“Meine Freunde hatten panische Angst”

Jonas Tylewski in Paris.
Jonas Tylewski in Paris. © Jonas Tylewski
Rund um das Stade de France spielten sich am Freitagabend dramatische Szenen ab. Tausende Zuschauer harrten nach den Anschlägen stundenlang auf dem Spielfeld der Arena aus – darunter auch Jonas Tylewski, ein Student und Journalist aus Paris. Gegenüber FM1Today schildert er die dramatischen Momente von letzter Nacht und die Lage am Morgen danach.

Es sollte ein Fussballfest werden. Jonas Tylewski ist Journalist und lebt als Student in Paris. Das Freundschaftsspiel zwischen Frankreich und Deutschland im Stade de France besuchte er zusammen mit Freunden. Der Spass schlug im Laufe des Abends in grosse Angst um. Die Explosionen, zunächst noch als “Böller” abgetan, erwiesen sich als unmittelbare Gefahr für Leib und Leben der Zuschauer. Tylewski: “Meine Freunde hatten panische Angst – und die Frage war, wie ich sie da raus bringen kann.”
Das Stadion habe sich nach Abpfiff zunächst normal entleert, danach sei das Publikum aber Knall auf Fall wieder zurückgekommen. “Mit einem Mal sprintete die Masse zurück ins Stadion. Man berichtete von einer Schiesserei, was sich jedoch im Nachhinein nicht bestätigte. Wir gingen davon aus, dass vor Ort einfach schreckliche Bilder gesehen wurden, die die Menschen dazu bewogen haben, zurückzurennen.”

Erst nach stundenlangem Warten kann die Gruppe von Jonas Tylewski  vom Stade de France aus den Heimweg antreten – wenn auch nur über Umwege. Die Schauplätze in der Pariser Innenstadt umfahren sie in weitem Bogen. Alle sind wohlauf, erleben in den Stunden nach den Anschlägen aber eine Stadt, die von den Anschlägen wesentlich härter getroffen wurde als noch vor ein paar Monaten bei “Charlie Hebdo”. Denn dort sei das Ziel klar gewesen; die Terroristen hätten die Meinungsfreiheit im Visier gehabt. Jetzt sei die Lage wesentlich diffuser. “Es hätte jeden treffen können. Es hat Restaurants und Bars getroffen, aber auch eine Musikhalle und ein Stadion. Keiner weiss, wo man sicher ist und darum bleiben die Leute zu Hause.” Es herrsche Ausnahmezustand. Die Strassen sind wie ausgestorben, die Supermärkte bleiben geschlossen. Die Unsicherheit ist gross, Paris steht still. (mla/red)


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