Ammanns schwierige Rückkehr nach Bischofshofen

Von Michael Ulmann
Simon Ammann's schwerer Sturz in Bischofshofen.
Simon Ammann's schwerer Sturz in Bischofshofen. © Keystone, Daniel Karmann
Wir schreiben den 6. Januar 2015. Es läuft der finale Durchgang des vierten Springens der Vierschanzentournee in Bischofshofen. Simon Ammann setzt zu einem Top-Sprung an, fliegt 136 Meter weit, stürzt bei der Landung allerdings schwer. Seine Karriere steht auf dem Spiel. Nun, ein Jahr danach, kehrt der Toggenburger an den Ort seines schwersten Sturzes zurück.

Die Zahlen sind eindrücklich. Die Paul-Ausserleitner-Schanze in Bischofshofen ist 132,5 Meter hoch, 362 Meter lang und hat einen HillSize von 140 Metern. Damit ist sie nicht nur die grösste Schanze der Vierschanzentournee, sondern auch eine der grössten im gesamten Skisprung-Weltcup. Tragisch: Der österreichische Skispringer Paul Ausserleitner, nach dem die Schanze benannt ist, stürzte im Jahr 1952 auf der Schanze so schwer, dass er wenige Tage später an seinen schweren Verletzungen gestorben ist. Heute Dienstag kehren Simon Ammann und der gesamte Skisprung-Tross für das letzten Springen der Vierschanzentournee nach Bischofshofen zurück.

Schreckliche Bilder

Für Simon Ammann dürfte die Rückkehr in den österreichischen Skisprung-Ort keine einfache sein. Wir erinnern uns:  Nach seinem weiten Satz auf 136 Meter gehen ungefähr bei Tempo 120 die Beine des Toggenburgers auseinander, Ammann verliert das Gleichgewicht, bekommt Vorlage und stürzt Kopf voran auf den harten Schnee. So schliedert er noch weiter und kommt bewusstlos im Schanzenauslauf zum Stillstand. Dort wird er von Sanitätern erstversorgt. Sein Gesicht ist blutüberströmt.

Keystone, Kerstin Joensson)

Bild: Keystone, Kerstin Joensson

Nicht nur die ORF-Kommentatoren (siehe Video unten) sind geschockt. Danach kommt der vierfache Olympia-Sieger in ein nahgelegenes Spital. Die Diagnose: Schwere Hirnerschütterung und schwere Schürfwunden am Gesicht. Seine Frau Jana muss den Horror-Sturz vor Ort mitansehen. Nach dem Vorfall denkt Ammann über einen Rücktritt nach, gibt Mitte Mai 2015 aber bekannt, dass er weitermacht.

Frei im Kopf?

Die Frage, die sich stellt ist: Kann Simon Ammann bei seiner Rückkehr diese bösen Erinnerungen ausblenden? Ja, sagt sein langjähriger Sportpsychologe Hanspeter Gubelmann. “Simon hat seine Hausaufgaben gemacht in der Vorbereitung auf diese Rückkehr. Ich weiss, dass er sich die Bilder vom Sturz angeschaut hat und ich weiss, dass er im Sommer extra nach Bischofshofen gefahren ist, um auf der Schanze zu trainieren.”, sagt Gubelmann gegenüber dem Online-Portal “watson”. Ammann ist also zuzutrauen, dass er ohne Angst an den Start geht. Als Konsequenz aus dem Sturz hat der Toggenburger im Sommer damit begonnen, seine Telemark-Landung umzustellen. Resultatmässig bisher allerdings mit eher bescheidenem Erfolg.

Noch nie gewonnen

Heute Freitagabend ab 17 Uhr findet die Qualifikation für das vierte Springen in Bischofshofen statt. Morgen fällt die Entscheidung, wer die Vierschanzentournee 2015/16 gewinnt. Einmal mehr wird dies nicht Simon Ammann sein. Er hat längst keine Chancen mehr auf den Sieg. Im Gesamtklassement belegt er zurzeit Rang 14. Sein bisher bestes Tournee-Resultat ist ein zweiter Platz (2008/09 und 2010/11).

 


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