Berner Break gegen fehlerhaften HCD

Derek Roy bezwingt Davos-Hüter Leonardo Genoni zur Berner 2:1-Führung
Derek Roy bezwingt Davos-Hüter Leonardo Genoni zur Berner 2:1-Führung © KEYSTONE/JUERGEN STAIGER
Dem SC Bern glückt zum Auftakt der Halbfinal-Serie gegen Davos die nächste Überraschung. Das Team von Trainer Lars Leuenberger setzt sich gegen einen fehlerhaften HCD 5:4 nach Verlängerung durch.4:1 hatte der SCB nach 40 Minuten scheinbar entscheidend geführt.

Doch die Berner machten die Rechnung ohne den HCD. Die Bündner, davor unerklärlich fehlerhaft und unkonzentriert, fanden im dritten Abschnitt endlich zu ihrem Tempospiel. Und der SCB, der sich seiner Sache offensichtlich zu sicher gewesen war, wurde 20 Minuten buchstäblich überrannt. In der Verlängerung der spektakulären Partie vermochte Bern wieder dagegen zu halten – auch weil Davos in alte Fahrwasser zurückfiel.

In der 67. Minute verlor schliesslich der Davoser Alexandre Picard im Vorwärtsgang die Scheibe, Alain Berger profitierte und schoss zum Siegtreffer für den SCB ein. Für Davos dagegen war es der eine Fehler zu viel. Die Berner setzten damit ihre Siegesserie auch im ersten Halbfinal-Spiel fort. Fünf Siege in Serie waren dem SCB in der Qualifikation nie gelungen, und gegen Davos feierte der Achte der Qualifikation den ersten Sieg nach zuletzt acht Niederlagen.

Lange hatte wenig auf ein Davoser Aufbäumen hingedeutet. Der HCD leistete sich einen klassischen Fehlstart in die Partie. Nach dem problemlosen Viertelfinal-Erfolg gegen die Kloten Flyers (4:0 Siege) brauchte das Team von Arno Del Curto eine gewisse Zeit, um in die Partie zu finden – notabene gegen einen Gegner, der deutlich mehr Widerstand leistete als Kloten.

Die Bündner, bei denen Verteidiger Simon Kindschi und Stürmer Enzo Corvi in die Aufstellung zurückkehrten, leisteten sich lange Zeit zu viele defensive Aussetzer. Vor dem 0:1 durch Derek Roy (4.) standen die Verteidiger zu weit von ihren Gegenspielern weg, vor dem 1:2 (wieder durch Roy) wechselten die Davoser im falschen Moment und vor dem 1:3 bediente Samuel Guerra mit einem Fehlpass den Torschützen Pascal Berger.

Der SCB dagegen fuhr unter der Regie von Doppeltorschütze Roy dort fort, wo er gegen die ZSC Lions aufgehört hatte. Die Berner spielten defensiv solid, im Spiel gegen vorne gradlinig und effizient. Und wenn doch einmal ein Davoser vor dem eigenen Tor auftauchte, besassen sie in Torhüter Jakub Stepanek einen starken Rückhalt – auch wenn der erste Gegentreffer zum 1:1 (23.) haltbar schien.

Marc Wieser sorgte 80 Sekunden nach der zweiten Pause mit einem Shorthander zum 2:4 für die Initialzündung der Davoser Aufholjagd. Bern, das davor sehr solid gewirkt hatte und verdient mit drei Toren in Führung gelegen war, begann plötzlich zu zittern. Andres Ambühl mit zwei Powerplay-Treffern (45./56.) rettete den HCD schliesslich in die Verlängerung. Beide Strafen aus Berner Sicht waren unnötig. Beim 3:4 sass Eric Blum, der wie Captain Martin Plüss wieder mittun konnte, wegen Reklamierens auf der Strafbank, beim Ausgleich sass Simon Bodenmann eine Bankstrafe ab wegen zu vielen Spielern auf dem Eis.

Die Disziplin war auf dem Weg zum sensationellen Halbfinal-Einzug gegen die ZSC Lions eines der Berner Erfolgsrezepte. Die vielen Undiszipliniertheiten und total 14 Zweiminutenstrafen im ersten Spiel gegen Davos gingen aber beinahe ins Auge. Körperlich schenkten sich die Teams aber wie erwartet beidseitig nichts. Nimmt man die erste Partie als Massstab, dann ist in allen Belangen eine intensive Fortsetzung der Serie zu erwarten.

Davos – Bern 4:5 (0:1, 1:3, 3:0, 0:1) n.V.

5425 Zuschauer. – SR Eichmann/Stricker, Borga/Kaderli. – Tore: 4. Roy (Untersander, Conacher) 0:1. 23. Jörg (Walser, Simion/Ausschluss Conacher) 1:1. 31. (30:17) Roy (Rüfenacht, Untersander/Ausschluss Schneeberger) 1:2. 32. (31:28) Pascal Berger 1:3. 36. Rüfenacht (Roy, Ebbett/Ausschluss Lindgren) 1:4. 42. Marc Wieser (Ausschluss Schneeberger!) 2:4. 45. Ambühl (Forster/Ausschluss Blum) 3:4. 56. Ambühl (Lindgren, Du Bois/Ausschluss Bodenmann) 4:4 (Strafe angezeigt). 67. Alain Berger (Jobin) 4:5. – Strafen: 11mal 2 plus 2mal 10 Minuten (Setoguchi, Axelsson) gegen Davos, 14mal 2 Minuten gegen Bern. – PostFinance-Topskorer: Lindgren; Conacher.

Davos: Genoni; Heldner, Forster; Du Bois, Kindschi; Schneeberger, Paschoud; Guerra; Corvi, Ambühl, Picard; Marc Wieser, Lindgren, Axelsson; Setoguchi, Aeschlimann, Dino Wieser; Simion, Walser, Jörg; Kessler.

Bern: Stepanek; Jobin, Untersander; Krueger, Blum; Kreis, Gerber; Wiedmer; Bodenmann, Ebbett, Moser; Conacher, Roy, Rüfenacht; Luca Hischier, Plüss, Scherwey; Alain Berger, Pascal Berger, Gian-Andrea Randegger; Reichert.

Bemerkungen: Davos ohne Sciaroni (verletzt), Paulsson, Rampazzo, Jung und Egli (alle überzählig), Bern ohne Helbling, Flurin Randegger (beide krank), Bergenheim, Bührer, Kobasew, Kousa (alle verletzt) und Smith (überzähliger Ausländer). Pfostenschuss Du Bois (20.). Timeouts Davos (32.) und Bern (45.).

(SDA)


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