Bär im Unterengadin gesichtet

Von Dumeni Casaulta
Jungbär im Bärenpark in Bern, vom Engadiner Neuankömmling gibt es noch kein Bild.
Jungbär im Bärenpark in Bern, vom Engadiner Neuankömmling gibt es noch kein Bild. © KEYSTONE/Samuel Truempy
In der Nacht auf Montag ist im Unterengadin bei Strada ein Bär beobachtet worden. Nach dem Winterschlaf ist er hungrig. Der Gast dürfte ein Altbekannter sein.

Der Bär überquerte die Kantonsstrasse in Strada vom Inn herkommend in Richtung Tschlin. Eine Privatperson hat ihn um 22:30 Uhr gesehen. “Die Beobachtung wird als glaubhaft eingestuft”, sagt Hannes Jenny, Wildbiologe vom Bündner Amt für Jagd und Fischerei. Schon Ende letzter Woche wurde im Gebiet des Reschenpasses im Südtirol ein Bär beobachtet, der in Richtung Norden wanderte.

Wahrscheinlich ist M32 zu Gast

Dabei könnte es sich um das Männchen M32 handeln. “Er hat wahrscheinlich im Raum Stelvio – Umbrail überwintert”, sagt Jenny. Das ist an der Grenze zu Italien. Ende Februar dürfte der Bär erwacht sein und war seither im Münstertal unterwegs. “Nachher ist er in Richtung Vintschgau (It) abgewandert und wurde Ende letzter Woche beim Reschenpass gesehen.” Man gehe deshalb davon aus, dass es sich beim Bären in Strada um M32 handelt. Sofern es sich wirklich um M32 handelt, ist das Tier zweieinhalb Jahre alt. Schon im letzten Jahr war der Bär im Münstertal unterwegs.

Bär ist nach Winterschlaf hungrig

Da der Bär vor einigen Wochen aus dem Winterschlaf erwacht ist, sei davon auszugehen, dass er jetzt sukzessive nach Nahrungsquellen suchen wird, um wieder zu Energie zu kommen. Eine besondere Gefahr gehe vom Bär deshalb aber nicht aus. “Das ist der 13. Bär in dieser Region”, sagt Jenny. “Wir haben mittlerweile ein etabliertes Vorgehen.” Die Vorsichtsmassnahmen in der Landwirtschaft und der Imkerei würden getroffen, wie andere Male auch. Das Männchen M32 hat sich letzten Herbst und diesen Frühling auf “Imkereiartikel” spezialisiert.

Bären-Tourismus nicht erwünscht

Wo sich der Bär zurzeit aufhält, ist nicht klar. Es trägt keinen Sender. “Wir sind auf die Beobachtungen der Leute angewiesen. Geht der Bär in ein neues Gebiet, werden die betroffenen Personen sofort informiert”, sagt Wildbiologe Jenny. Öffentlich einsehbar sind die Bär-Beobachtungen nicht. Dadurch würde nur der Bären-Tourismus gefördert, was man verhindern wolle. Ausführliche Verhaltensregeln im Umgang mit dem Bär gibt es hier.

Von den zwölf Bären die bisher in die Schweiz kamen, blieb keiner. Zwei Einwanderer wurden geschossen, weil sie zum Risiko für die Menschen geworden waren. Der Bär M32 gilt aber als scheu und unauffällig.


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