«Besser provisorisch als gar nichts»

Von Fabienne Engbers
Zwei Fahrende stellen das Vorzelt zum Wohnwagen auf (Symbolbild).
Zwei Fahrende stellen das Vorzelt zum Wohnwagen auf (Symbolbild). © KEYSTONE/Gian Ehrenzeller
Der Kanton St.Gallen stellt  im nächsten Frühjahr drei provisorische Durchgangsplätze für Jenische, Sinti und Roma zur Verfügung. Die Stiftung «Zukunft für Schweizer Fahrende» begrüsst diesen Entscheid. Geschäftsführer Simon Röthlisberger gibt Auskunft.

Drei Durchgangsplätze für Jenische sollen, wenn alles nach Plan läuft, schon nächsten Frühling im Kanton St.Gallen gebaut werden. Bislang hat der Kanton noch keinen einzigen Platz. Im Interview sagt Simon Röthlisberger, Geschäftsführer der Stiftung «Zukunft für Schweizer Fahrende», dass das ein guter Anfang sei.

Herr Röthlisberger, was löst die Nachricht bei Ihnen aus, dass schon bald Durchgangsplätze für Jenische im Kanton St.Gallen entstehen?
Das ist sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung, im Kanton St.Gallen gibt es Bedarf nach mehr Plätzen. Aufgrund eines Standberichtes, den unsere Stiftung alle fünf Jahre veröffentlicht, haben wir gesehen, dass Bedarf nach acht Plätzen in St.Gallen besteht.

In diesem Fall hat es auch nach der Einweihung der neuen Plätze immer noch Potential nach oben?
Aus unserer Sicht ja, der Kanton St.Gallen spricht im eigenen Konzept von sechs Plätzen. Es wäre also noch Potential da, aber die drei Plätze, die nun ins Auge gefasst werden, werden von der Stiftung bereits sehr begrüsst.

Es sind nur provisorische Plätze, damit eine Abstimmung umgangen werden kann. Stört Sie das nicht?
Provisorische Plätze sind natürlich nicht optimal. Einerseits ist es mühsam für die Jenischen, Sinti und Roma, weil ihnen der Lebensraum nur auf Zeit gewährt wird. Andererseits sind provisorische Plätze auch aufwendig für alle Organisationen, sowohl für die Behörden, als auch für die fahrenden Organisationen, vor allem, weil der Platz nicht dauerhaft genutzt werden kann.

Also hoffen Sie, dass man aus den provisorischen Plätzen definitive macht?
Das ist durchaus der Wunsch, vor allem auch vor dem Hintergrund, dass wir im Kanton St.Gallen mehr Plätze brauchen. So ein provisorischer Platz ist eine Art Testbetrieb, man kann austesten, wie es für die lokale Bevölkerung ist und für die Jenischen. Man sieht, ob der Standort richtig gewählt wurde, ob es Anpassungen braucht oder ein Reglement.

Wie, denken Sie, werden die Reaktionen der Bevölkerung ausfallen?
Die Reaktionen sind jeweils unterschiedlich, aber es ist sicherlich so, dass es häufig negative Reaktionen gibt. Dies auch vor dem Hintergrund, dass den Leuten unklar ist, wer in ihrer Gemeinde wohnt, wer die Jenischen sind. Ich denke, dass dort die Informations- und Aufklärungsarbeit sehr wichtig ist.

Hat es bereits einmal in anderen Kantonen solche provisorische Plätze gegeben?
Ja, das ist durchaus eine gängige Praxis. Beispielsweise im Kanton Neuenburg wird zurzeit ein Platz eingerichtet, der fürs Erste als Testplatz fungiert, danach aber definitiv und fix genutzt werden könnte. Auch der Durchgangsplatz Wölflistrasse in Bern ist ein provisorischer Platz, dort wurden bereits sehr positive Erfahrungen gemacht.

Die drei Durchgangsplätze im Kanton St.Gallen werden im Rheintal, im Sarganserland und im Fürstenland erstellt. In welcher Gemeinde, wollte Raumplaner Ueli Strauss am Montag nicht sagen.

(enf)


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