Anzahl der Demenzkranken soll in einem Register erfasst werden

Der grösste Risikofaktor für eine Demenz ist das Alter - da die Lebenserwartung in der Schweiz weiter steigt, rechnet die Schweizerische Alzheimervereinigung mit steigenden Fallzahlen. (Symbolbild)
Der grösste Risikofaktor für eine Demenz ist das Alter - da die Lebenserwartung in der Schweiz weiter steigt, rechnet die Schweizerische Alzheimervereinigung mit steigenden Fallzahlen. (Symbolbild) © KEYSTONE/GAETAN BALLY
Verschiedene Studien geben Anlass zur Hoffnung: Die Häufigkeit von Demenz soll abnehmen. Die Schweizerische Alzheimervereinigung (ALZ) sieht aber keinen Grund zur Entwarnung. In der Schweiz gebe es nach wie vor Handlungsbedarf.

Tatsächlich würden einzelne Studien auf abnehmende Fallzahlen hindeuten, schreibt die Vereinigung in einer Mitteilung vom Freitag. Gemäss diesen Ergebnissen sei die Zahl der Neuerkrankungen in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zurückgegangen. Generelle Schlussfolgerungen und Rückschlüsse auf die Situation in der Schweiz sei aufgrund der internationalen Studien aber nicht möglich.

Anders als die genannten Erhebungen gehen die Schweizer Fachleute von weiter steigenden Fallzahlen aus. Denn der grösste Risikofaktor für eine Demenz sei das Alter. Die absolute Zahl der Menschen mit Demenz werde deshalb rein aufgrund der demografischen Entwicklung weiter steigen.

Wie viele Menschen derzeit in der Schweiz eine Demenzerkrankung haben, ist unklar. Je nach Erhebung liegt die Zahl bei 119’000 oder fast 137’000 Personen. Diese Situation sei unbefriedigend, schreibt die Alzheimervereinigung. Denn genaue Zahlen seien wichtig für eine seriöse Planung gesundheitspolitischer Massnahmen. Die Organisation fordert eine schweizweite Erfassung ähnlich dem nationalen Krebsregister.

Auf eine Schwierigkeit bei der Erfassung weist die Vereinigung aber bereits im Vorfeld hin: Ein Grossteil der Demenzerkrankten wird heute auch darum nirgends erfasst, weil sie keine entsprechende Diagnose haben.

Bessere Daten und ein grösseres politisches Engagement braucht es gemäss der ALZ auch im Bereich der Prävention. Insbesondere müsse weiter erforscht werden, welche beeinflussbaren Faktoren einen positiven Effekt auf das Demenz-Risiko haben.

Gemäss einigen Studien erkranken zum Beispiel gut gebildete Personen seltener an Demenz als solche mit tiefem Bildungsniveau. Der genaue Zusammenhang ist noch nicht abschliessend geklärt. Die Studienautoren selbst gehen nicht davon aus, dass Bildung für sich genommen vor einer Demenzerkrankung schützt, etwa weil es die kognitiven Reserven im Alter erhöht.

Viel wahrscheinlicher ist es, schreibt die ALZ, dass sich der Bildungsstand auf das Gesundheitsverhalten auswirkt. “Das heisst, Personen mit hohem Bildungsstand ernähren sich meist gesünder und vermeiden Gesundheitsrisiken.”

Weiteren Handlungsbedarf sieht die ALZ auch bei der nationalen Demenzstrategie. Bund und Kantone hatten diese im Herbst 2013 auf die Beine gestellt, im kommenden Jahr läuft sie aus. Geplant waren unter anderem der Ausbau von Beratungsangeboten für Betroffene und von Entlastungsangeboten für betreuende Angehörige.

Die Strategie müsse zwingend verlängert und ergänzt werden, fordert die Alzheimervereinigung. Einzelne Projekte seien noch gar nicht gestartet, bei anderen komme die Umsetzung nur schleppend voran. So seien zum Beispiel wichtige Projekte zur Unterstützung betreuender Angehörigen noch in der Warteschlaufe.

(SDA)


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