Besorgniserregende Indikatoren für den Finanzplatz Genf

Genf als Finanzplatz sieht sich unter Druck. (Symbolbild)
Genf als Finanzplatz sieht sich unter Druck. (Symbolbild) © KEYSTONE/SALVATORE DI NOLFI
Die Lage auf dem Genfer Finanzplatz ist «alles in allem weniger gut» – so das Fazit der Stiftung Finanzplatz Genf in ihrer aktuellen Konjunkturumfrage für die Jahre 2016 und 2017, die sie am Dienstag vorlegte.

Das gelte besonders für die grossen Finanzinstitute in Genf, die häufig Vorboten aller anderen seien, sagte ein Verantwortlicher der Stiftung gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Der Nettogewinn ist bei einem Drittel der grossen Banken um acht bis 14 Prozent zurückgegangen. Bei den mittelgrossen Instituten hat er bei mehr als einem Viertel gar um über 15 Prozent abgenommen.

Weniger problematisch erscheint die Situation bei den kleinen Banken. Dennoch liegt mehr als die Hälfte von ihnen innerhalb einer Bandbreite von sieben Prozent Verlust und zwei Prozent Wachstum. Das Gleiche gilt für die unabhängigen Vermögensverwalter.

Die konsolidierten Beschäftigungszahlen des Sektors werden nur alle zwei Jahre veröffentlicht. Sollte jedoch die Arbeitslosigkeit auch nur auf dem letzten Stand verharren, dann läuten die Alarmglocken.

Die Beschäftigung reagiert mit zeitlicher Verzögerung, nicht zuletzt wegen Sozialplänen und weil der Finanzmarkt ausserhalb der eigentlichen Banken einen Teil der frei werdenden Beschäftigten übernehmen kann, wie der Verantwortliche der Stiftung weiter ausführt.

Doch bei den Finanzinstituten deutet alles – wie auch in der Deutschschweiz – auf eine Reduktion der Stellen hin.

Alles in allem setzt sich bei den Banken der Rückgang der geschätzten verwalteten Vermögen weiter fort. Die Studie erklärt dies mit der allgemeinen Situation auf den Märkten.

Doch je nach Kategorie der Banken gibt es grosse Unterschiede. Bei über 70 Prozent der grossen Banken und bei einem Drittel der kleinen nehmen die Aktiven um drei bis sieben Prozent ab. Hingegen sind die Aktiven stabil bei den unabhängigen Vermögensverwaltern und sie steigen gar leicht bei den Finanzintermediären.

Die Unsicherheit über das Verhältnis der Schweiz zur EU spüren vor allem die grossen Banken und die unabhängigen Vermögensverwalter. Über 80 Prozent der Ersteren und 53 Prozent der Zweiteren geben an, dass es ihr Geschäftsmodell «signifikant» beeinflusse, wenn der Zugang zu den europäischen Finanzmärkten erschwert würde.

«Wir müssen wettbewerbsfähig bleiben», sagt der Verantwortliche von der Stiftung Finanzplatz Genf. Angesichts eines Klimas der Unsicherheit in diesem Bereich, aber auch unterschiedlicher Meinungen zur Steuerpolitik, ruft die Stiftung zum Handeln auf um die Attraktivität des Finanzplatzes und des gesamten Finanzbranche zu erhalten.

Für das Gesamtjahr 2016 erwarten die grossen Banken einen ähnlichen Rückgang des Nettogewinns wie schon im ersten Halbjahr. Die Situation dürfte sich für die mittleren und kleinen Banken leicht verbessern, für die unabhängigen Vermögensverwalter hingegen leicht verschlechtern.

Bei der Beschäftigung erwarten die grossen Banken und die unabhängigen Vermögensverwalter einen Rückgang. Hingegen werden 53 Prozent der mittleren Banken ihren Mitarbeiterbestand erhöhen. Bei den kleinen Banken verharrt die Zahl der Mitarbeitenden. Laut dem Verantwortlichen der Stiftung sind diese Banken noch damit beschäftigt, neue Reglemente zu implementieren.

Für 2017 überwiegt bei den grossen Banken der Pessimismus. 40 Prozent erwarten eine schwieriges Umfeld, weitere 50 Prozent gehen von stabilen Bedingungen aus. Die Institute der anderen Kategorien erwarten ein unverändertes Umfeld.

(SDA)


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