«Auch Verkäufer haben Rechte»

Von Fabienne Engbers
Der Sonntagsverkauf in St.Gallen lockt vor Weihnachten immer viele Leute in die Stadt. (Archiv)
Der Sonntagsverkauf in St.Gallen lockt vor Weihnachten immer viele Leute in die Stadt. (Archiv) © Tagblatt/Urs Bucher
Wer am 24. Dezember dieses Jahr seine Last-Minute-Geschenke einkaufen möchte, muss die offenen Läden suchen. Doch es gibt sie – einige Geschäfte haben an Heiligabend geöffnet. Der Unia und dem Kanton Thurgau missfällt das.

Wer in St.Gallen und im Kanton Thurgau an Heiligabend noch Geschenke sucht, der stösst auf geschlossene Geschäfter. Weil der 24. Dezember auf einen Sonntag fällt, haben die Läden zu. Anders sieht es in Chur und in einigen Einkaufszentren in der Ostschweiz aus. Einige Läden in der Stadt Chur und das City West in Chur und auch in Herisau und Appenzell haben manche Geschäfte geöffnet.

Im Thurgau und in St.Gallen bleibt alles zu

Während andere Kantone Sonntagsverkäufe am 24. Dezember bewilligen, hat sich der Thurgau dagegen entschieden. «Bereits vor einem Jahr haben wir mit den Gemeinden und den Detailhandelsorganisationen besprochen, dass wir keine Bewilligungen und auch keine Ausnahmebewilligungen für den Verkauf an Heiligabend erteilen werden», sagt Daniel Wessner, Leiter Amt für Wirtschaft und Arbeit Thurgau.

Vier Sonntage stünden den Geschäften vor Heiligabend für Sonntagsverkäufe zur Verfügung, das sollte reichen, findet der Thurgau. «Weil ausnahmsweise drei Feiertage aneinander fallen, wollen wir das dieses Jahr so beibehalten, sodass auch das Verkaufspersonal für einmal drei Tage frei hat», sagt Wessner. Dass den Thurgauer Geschäften deshalb Umsatz verloren geht, glaubt er nicht. «Wir denken, dass die Leute ihre Weihnachtseinkäufe vorab tätigen.»

Auch im Kanton St.Gallen wird kaum ein Laden geöffnet sein. Die Gemeinden können den Läden Bewilligungen zur Öffnung erteilen, allerdings gibt es ein kantonales Gesetz, dass den Sonntagsverkauf an Heiligabend verbietet, wenn dadurch Angestellte eingesetzt werden. Der Besitzer eines Laden dürfte in der Theorie also arbeiten, seine Angestellten müssen an Heiligabend aber frei machen.

Lidl und Aldi setzen sich für Personal ein

Nebst ganzen Kantonen haben auch Ladenketten an Heiligabend teilweise geschlossen. Lidl und Aldi haben sich dazu entschieden, ihre Filialen an Heiligabend nicht zu öffnen, auch wenn sie eine Bewilligung kriegen würden. Sie machen dies vor allem, um ihrem Personal die Möglichkeit zu geben, mit der Familie zu feiern.

In den Kantonen St.Gallen und Graubünden ist der Sonntagsverkauf auf Gemeindeebene geregelt. Gemeinden können Verkaufssonntage eingeben und sich diese bewilligen lassen. Daher sind in diesen Kantonen einige Läden an Heiligabend offen, andere haben geschlossen.

«Es wird ein Bedürfnis konstruiert»

Die Gewerkschaft Unia ist gegen den verkaufsoffenen Sonntag. Dass die Läden auch an Heiligabend offen seien, sei unnötig, sagt Mediensprecherin Lena Schmitter. «Es braucht einen Ruhetag in der Woche, um familiären und sozialen Verpflichtungen nachzukommen. Ausserdem ist der Sonntag ein Tag zur Erholung.»

Das Argument, dass viele den Sonntag benötigen, um einzukaufen, lässt die Unia nicht gelten. «Mit den verkaufsoffenen Sonntagen wird vor allem ein Bedürfnis konstruiert», sagt Lena Schmitter. «Die Leute konsumieren nicht mehr, es wird schlichtweg auf mehrere Tage verteilt. Wer darunter leidet, sind die Arbeitnehmer.»

An Weihnachten stehen die Arbeitnehmer unter Druck

Dass die Geschäfte auch am 24. Dezember geöffnet haben, erhöhe den Druck auf Arbeitnehmer, sagt Lena Schmitter. «Viele müssen schon vor Heiligabend länger und mehr arbeiten.» Die Stadt St.Gallen hat sich dazu entschieden, die Läden am 24. Dezember geschlossen zu lassen, dafür am Vorabend einen Abendverkauf zu organisieren. Bei der Unia stösst dies auf Unverständnis. «Auch Verkäuferinnen und Verkäufer haben das Recht, den Abend frei zu haben. Gerade vor Weihnachten möchte man gerne Zeit mit der Familie verbringen», sagt Lena Schmitter.

Chur, Herisau und Appenzell haben offen

Wer am 24. Dezember doch noch einkaufen will, der muss die richtigen Orte finden. In der Stadt St.Gallen haben die Geschäfte geschlossen. Dafür gibt es am Samstagabend, 23. Dezember, einen Abendverkauf. «Die Geschäfte dürfen bis 22 Uhr offen haben», sagt Dionys Widmer, Mediensprecher der Stadtpolizei St.Gallen.

In Chur haben an Heiligabend jene Läden, die sich eine Bewilligung eingeholt haben, bis 14 Uhr offen, auch das City West. Auch im Fashion Outlet in Landquart kann bis 16 Uhr geshoppt werden. In Herisau hat das Gutenberg Shopping am Nachmittag offen und auch der Säntispark in Abtwil öffnet seine Türen, allerdings haben lediglich die Rutschenwelt und das Migros-Restaurant bis 17 Uhr geöffnet. In Appenzell haben die Geschäfte gar von 11 bis 17 Uhr offen und auch das Seedamm Center in Pfäffikon hat von 8 bis 16 Uhr geöffnet.


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