Auflösung des Mindestkurses: Kleider werden günstiger

Von Dumeni Casaulta
(Import-) Kleider dürften in diesem Jahr deutlich günstiger werden (Symbolbild)
(Import-) Kleider dürften in diesem Jahr deutlich günstiger werden (Symbolbild) © KEYSTONE/Christian Beutler
Exportbetriebe und die Tourismusbranche ächzen unter dem starken Franken. Ein Jahr ist es nun her, seit die Schweizerischen Nationalbank (SNB) den Euro-Mindestkurs aufgehoben hat. In der Folge gab es Stellenabbau, Kurzarbeit und Auslagerungen ins Ausland. Es gibt aber auch positive Aspekte.

“Die Schweizer sind reicher geworden”, sagt Jan-Egbert Sturm, Direktor der Konjunkturforschungsstelle an der ETH Zürich der sda. Was er damit meint: Mit gleich viel Geld kann man sich heute mehr kaufen als noch vor einem Jahr. Die Teuerung sank in der Schweiz im Jahr 2015 (die SNB geht von einer Negativteuerung von 1,1 Prozent aus). Einerseits wurden Importgüter günstiger, andererseits sank der Energie- und Ölpreis. Davon profitieren die Konsumenten.

Kleider werden noch günstiger

“Kosmetikartikel wurden sechs bis sieben Prozent günstiger, Nahrungsmittel drei bis fünf Prozent”, sagt André Bähler von der Stiftung Konsumentenschutz. Anders sehe es bei Zeitschriften und Kleider aus. Diese würden gleich viel oder sogar leicht mehr kosten. “Bei den Kleidern muss man allerdings ergänzen, dass sie eine gewisse Zeit im Voraus bestellt und dann auch die Konditionen ausgehandelt werden. Das heisst, wir erwarten vor allem in der neuen Saison Preisanpassungen nach unten”, ergänzt Bähler.

Vorausgesetzt, die Ware ist importiert. “Bei den Zeitschriften erwarten wir ebenfalls Preissenkungen, die Währungsvorteile wurden da noch nicht weitergegeben.”

Schweiz bleibt Hochpreisinsel

Trotzdem, wenn André Bähler von den Preissenkungen spricht, ist er nicht nur glücklich. Es sei zwar erfreulich, dass gewisse Währungsvorteile weiter gegeben wurden, aber “die grossen Preisdifferenzen, die schon zur Zeit vom Mindestkurs bestanden, sind nach wie vor da”. Zeitschriften und Kosmetika seien durchschnittlich immer noch 70 bis 80 Prozent teurer als in Deutschland. Bei den Nahrungsmitteln und Kleidern seien es 40 Prozent.

Höhere Löhne – trotz Negativteuerung

Was den Konsumenten ebenfalls zugute kommt: Die Löhne sind im letzten Jahr – durchschnittlich – leicht gestiegen. Die UBS rechnet für das Gesamtjahr 2015 mit einem Lohnanstieg von 0,8 Prozent.

Profitieren von der Auflösung des Mindestkurses können ausserdem diejenigen Branchen, die von günstigeren Vorprodukten aus dem Ausland profitieren und unter keinem Exportdruck stehen. Zu diesen Branchen gehören laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft das Gesundheitswesen und die Bauwirtschaft. (cas)


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