Bayern München demütigt Arsenal

Der Ball im Netz, Robert Lewandowski dreht nach dem 1. Bayern-Tor gegen Arsenal jubelnd ab
Der Ball im Netz, Robert Lewandowski dreht nach dem 1. Bayern-Tor gegen Arsenal jubelnd ab © KEYSTONE/AP/KERSTIN JOENSSON
In der Champions League qualifiziert sich heute Zenit St. Petersburg für die Achtelfinals, Bayern München demütigt Arsenal und Chelsea kann doch noch (in extremis) gewinnen.

Seit dem 0:4 im Halbfinal-Rückspiel der Saison 2013/14 reihten die Bayern in der eigenen Arena acht Heimsiege in der Champions League aneinander, im Schnitt gelangen ihnen genau vier Tore pro Partie. Insofern passte der gestrige Auftritt mit vier Treffern, die zwischen der 10. und 55. Minute durch vier verschiedene Spieler erzielt wurden, perfekt. Einziger Doppeltorschütze war Thomas Müller, der die formidable Münchner Leistung mit dem späten 5:1 krönte.

Im Hinspiel vor etwas mehr als zwei Wochen war der Ball zu 70 Prozent im Besitz der Bayern, am Ende lautete das Resultat 2:0 für Arsenal. Gestern war die Dominanz zumindest in dieser Statistik nicht mehr so deutlich, dafür aber umso mehr im Ergebnis. Nach 44 Minuten und dem 15. Torschuss führten die Bayern 3:0, Arsenal war völlig chancenlos. Abgesehen von einem aberkannten Tor von Mesut Özil, unmittelbar nach Robert Lewandowskis Führungstor per Kopfball im Rückwärtsfallen, hatten die “Gunners” der pausenlos anrennenden Offensive des Heimteams nichts entgegenzusetzen.

Bereits vor Ablauf der ersten halben Stunde waren die Fronten geklärt. Arsenals Captain Per Mertesacker lenkte einen Schuss von Thomas Müller leicht ab, für den treffsichersten deutschen Stürmer in der Champions League war das 2:0 das 31. Wettbewerbs-Tor. Die Bayern nützten die Freiheiten, die ihnen von Arsenals Verteidigern immer wieder gewährt wurden, ein drittes Mal aus. David Alaba durfte sich vor dem 3:0 (44.) den Ball gegen drei Gegenspieler zurechtlegen, Sekunden später schlenzte er ihn unhaltbar in den rechten Winkel.

So defensiv die Taktik von Arsenals Coach Arsène Wenger ausgerichtet war, so fehleranfällig wurde sie umgesetzt. Aus passivem Verteidigen wurde beim Zweiten der Premier League generelle Passivität, viel zu oft konnten Bayerns Spieler ohne erkennbare Gegenwehr kombinieren. Das zeigte sich vor dem dritten und auch vor dem vierten Gegentreffer. Bei letzterem verzeichnete Arjen Robben einen sprichwörtlichen Einstand nach Mass. Der Holländer war in seinem ersten Champions-League-Einsatz der Saison 37 Sekunden im Spiel, als er mit der ersten Ballberührung das 4:0 erzielte (55.) – weil er die Zonendeckung Arsenals optimal ausnützte. Olivier Girouds siebtes persönliches Erfolgserlebnis in sieben Pflichtspielen zum 1:4 (69.) war schön anzusehen, aber letztlich völlig unerheblich.

Im zweiten Spiel der Gruppe F setzte sich Olympiakos Piräus gegen Dinamo Zagreb in letzter Minute 2:1 durch und hat wie die Bayern beste Chancen auf die Achtelfinal-Teilnahme. Matchwinner für den griechischen Meister war der eingewechselte Kolumbianer Felipe Pardo, der mit seiner Doublette innert 25 Minuten den 0:1-Rückstand wettmachte. Die punktgleichen Bayern und Olympiakos treffen am 24. November im Direktduell in München aufeinander. Derweil steht fest, dass Arsenal die Runde der letzten 16 nicht mehr aus eigener Kraft erreichen kann.

Die AS Roma und Bayer Leverkusen bieten in dieser Champions League beste Unterhaltung. 2:0 – 2:4 – 4:4 war die Torfolge vor zwei Wochen in Deutschland. 2:0 – 2:2 – 3:2 lautete der Verlauf in Rom. Hatte der Bundesligist im Heimspiel dank einer Schlussoffensive noch einen Punkt geholt, waren diesmal die Italiener in der letzten Viertelstunde das glücklichere Team. Der Bosnier Miralem Pjanic traf mittels Foulpenalty zum Sieg (80.). Leverkusens Captain Ömer Toprak hatte zuvor Mohamed Salah am erfolgreichen Schuss vor dem leeren Tor gehindert und dafür die Rote Karte gesehen.

So konnte sich Leverkusen am Ende auch in der Champions League nicht von seinen Problemen in Auswärtsspielen loslösen. In Meisterschaft und Europacup haben sie in der Fremde nun fünf von acht Spielen verloren. Die Niederlage in Rom ging letztlich in Ordnung, weil die Roma der Bayer-Truppe in den ersten 45 Minuten eine Lektion in Konter-Fussball erteilte und höher als bloss 2:0 hätte führen müssen. Und weil sich die Italiener nach einer schwierigen Startphase nach der Pause mit zwei Gegentoren in sechs Minuten wieder fingen und in den Minuten vor dem entscheidenden Penalty-Pfiff einem dritten Treffer plötzlich wieder näher gestanden hatten als Leverkusen.

Admir Mehmedis zweites Tor innerhalb von zwei Wochen gegen die Roma (1:2/46.) war für den Schweizer am Ende so nur ein Muster ohne Wert. Doch auch wenn er und sein Team von den Römern überholt wurden, sind die Chancen auf die Achtelfinals noch intakt. In der nächsten Runde reist die Roma nach Barcelona, während Bayer bei BATE Borissow gastiert. Und am letzten Spieltag könnte Bayer im Heimspiel gegen den FC Barcelona (3:0 gegen BATE Borissow) davon profitieren, dass der souveräne Leader und Titelverteidiger aus Spanien dann wohl bereits als Gruppensieger feststeht.

Chelsea und José Mourinho haben einen weiteren Absturz mit Mühe verhindert und sind zumindest in der Champions League wieder auf Kurs. Dank einem wunderbaren Freistoss des Brasilianers Willian aus 25 Metern (82.) schlugen die Engländer Dynamo Kiew 2:1, überholten die Ukrainer und reihten sich hinter dem FC Porto (3:1 beim Maccabi Tel Aviv) auf Platz 2 der Gruppe G ein.

Mourinho nahm im Vergleich zur Niederlage in der Premier League gegen den FC Liverpool drei Wechsel vor und beliess zum Beispiel den Belgier Eden Hazard 80 Minuten lang auf der Bank. Sein Team spielte solid, musste in einer insgesamt ausgeglichenen Partie aber bis zuletzt um den Sieg zittern. Noch 13 Minuten vor dem Ende hatte der frühere Basler Verteidiger Alexander Dragovic, dem in der ersten Halbzeit ein Eigentor unterlaufen war, zum 1:1 ausgeglichen. Das Unentschieden wäre letztlich kein ungerechtes Resultat gewesen.

Zenit St. Petersburg ist als einziges Team in der Champions League noch ohne Punktverlust. Die Russen siegten in Lyon 2:0 und qualifizierten sich dadurch erstmals vorzeitig für die Achtelfinals. Die Tore gegen die Franzosen, welche die dritte Niederlage in Serie bezogen, schoss Mittelstürmer Artjom Dsjuba. Für den den 27-Jährigen waren es die Treffer 3 und 4 in der Champions League. Valencia erhielt beim 0:1 in Gent einen Dämpfer, hat aber immer noch zwei Zähler Vorsprung auf die Belgier.

Gruppe E

AS Roma – Bayer Leverkusen 3:2 (2:0)

25’000 Zuschauer. – Tore: 2. Salah 1:0. 29. Dzeko 2:0. 46. Mehmedi 2:1. 51. Hernandez 2:2. 80. Pjanic (Foulpenalty) 3:2.

AS Roma: Szczesny; Florenzi (56. Maicon, 76. Torosidis), Manolas, Rüdiger, Digne; Pjanic, De Rossi, Nainggolan; Salah, Dzeko, Gervinho (68. Iturbe).

Bayer Leverkusen: Leno; Donati, Tah, Papadopoulos, Wendell; Mehmedi (88. Brandt), Toprak, Kampl, Calhanoglu; Kiessling (46. Bellarabi, 73. Kramer), Hernandez.

Bemerkungen: AS Roma ohne Totti und Strootman (beide verletzt), Leverkusen ohne Hilbert und Jedvaj (beide verletzt). 79. Rote Karte gegen Toprak (Foul/Notbremse).

FC Barcelona – BATE Borissow 3:0 (1:0)

70’000 Zuschauer. – Tore: 30. Neymar (Foulpenalty) 1:0. 60. Suarez 2:0. 83. Neymar 3:0.

FC Barcelona: ter Stegen; Dani Alves, Mascherano, Vermaelen, Adriano; Rakitic, Busquets (76. Gumbau), Sergi Roberto; Iniesta (68. Bartra), Suarez, Neymar.

Bemerkung: FC Barcelona ohne Messi und Rafinha (beide verletzt).

Rangliste: 1. FC Barcelona 4/10 (8:2). 2. AS Roma 4/5 (10:10). 3. Bayer Leverkusen 4/4 (11:10). 4. BATE Borissow 4/3 (4:11).

Gruppe F

Bayern München – Arsenal 5:1 (3:0)

70’000 Zuschauer. – Tore: 10. Lewandowski 1:0. 29. Müller 2:0. 44. Alaba 3:0. 55. Robben 4:0. 69. Giroud 4:1. 89. Müller 5:1.

Bayern München: Neuer; Lahm, Boateng (68. Benatia), Martinez, Alaba; Alonso; Douglas Costa, Müller, Thiago, Coman (54. Robben); Lewandowski (71. Vidal).

Arsenal: Cech; Debuchy, Mertesacker, Gabriel, Monreal; Coquelin, Cazorla (87. Chambers); Campbell (59. Gibbs), Özil, Sanchez; Giroud (85. Iwobi).

Bemerkungen: Bayern ohne Bernat, Götze, Ribéry und Rode, Arsenal ohne Arteta, Bellerin, Oxlade-Chamberlain, Ospina, Ramsey, Rosicky, Walcott, Welbeck und Wilshere (alle verletzt). Verwarnungen: 12. Özil (Hands). 24. Campbell (Foul).

Olympiakos Piräus – Dinamo Zagreb 2:1 (0:1). – 32’000 Zuschauer. – Tore: 21. Hodzic 0:1. 65. Pardo 1:1. 90. Pardo 2:1. – Bemerkungen: Olympiakos bis 80. mit Kasami. 54. Fortounis (Olympiakos) verschiesst Foulpenalty. 79. Gelb-Rote Karte gegen Pivaric (Dinamo/Foul).

Rangliste: 1. Bayern München 4/9 (13:3). 2. Olympiakos Piräus 4/9 (6:6). 3. Dinamo Zagreb 4/3 (3:9). 4. Arsenal 4/3 (6:10).

Gruppe G

Chelsea – Dynamo Kiew 2:1 (1:0)

41’000 Zuschauer. – Tore: 34. Dragovic (Eigentor) 1:0. 78. Dragovic 1:1. 83. Willian 2:1.

Chelsea: Begovic; Azpilicueta, Zouma, Terry, Baba; Ramires, Matic; Willian (91. Cahill), Fabregas (80. Pedro), Oscar (80. Hazard); Diego Costa.

Bemerkung: Chelsea ohne Courtois und Falcao (beide verletzt).

Maccabi Tel Aviv – FC Porto 1:3 (0:1)

20’000 Zuschauer. – Tore: 19. Tello 0:1. 50. Andre 0:2. 72. Layun 0:3. 75. Zahavi (Foulpenalty) 1:3.

Rangliste: 1. FC Porto 4/10 (9:4). 2. Chelsea 4/7 (7:3). 3. Dynamo Kiew 4/5 (5:4). 4. Maccabi Tel Aviv 4/0 (1:11).

Gruppe H

Lyon – Zenit St. Petersburg 0:2 (0:1). – 35’000 Zuschauer. – Tore: 25. Dsjuba 0:1. 58. Dsjuba 0:2. – Bemerkungen: 72. Gelb-Rote Karte gegen Gonalons (Lyon/Foul). 89. Gelb-Rote Karte gegen Anjukow (Zenit/Foul).

Gent – Valencia 1:0 (0:0). – 20’000 Zuschauer. – Tor: 48. Kums (Handspenalty) 1:0. – Bemerkung: Gent mit Milicevic (17. Kopfball an die Latte).

Rangliste: 1. Zenit St. Petersburg 4/12 (10:4). 2. Valencia 4/6 (5:5). 3. Gent 4/4 (4:5). 4. Lyon 4/1 (2:7).

(SI)


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