Amnesty zählt 2016 weniger Hinrichtungen, aber mehr Todesurteile

Hinrichtungszimmer in Carson City, Nevada (USA). Erstmals seit 2006 waren die USA nicht mehr unter den Top-5-Scharfrichtern. (Archiv)
Hinrichtungszimmer in Carson City, Nevada (USA). Erstmals seit 2006 waren die USA nicht mehr unter den Top-5-Scharfrichtern. (Archiv) © KEYSTONE/AP/CATHLEEN ALLISON
Letztes Jahr ist die Zahl der Hinrichtungen weltweit zurückgegangen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) weiss von mindestens 1032 Vollstreckungen von Todesurteilen.

Damit wurden 37 Prozent weniger Hinrichtungen registriert als im Jahr 2015, wie Amnesty am Dienstag in einem Bericht schreibt. Der Rückgang der Hinrichtungszahlen weltweit ist vor allem auf den Rückgang im Iran (minus 42 Prozent: von mindestens 977 auf mindestens 567) und Pakistan (minus 73 Prozent: von 326 auf 87) zurückzuführen.

Die Zahl der vollstreckten Todesurteile ist laut AI aber nur bedingt aussagekräftig, denn sie umfasse nicht «die tausenden von Exekutionen in China». Dort gilt die Hinrichtungsstatistik als Staatsgeheimnis.

In den meisten Ländern, in welchen Menschen zum Tode verurteilt oder hingerichtet wurden, sei die Todesstrafe nach Prozessen verhängt worden, die nicht den internationalen Standards für faire Prozesse entsprächen.

23 Staaten vollstreckten die Todesstrafe – das waren zwei weniger als im Vorjahr. So hatte Amnesty keine Hinweise auf Hinrichtungen in Tschad, Indien, Jordanien, Oman, den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie im Jemen. 2015 hatten diese Staaten noch Menschen exekutiert.

Weissrussland und die Palästinenserregierung dagegen nahmen die Hinrichtungen nach einem Jahr Pause wieder auf, während Botswana und Nigeria erstmals seit 2013 wieder die Todesstrafe vollstreckten. In Malaysia und Vietnam sind nach neuesten Erkenntnissen die Hinrichtungszahlen weit höher als bisher angenommen.

55 Prozent der registrierten Hinrichtungen geschahen im Iran. Nimmt man Saudi-Arabien, Irak und Pakistan dazu, entfallen gar 87 Prozent der weltweiten Hinrichtungen auf die vier Länder. Während der Irak die Zahl der Exekutionen mehr als verdreifachte und Ägypten und Bangladesch die ihrigen verdoppelten, verminderte der Iran die Zahl von 977 auf 567.

Erstmals seit 2006 waren die USA nicht mehr unter den Top-5-Scharfrichtern. Das hängt teilweise mit den Problemen zusammen, die das Land bei der Beschaffung von chemischen Mitteln für Giftspritzen hat.

Zwei weitere Länder schafften 2016 die Todesstrafe gänzlich ab. Der Staatsgerichtshof von Benin erklärte sie für verfassungswidrig. Nauru entfernte die Todesstrafe als erlaubte Bestrafung im Rahmen einer Revision aus dem Strafgesetzbuch. Guinea schaffte in seinem revidierten Strafgesetzbuch die Todesstrafe zumindest für normale Verbrechen ab.

Saudi-Arabien vollzog als einziges Land Hinrichtungen durch Köpfen. Gehängt wurden Verurteilte in Afghanistan, Bangladesch, Botswana, Ägypten, Iran, Irak, Japan, Malaysia, Nigeria, Pakistan, Palästina, Singapur, im Südsudan und im Sudan. Giftspritzen verwendeten die USA, China und Vietnam, Erschiessungen führten Weissrussland, China, Indonesien, Nordkorea, Palästina, Saudi-Arabien, Somalia und Taiwan durch.

Berichte von Hinrichtungen durch Steinigung gab es keine. Im Iran und in Nordkorea kam es laut der Organisation aber zu öffentlichen Hinrichtungen.

Laut AI wurden im Jahr 2016 insgesamt 3117 Menschen in 55 Ländern neu zum Tode verurteilt. 2014 waren es 2466, im Jahr 2015 noch 1998. Ende 2016 waren insgesamt 18’848 Menschen weltweit zum Tode verurteilt.

(SDA)


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