Dario Cantieni über die Liebe zum Hammer-Wunder

Von Dario Cantieni
Anita hat mein Herz erobert.
Anita hat mein Herz erobert. © Screenshot bearbeitet
Wenn die polnische Hammerwerferin Anita Wlodarczyk ihr Arbeitsgerät in den Olympischen Himmel von Rio schleudert, setzt das bei mir Gefühle frei, die kaum zu beschreiben sind. Bewunderung, Ehrfurcht und nicht zuletzt: Liebe. Ein Versuch, die legendäre Anita zu huldigen.

Absolute Konzentration. Die muskulösen Oberschenkel (welche in etwa meinem gesamten Körperumfang entsprechen) sind bis zum letzten Muskel gespannt. Eine Drehung – der Hammer nimmt Schwung auf. Noch eine Drehung. Anita Wlodarczyk verwandelt sich langsam in einen unaufhaltsamen Hubschrauber der rohen Gewalt. Und dann fliegt er: Der Hammer. Begleitet vom animalischen Wurfschrei der 94 Kilo-Frau segelt er über 80 Meter weit. Neuer Weltrekord. Die Mimik von Anita wandelt sich von kämpferisch verbissen zu befreit euphorisch. Und ich möchte nichts lieber, als ihr die Schweissperlen von den lächelnden Lippen zu wischen.

keystone - Was würde ich für dieses Schweisstuch geben?!?

keystone – Was würde ich für dieses Schweisstuch geben?!?

Lass mich dein Hammer sein

Anita Wlodarczyk ist nicht die Frau, die dich zum Frühstück verspeist. Sie atmet dich eher zufällig ein, während sie schläft. Auf ihre Oberarme liesse sich gut und gerne der gesamte Text der Bibel tätowieren. Schriftgrösse 16. Titel fett. Und nur schon neben einem von ihren Beinen sieht Arnold Schwarzenegger aus wie ein Wienerli im Teig. Ich stelle mir vor, wie ich diese Beine nach dem Wurf einöle. Und mir dabei den Mittelhandknochen breche. Aber das ist es wert. Ich stelle mir vor, wie Anita mich an den Füssen packt, mich auf Polnisch anflucht – und mich dann wie ihren Hammer über 80 Meter weit aufs Bett wirft. Wo wir uns, auf einem Laken aus sibirischem Wolfsbaby-Fell, unsere Liebe eingestehen.

keystone - Genau so will ich von ihr angebrüllt werden

keystone – Dürfte mich pausenlos anbrüllen: Anita Wlodarczyk

Willst du mich heiraten?

Bald treten wir vor den Altar. Ich im massgeschneiderten Anzug, sie in einem hautengen, ärmellosen Trainingsanzug. Ihre Kurzhaarfrisur wird von einem Schleier umspielt, der nur mässig ihre harten Gesichtszüge verdecken kann. Jene perfekt geraden Linien, die wirken, als ob ein übereifriger Geometrielehrer sie mit ruhiger Hand gezogen hat. Entschlossene Augen blicken mich eindringlich an, während ich ihr den Ring über den Finger streife. Geschmiedet aus den zig Goldmedaillen, die Anita zu Hause herumliegen hat. Dann der Kuss. Ihre muskulösen Hände umschlingen zärtlich meine Taille, während unsere Lippen in einem wilden Crescendo eins werden. Mit ihrem Wurfschrei auf den Lippen hebt Anita mich hoch, trägt mich durch die Kirche und wir fahren in einem weissen Cadillac in den Sonnenuntergang.


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