisslösungen zu erarbeiten.

Das neuste Sorgenbarometer zeigt zudem auch, dass nicht nur die Arbeitslosigkeit insgesamt von weniger Befragten als Bedrohung empfunden wird, sondern dass 37 Prozent auch glauben, ihr Job sei sehr sicher. Das sind so viele wie noch nie.

Wie schon in den letzten Jahren beobachtet, bereiten den Befragten Ausländer- oder Flüchtlingsthemen immer weniger Sorgen. Sie liegen auf Platz drei und vier. Diese Ängste hätten an Dringlichkeit verloren, heisst es in der Mitteilung. Die Befragten können jeweils aus einer Auswahl von 37 Sorgen die fünf für sie wichtigsten bestimmen.

In einem Punkt ist die Schweizer Bevölkerung nicht zu toppen, nämlich beim Vertrauen in ihre Institutionen. Dieses sei so gross wie in kaum einem anderen Land, schreibt die CS. 60 Prozent vertrauen dem Bundesrat, während in OECD-Ländern das Vertrauen in die jeweilige Regierung bei durchschnittlich 42 Prozent liegt.

Am grössten ist das Vertrauen ins Bundesgericht, gefolgt von den Banken. Sie machten vom 15. auf den zweiten Platz einen riesigen Sprung nach vorne. Von den 20 höchst platzierten Institutionen büssten 18 Vertrauen ein – am meisten die Armee oder die Nationalbank, aber auch Arbeitnehmerorganisationen und die Medien.

Schweizerinnen und Schweizer sind aber auch ein stolzes Volk, wie die Befragung weiter zeigt. 90 Prozent von ihnen sind stolz oder sehr stolz auf ihr Land. 2004 waren es erst 73 Prozent, 2010 noch 82 Prozent. Diese vorwärtsgewandte Identität finde eine breite Basis, schreibt die CS. So gibt es beim Nationalstolz praktisch keine Unterschiede zwischen Rechts und Links.

Das Credit Suisse Sorgenbarometer wird seit 41 Jahren jährlich erhoben. Im Auftrag der CS führte das Forschungsinstitut gfs.bern im Juli 2017 eine repräsentative Umfrage unter 1000 Stimmberechtigten in allen Landesteilen durch.

(SDA)


Newsletter abonnieren
1Kommentar
noch 1000 Zeichen

HTML-Version von diesem Artikel