Museen auf Spuren der Oktober-Revolution

"What the Homeland begins with": Bild aus der Doppelausstellung "Die Revolution ist tot. Lang lebe die Revolution" des Zentrum Paul Klee und des Kunstmuseums Bern. (Handout)
"What the Homeland begins with": Bild aus der Doppelausstellung "Die Revolution ist tot. Lang lebe die Revolution" des Zentrum Paul Klee und des Kunstmuseums Bern. (Handout) © Pressebild
Revolutionärer Geist herrscht in zwei Berner Museen: Das Zentrum Paul Klee und das Kunstmuseum Bern beleuchten die russische Revolution von 1917 aus künstlerischer Sicht.

Der Ausstellungskatalog hat zwei Titelbilder. Das eine zeigt eine suprematistische Komposition von Kasimir Malewitsch, dem Erschaffer des Schwarzen Quadrats auf weissem Grund. Dieses Cover weist auf die Ausstellung im Zentrum Paul Klee hin, deren Ausgangspunkt die radikal gegenstandslose Kunst der russischen Avantgarde ist.

Malewitsch und El Lissitzky spielen also eine zentrale Rolle, ebenso die Konstruktivsten um Tatlin und Rodtschenko. Aus ihrem Geist haben sich im 20. Jahrhundert zahlreiche künstlerischen Bewegungen entwickelt, die im Zentrum Paul Klee ebenso thematisiert werden.

Wendet man den Katalog, stösst man auf Titelbild Nummer 2: «What the Homeland Begins With», geschaffen von Vladimir Dubossarky und Alexander Vinogradov im Jahr 2006. Das Bild, spektakulär überladen mit klischeehaften Figuren und visuellen Plattitüden, ist durch seine Präsenz auf Flyern, Plakaten und anderen Werbeträgern schon so etwas wie das «Markenzeichen» der Revolutionsausstellungen.

Zu sehen ist das Werk im Kunstmuseum Bern. Das Haus zeigt, wie sich nach Malewitschs Schwarzem Quadrat – dem «Nullpunkt der Abstraktion» – in Russland ein realistischer Malstil durchsetzte. Das Kunstmuseum folgt den Spuren des «Sozialistischen Realismus» und beobachtet dessen Wandlungen und Verwerfungen bis in die Gegenwart.

«Das eigentliche Thema unserer Ausstellung ist, wie die Kunst im Nachgang der Oktober-Revolution mit revolutionären Inhalten, aber auch mit revolutionärem Pathos und Rhetorik verschiedene Allianzen eingegangen ist», sagte Nina Zimmer, Direktorin beider Häuser, am Dienstag vor den Medien.

Ebenso sei zu sehen, «welche Spuren davon in der Kunst bis heute ihren Niederschlag finden». Denn in der Kunst «ist die Revolution noch lange nicht tot, sie lebt vielfältig weiter».

Als die Medienschaffenden aus dem Shuttlebus stiegen und sich ins Kunstmuseum begaben, sass ein freundlicher älterer Herr in der Nähe des Eingangs und schaute sich die Szenerie interessiert an. Es war Vitaly Komar, Mitschöpfer der Gemäldeserie «Nostalgic Socialist Realism».

Gemeinsam mit Alexander Melamid hat er die «Sots Art» erfunden, das sowjetische Pendant zur Pop Art. In den 1980er-Jahren waren die beiden die ersten russischen Künstler, die an einer Documenta teilnahmen.

Komar, der sich gegen das System engagierte und heute die US-Staatsbürgerschaft besitzt, schuf zusammen mit Melamid Bilder wie «I Saw Stalin Once When I Was a Child», die nun in Bern zu sehen sind.

Komar wird auch an der Eröffnung der beiden Ausstellungen vom Mittwochabend sprechen. Zu sehen sind die Ausstellungen im ZPK und im Kunstmuseum bis zum 9. Juli.

(SDA)


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