Ausnahmesituation am Strommarkt forderte Swissgrid

Stabiles Netz: Trotz Ausfall gleich mehrere Kraftwerke drohte der Schweiz in diesem Winter nie ein Strom-Blackout. (Archivbild)
Stabiles Netz: Trotz Ausfall gleich mehrere Kraftwerke drohte der Schweiz in diesem Winter nie ein Strom-Blackout. (Archivbild) © KEYSTONE/TI-PRESS/GABRIELE PUTZU
Die Schweizer Stromnetzbetreiberin Swissgrid war im vergangenen Winter mit besonderen Problemen konfrontiert. Ausgerechnet im Januar, als eine Kältewelle den Strombedarf ansteigen liess, war eine ganze Reihe von Kraftwerken ausser Betrieb.

Im Dezember 2015 schreckte die Netzbetreiberin Swissgrid mit einer Mitteilung die Schweiz auf. Die Stromnetzgesellschaft warnte darin vor Energie-Engpässen in der kalten Jahreszeit. In diesem Winter war das nicht nötig.

Abgesehen eines kleinen regionalen Unterbruchs sei nämlich die Netzsicherheit in der Schweiz jederzeit unter Kontrolle gewesen, sagte Swissgrid-Chef Yves Zumwald an der Bilanzmedienkonferenz des Netzbetreibers am Donnerstag in Zürich.

Dass dies Zumwald sagen konnte, ist keine Selbstverständlichkeit. Denn der Winter 2016/17 war für die Netzbetreiberin wahrscheinlich sogar schwieriger als der vorangegangene. Denn ausgerechnet im Januar, als eine Kältewelle Europa heimsuchte, waren die Produktionskapazitäten besonders knapp.

So waren in Frankreich in diesem Winter bis zu 23 Atomkraftwerke ausser Betrieb. In Deutschland lieferten wegen anhaltender Flaute die Windparks kaum noch Strom und in der Schweiz meldeten die Kraftwerksbetreiber nach einem rekordtrockenen Dezember rekordtiefe Pegelstände in den Speicherseen.

Zu einem Netzausfall kam es aber trotzdem nicht. «Wir haben vorgesorgt», sagte Zumwald dazu. Diese Vorsorge bestand dabei in mehreren technischen und organisatorischen Massnahmen. So beschaffte die Netzgesellschaft unter anderem einen Transformator in Beznau beschleunigt und nahm ein neues Leitsystem für das Übertragungsnetz in Betrieb.

Damit konnte Swissgrid Ende 2016 bereits 41 der insgesamt 141 Schaltanlagen zentral steuern. Weiter investierte der Netzbetreiber 2016 insgesamt 8 Millionen Franken in so genannte «Winterprodukte zur Systemstabilisierung». Konkret hatte sich Swissgrid bei den Stausee-Besitzern Wasserreserven zur Absicherung der Stromversorgung gekauft.

Eine Stabilisierung brachte aber auch, dass 2016 Betreiber von grossen Batterieanlagen neu als Anbieter für Regelenergie zugelassen wurden. Swissgrid klärte zudem mit den Elektrizitätswerken Unklarheiten bei den Verantwortlichkeiten.

All das zusammen führte dazu, dass das Schweizer Stromnetz trotz markant höheren Stromflüssen zwischen der Schweiz und den Nachbarländern auch bei Spitzenlast am Morgen und Mittag stabil geblieben ist. Die Schweiz verfügte in diesem Winter sogar noch über beträchliche Reserven.

Von der Netzkapazität her hätte sie nämlich zwischen Dezember 2016 und Februar 2017 fast die doppelte Strommenge einführen können, als sie tatsächlich importiert hat. Die Stromproduzenten hatten demnach in einer sich verschärfenden Situation die Möglichkeit gehabt, ihre Stauseen zu füllen, um damit die Spitzenzeiten bewältigen zu können.

Zumwald wies in diesem Zusammenhang einmal mehr auf die Dringlichkeit eines weiteren Ausbaus des Übertragungsnetzes hin. Vor allem sei es nötig, das Netz zwischen dem Wallis und der Deutschschweiz zu verstärken, sagte er. Viele Bauprojekte seien jedoch nach wie vor durch Einsprachen blockiert. Swissgrid will bis 2025 insgesamt 2,5 Milliarden Franken in den Ausbau des Übertragungsnetz investieren.

(SDA)


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