Belair-Angestellte müssen auch krank zur Arbeit

Airberlin, der Mutterkonzern von Belair, schreibt seit Jahren rote Zahlen. Im Zuge des Umbaus wird die Schweizer Tochter liquidiert. (Archiv)
Airberlin, der Mutterkonzern von Belair, schreibt seit Jahren rote Zahlen. Im Zuge des Umbaus wird die Schweizer Tochter liquidiert. (Archiv) © Keystone/STEFFEN SCHMIDT
Der angekündigte Sozialplan für die 225 Belair-Angestellten ist offenbar an scharfe Bedingungen geknüpft. Sie müssen bis im Herbst auch krank zur Arbeit erscheinen, weil sie sonst möglicherweise kein Sozialplan-Geld erhalten.

Die Pilotengewerkschaft Aeropers bezeichnet die angeblichen Druckversuche durch das Management von Airberlin, dem angeschlagenen Mutterkonzern von Belair, als unverschämt. Zu den Vorwürfen wollte Airberlin nicht Stellung nehmen.

Die Fluggesellschaft bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur sda lediglich, dass sie Anfang Woche dem Belair-Personal einen freiwilligen Sozialplan vorgestellt hat. Sie stehe mit den Mitarbeitenden und den Arbeitnehmervertretern in der Schweiz und in Deutschland in engem Austausch. Zu den Details des Sozialplanes wollte die Airline ebenfalls nichts sagen.

Airberlin hatte Anfang März angekündigt, dass sie den Flugbetrieb von Belair auf Ende Oktober einstellen und danach die Airline liquidieren wird. Anfang Woche wurde bekannt, dass es statt der Anstellungsgarantie bis Ende März 2018 nun zu einer Massenkündigung kommt.

Der Sozialplan soll die Anstellungsgarantie durch eine «Prämie» ersetzen, welche eine Einmalzahlung in Höhe von sechs Monatslöhnen vorsieht.

Wegen der geplanten Verknüpfung des Gesundheitszustandes der Mitarbeiter mit den auszuzahlenden Gehältern ist die Pilotengewerkschaft Aeropers in Rage.

Wenn die Belegeschaft im Vergleich zu den jeweiligen Monaten im Jahr 2016 häufiger krank sei, gebe es keine Prämie durch die Belair und zwar für niemanden, heisst es in einer Mitteilung von Aeropers vom Donnerstag.

«Die Mitarbeiter werden massiv gezwungen auch krank arbeiten zu gehen», sagt Aeropers-Geschäftsführer Henning Hoffman. «Die Kollegen stehen unter einem enormen Druck, der eine klare Gefährdung der Flugsicherheit darstellt. Kein Mitarbeiter wolle die Schuld daran tragen, dass der freiwillige Sozialplan platzt, weil er eventuell krank war», sagt Hoffmann weiter.

Viele Mitarbeiter legten ihre Hoffnung in die sogenannte «Strohhalmlösung», die einen Verkauf des Unternehmens als letzte Rettung vorsieht. Erste Wahl für diese Anschlusslösung soll die österreichische Niki sein, die seit wenigen Wochen auch aus der Schweiz aktiv ist – eine Airline mit viel schlechteren Arbeitsbedingungen.

Wer einen solchen Arbeitsplatz ablehne, verliere seinen Anspruch auf die noch ausstehende Prämie. Auch dies sei eine mehr als unzulässige Verknüpfung durch das Management, moniert Aeropers weiter.

Der Arbeitgeber habe in einer solch schwierigen Situation eines Unternehmens eine gesteigerte Fürsorgepflicht dem Arbeitnehmer gegenüber. Dieser würde er mit solchen Methoden in keiner Form nachkommen.

Die Belair gehört seit 2009 vollständig zu der seit Jahren defizitären Airberlin. 2015 flog die deutsche Airline einen Rekordverlust ein. Schuld ist laut Experten eine verfehlte Expansions-Strategie. Ohne Finanzspritzen des grössten Aktionärs, der arabischen Etihad, wäre Airberlin vermutlich längst am Boden, sind sich Beobachter einig.

(SDA)


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