Argentinisches Gericht verurteilt Teilnehmer der “Operation Condor”

Opferangehörige verfolgen die Urteilsverkündung gegen ehemalige argentinische Militärs, die wegen der koordinierten Verschleppung und Ermordung von Oppositionellen verurteilt wurden.
Opferangehörige verfolgen die Urteilsverkündung gegen ehemalige argentinische Militärs, die wegen der koordinierten Verschleppung und Ermordung von Oppositionellen verurteilt wurden. © KEYSTONE/EPA EFE/DAVID FERNÁNDEZ
15 ehemalige argentinische Militärs sind am Freitag wegen der Verfolgung von Oppositionellen in südamerikanischen Militärdiktaturen verurteilt worden. Das Urteil stellt erstmals die kriminelle grenzübergreifende Zusammenarbeit mehrerer Diktaturen fest.

Bei der “Operation Condor” hatten in den 70er und 80er Jahren mehrere südamerikanische Militärregimes zusammengearbeitet, um linksgerichtete Oppositionelle aus dem Weg zu räumen. Dies taten die mittlerweile abgelösten Militärjuntas in Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Paraguay und Uruguay vor dem Hintergrund des Kalten Krieges mit Billigung der US-Regierung.

Ein Berufungsgericht in Buenos Aires befand nun unter anderen den ehemaligen Militärpräsidenten Reynaldo Bignone (1982-83) für schuldig, massgebend für mehr als hundert Morde mitverantwortlich zu sein. Bignone wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt. Der mittlerweile 88-Jährige verbüsst wegen der Verschleppung von Babys politischer Häftlinge bereits eine 15-jährige Haftstrafe.

In dem im Februar 2013 eröffneten Prozess waren insgesamt 25 Menschen wegen der Verfolgung und Ermordung von mehr als hundert linksgerichteten Oppositionellen angeklagt. Mittlerweile sind nur noch 17 von ihnen am Leben. Der einzige Nicht-Argentinier unter den Angeklagten, der frühere uruguayische Armeeoffizier Manuel Cordero, muss 25 Jahre in Haft.

Als die Urteile von Richter Oscar Almirante in Abwesenheit der Angeklagten verlesen wurden, applaudierten viele Zuschauer. Opfer und Angehörige hatten dem ersten Prozess, der sich mit der “Operation Condor” befasste, beigewohnt.

Lidia Cabrera de Franco aus Paraguay, die 1977 mit ihrem Mann und zwei kleinen Töchtern in Argentinien verschleppt worden war, sagte aus, dass sie gemeinsam mit drei Argentiniern und zwei Uruguayern festgehalten wurde. Während sie nach elf Monaten freikam, habe sie ihre Mithäftlinge nie wieder gesehen, erzählte die heute 67-Jährige vor Gericht. Sie habe gehört, wie ein Polizist gesagt habe, dass die anderen aus einem Flugzeug geworfen worden seien.

Die Opfer der Verurteilten waren Uruguayer, Chilenen, Paraguayer, Bolivianer, und Argentinier, die in Zusammenarbeit der damaligen Diktaturen in Südamerika verschleppt, gefoltert und ermordet wurden. Teilweise wurden die im Rahmen des “Plan Cóndor” Verschleppten illegal vom Land der Festnahme in das Geburtsland geführt.

(SDA)


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