«An der Schlammschlacht will ich mich nicht beteiligen»

Dölf Früh wirke nicht mehr im hintergrund. Das zumindest sagt er selbst.
Dölf Früh wirke nicht mehr im hintergrund. Das zumindest sagt er selbst. © KEYSTONE/Gian Ehrenzeller
Lange hat Dölf Früh zu den aktuellen Turbulenzen beim FC St.Gallen geschwiegen. Nun nimmt er im Tagblatt schriftlich Stellung zu seiner Rolle im Hintergrund und sein Aktienpaket, das immer noch fast 50 Prozent beträgt.

Es war in den letzten Tagen und Wochen ein Ding der Unmöglichkeit: Ein Gepräch mit Dölf Früh. Viele offenen Fragen standen im Raum, nicht zuletzt auch die, warum er sich nicht äussert.

«Schlammschlacht schadet nur dem Club»

Drei Gründe hat Dölf Früh für sein Schweigen. «Erstens meine gesundheitlichen Probleme. Zweitens, dass ich nicht mehr in die Geschäfte des FC St.Gallen involviert bin. Ich habe seit meinem Rückzug keinerlei Entscheidungen mehr getroffen», sagt Dölf Früh gegenüber dem Tagblatt in einer schriftlichen Stellungnahme. «Drittens wollte und will ich mich nicht an der jetzigen Schlammschlacht beteiligen, die letztlich nur dem Club schadet. Es sollte nicht mehr um persönliche Egos gehen, sondern nur darum, dass der FC St.Gallen erfolgreich ist.»

«Otero ist emotional und sehr direkt»

Dölf Früh habe ein professionelles Verhältnis zu Donato Blasucci und Marco Otero. Blasucci habe nie versucht, ihn oder den Club zu beeinflussen, um seinem Sohn, der vor Kurzem ins Kader des FCSG aufgenommen wurde, Vorteile zu verschaffen.

Auch mit Otero habe Früh ein professionelles Verhältnis gehabt. «Marco Otero ist ein emotionaler Mensch und in seinen Ansagen sehr direkt. Das kommt nicht bei jedermann gut an und führt dazu, dass er oftmals ungerechtfertigt angegriffen wird.» Er sei aber einer der besten technischen Leiter und leiste gute Arbeit. «Und obwohl Marco Otero Spanier ist und aus Zürich kommt, setzt er sich mit Leidenschaft und einem grossen grün-weissen Herz für den FC St.Gallen ein.»

«Habe mich in keine Entscheidungen eingemischt»

Dölf Früh habe sich nach der Wahl des neuen Präsidenten Stefan Hernandez aus den Geschäften zurückgezogen. In seinen Nachfolger hat er Vertrauen. «Auch wenn er in der Öffentlichkeit noch wenig bekannt ist, erfüllt er absolut die Kriterien und wird dies auch beweisen – wenn man ihn in Ruhe arbeiten lässt», sagt Dölf Früh zum Tagblatt.

Als grösster Aktionär sei Früh bewusst gewesen, dass Vorwürfe aufkommen würden, die sagen, er wäre immer noch im Hintergrund tätig. «Deshalb habe ich mich nach meinem Abgang auch in keine Entscheidungen mehr eingemischt.»

Was die Trennung von Michael Hüppi angehe, habe Früh Stefan Hernandez gesagt, dass er Hüppi an der Generalversammlung nicht mehr unterstützen werde. Es sei aber die Aufgabe von Stefan Hernandez, dass er Gespräche mit den Aktionären führe und auslote, wer an der Generalversammlung gewählt werde.

«Beide Wege können zum Ziel führen»

Betreffend des Organigramms, das Dölf Früh vor seinem Rückzug aus der Geschäftsleitung aufgestellt hat, steht er weiterhin hinter seiner Entscheidung. «Die sportliche Kompetenz liegt im Allgemeinen beim Chefscout, dem Transferverantwortlichen, dem Cheftrainer und dem Nachwuchsverantwortlichen. Man kann das als Team gestalten, was ich als optimal ansehe, oder man setzt zuoberst einen Verantwortlichen.» Dass Hernandez die Struktur bereits weider geändert hat, sei sein gutes Recht. «Beide Wege können zum Ziel führen.»

Die Struktur beim FC St.Gallen sei historisch bedingt. Die FC St.Gallen Event AG hat wenige private Aktionäre, die FC St.Gallen AG rund 8800 Kleinaktionäre. Diese könne man schwer zusammenführen. Future Champs Ostschweiz sei nochmals etwas anderes und brauche deshalb einen weiteren Chef an der Spitze.

«Das geht nicht von heute auf morgen»

Auf die Frage, warum Früh seit seinem Rücktritt mehr Aktien erworben habe, statt einige abzugeben, antwortet dieser: «Aus gesetzlichen Gründen mussten die FCSG-Aktien, die in der Event AG parkiert waren, reduziert werden. Wir haben 2017 im Verwaltungsrat einstimmig beschlossen, diese zwanzig Prozent den bestehenden Aktionären anzudienen. Dabei musste aber ein Aufschlag bezahlt werden. Die Aktien haben kein Stimmrecht. Die Aktien wurden nun an Edgar Oehler, Stefan Hernandez, die Brauerei Schützengarten und an mich verteilt. Mein Stimmrecht bleibt aber weiterhin bei 49 Prozent.»

Dölf Früh versuche weiterhin, seine Aktien zu verkaufen. «Immer unter der Prämisse, dass ich die Aktien an Ostschweizer Persönlichkeiten abgeben werde. Das geht nicht von heute auf morgen.» Dies sei ihm wichtig, der Club solle von Personen getragen werden, die ihm wohlgesinnt sind. «Nach den jüngsten Vorwürfen werde ich das gesamte Aktienpaket abgeben», sagt Früh zum Tagblatt.

In den letzten Wochen haben sich gleich mehrere Führungspersonen von FC St.Gallen abgewandt. Nebst dem oben erwähnten Verwaltungsrat Michael Hüppi, der im Interview mit FM1Today vor allem Stefan Hernandez kritisierte, haben auch CEO Pascal Kesseli und Stadionmanager Marco Sessa dem FC St.Gallen den Rücken zugedreht. Für EX-Sportchef Stübi ist noch kein Ersatz in Sicht. Stefan Hernandez nahm zu den Vorwürfen an einer Medienkonferenz vor dem Samstags-Match Stellung.

(enf)


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