Bern und ZSC Lions im Halbfinal

Lica Hischier (l.), hier gegen den Visper Neher, verwandelte gegen seinen Ex-Klub den einzigen Penalty
Lica Hischier (l.), hier gegen den Visper Neher, verwandelte gegen seinen Ex-Klub den einzigen Penalty © KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Nach Kloten und Lausanne ziehen auch Vorjahressieger Bern und der ZSC in die Halbfinals des Schweizer Eishockey-Cups ein. Bern eliminiert mit 3:2 nach Penaltyschiessen in Visp den letzten NLB-Klub.

Die ZSC Lions gewannen vor nur 1921 Zuschauern im Hallenstadion das NLA-Duell gegen den HC Ambri-Piotta mit 5:2. Erst vor einem Jahr ist der Schweizer Cup nach 43 Jahren wieder neu lanciert worden. Gleich drei Teams, die schon vor einem Jahr in den Halbfinals standen, qualifizierten sich erneut für die Vorschlussrunde. Wieder mit von der Partie sind die letztjährigen Finalisten Bern (Cupsieger) und Kloten sowie die ZSC Lions, die vor einem Jahr im Halbfinal auswärts an Bern gescheitert sind. Die Halbfinalpaarungen vom 6. Januar werden am Donnerstagmittag ausgelost.

Mit einem blauen Auge kam der SC Bern in Visp davon. “Ich bin einfach nur froh, dass wir im letztmöglichen Moment doch noch gewonnen haben”, meinte Lars Leuenberger, Berns Coach seit einer Woche. Der Titelhalter eliminierte mit Visp den letzten Unterklassigen. Die Berner traten im Wallis aber nicht hochkontentriert auf. Der Aussenseiter ging nach sechs Minuten durch Roman Botta in Führung, vermochte diesen Vorsprung allerdings nur 93 Sekunden lang zu halten. Im zweiten Abschnitt glich Visp die erstmalige Berner Führung nochmals aus. Danach retteten sich die Oberwalliser mit viel Kampf ins Penaltyschiessen.

Die Helden in diesem Cup-Fight waren Visper. Goalie Matthias Schoder parierte fast 50 Schüsse. Auch im Penaltyschiessen liess er sich von Derek Roy, Justin Krueger, Cory Conacher und Sean Bergenheim noch nicht bezwingen. Dennoch reichte es Visp nicht zur Sensation. Der einzige Akteur, der im Penaltyschiessen traf, war ausgerechnet Luca Hischier, der Visper in Diensten des SC Bern.

Dass Visp bis im letzten Moment im Rennen blieb, war eine grosse Überraschung. Der SC Bern ist eines der wenigen NLA-Teams, das den Cup nicht auf die leichte Schulter nimmt. Die Berner überstanden seit dem Re-Launch acht Runden mit Erfolg, besiegten dabei viermal NLA-Vertreter (Lugano, ZSC Lions, Kloten Flyers, Zug) und gerieten in diesen NLA-Duellen nie in Rückstand. Einzig gegen die beiden NLB-Vereine Langenthal (3:2 in den Sechzehntelfinals) und Visp mussten die Berner Rückstände aufholen.

Trotz des minimalistischen Sieges, und obwohl Visp im Finish selber auch noch gute Torchancen hatte (Lars Neher, Julian Schmutz, Tomas Dolana), war Berns Coach Lars Leuenberger am Ende nicht unzufrieden. “Ich denke nicht, dass wir viel schlechter spielten als in den ersten beiden Spielen unter meiner Leitung. Visp kämpfte wahnsinnig gut. Und wir mussten einmal mehr feststellen, dass wir uns beim Toreschiessen noch sehr, sehr schwer tun.” Die ersten zwei Partien seit der Entlassung von Guy Boucher hatte Bern gegen Fribourg mit 2:1 und gegen Lausanne mit 1:0 gewonnen.

Die beiden Viertelfinals vom Mittwochabend zeigten aber auch wieder die Cup-Problematiken im Schweizer Hockey gut auf. Wenn Spitzenteams bei Unterklassigen gastieren, kann das Volksfeste auslösen. Der EHC Visp kam zum dritten Mal innerhalb von 13 Monaten in den Genuss eines derartigen Spektakels (gegen Davos, ZSC und Bern). Die Litternahalle war mit 4300 Zuschauern bis auf den letzten Platz gefüllt. NLA-Duelle wie bei der Affiche ZSC Lions gegen Ambri-Piotta interessieren aber niemanden. Nur 1921 Zuschauer kamen trotz Eintritt zum halben Preis ins Zürcher Hallenstadion. Im Achtelfinal gegen Langnau waren es noch 164 mehr gewesen. In der Meisterschaft kommen nie weniger als 8000 ins Hallenstadion.

Fragwürdig sind nicht nur Zuschauerzahlen. Der Kanadier Kris Foucault erzielte am Mittwochabend für die ZSC Lions nach sechs Minuten das 1:0 gegen Ambri. Goalie Niklas Schlegel erwies sich mit 25 Paraden als wichtige Figur bei den Lions, als die Leventiner die Partie bis zur 31. Minute fast dominierten. Foucault, Schlegel und zwei weitere Akteure (Hächler, Neuenschwander), die am Mittwoch spielten, schieden aber bereits im September aus dem Cup aus: in der 1. Runde mit den GCK Lions gegen… Ambri-Piotta.

Für die Entscheidung im Spiel sorgten immerhin Akteure, die nicht schon früher gegen Ambri ausgeschieden sind. Auston Matthews, der wie bei Ambri Mikko Mäenpää nach Verletzungspause erstmals wieder mittun konnte, und Pius Suter brachten die Stadtzürcher nach 31 Minuten mit zwei Goals innerhalb von 42 Sekunden 3:1 in Führung. Und nach Ambris Anschlusstreffer zum 2:3 (durch Mäenpää) stellten Mathias Seger (4:2) und nochmals Matthews (5:2) die Halbfinalqualifikation sicher.

Schweizer Cup. Viertelfinals. Dienstag: Rapperswil-Jona Lakers (NLB) – Lausanne 2:3 (1:2, 1:0, 0:0, 0:0) n.P. Biel – Kloten Flyers 2:3 (1:1, 1:0, 0:1, 0:0) n.P. – Mittwoch: Visp (NLB) – Bern 2:3 (1:1, 1:1, 0:0, 0:0) n.P. ZSC Lions – Ambri-Piotta 5:2 (1:0, 3:2, 1:0). – Halbfinals am 5./6. Januar 2016. – Auslosung am Donnerstag.

 

Visp – Bern 2:3 (1:1, 1:1, 0:0, 0:0) n.P. – 4300 Zuschauer (ausverkauft). – SR Kurmann/Massy, Kaderli/Tscherrig. – Tore: 7. Botta (Dolana) 1:0. 8. Conacher (Derek Roy, Pascal Berger) 1:1. 27. Bergenheim (Luca Hischier, Beat Gerber) 1:2. 39. Burgener (Andy Furrer, Privet) 2:2. – Penaltyschiessen: Derek Roy -, Dolana -; Krueger -, Altorfer -; Conacher -, Locke -; Bergenheim -, Julian Schmutz -; Luca Hischier 0:1, Brunold -. – Strafen: 1mal 2 Minuten gegen Visp, keine gegen Bern.

Visp: Schoder; Wollgast, Tim Bucher; Geiger, Sandro Wiedmer; Heynen, Maxime Montandon; Guyenet, Leu; Botta, Brunold, Dolana; Julian Schmutz, Locke, Bast; Alihodzic, Neher, Altorfer; Andy Furrer, Privet, Burgener.

Bern: Schwendener; Jobin, Beat Gerber; Flurin Randegger, Blum; Krueger, Helbling; Tim Dubois, Gian-Andrea Randegger; Nico Hischier, Martin Plüss, Simon Moser; Pascal Berger, Derek Roy, Conacher; Bergenheim, Luca Hischier, Bodenmann; Marco Müller, Reichert, Alain Berger.

ZSC Lions – Ambri-Piotta 5:2 (1:0, 3:2, 1:0). – 1921 Zuschauer. – SR Fischer/Stricker, Kovacs/Küng. – Tore: 7. Foucault (Phil Baltisberger) 1:0. 29. Lauper (Stucki) 1:1. 31. (30:34) Matthews (Roman Wick, Nilsson) 2:1. 32. (31:16) Suter (Jonas Siegenthaler, Shannon) 3:1. 35. Mäenpää (Hall, Giroux/Ausschluss Suter) 3:2. 38. Seger (Foucault, Denis Malgin/Ausschluss Zgraggen) 4:2. 46. Matthews (Ryan Keller, Karrer/Ausschluss Sidler) 5:2. – Strafen: 4mal 2 plus 10 Minuten (Phil Baltisberger) gegen ZSC Lions, 4mal 2 Minuten gegen Ambri-Piotta.

ZSC Lions: Niklas Schlegel; Blindenbacher, Jonas Siegenthaler; Seger, Phil Baltisberger; Karrer, Geering; Hächler; Foucault, Trachsler, Hinterkircher; Nilsson, Matthews, Roman Wick; Ryan Keller, Denis Malgin, Schäppi; Künzle, Shannon, Suter; Jan Neuenschwander.

Ambri-Piotta: Tim Wolf; Trunz, Zgraggen; Fora, Mäenpää; Sven Berger, Sidler; Birbaum, Chavaillaz; Grassi, Emmerton, Monnet; Pestoni, Fuchs, Giroux; Stucki, Hall, Lauper; Duca, Bastl, Lhotak.

(SI)


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