Betrugsfall Madoff flackert wieder auf

Bernie Madoff im Jahr 2009 vor einem Prozess in New York. Der Finanzbetrüger hat auch verschiedene Vermögensverwalter in die Bredouille gebracht. Einer steht derzeit in Genf vor Gericht.
Bernie Madoff im Jahr 2009 vor einem Prozess in New York. Der Finanzbetrüger hat auch verschiedene Vermögensverwalter in die Bredouille gebracht. Einer steht derzeit in Genf vor Gericht. © KEYSTONE/FR70043 AP/STUART RAMSON
Der Fall Madoff, einer der grössten Finanzbetrugsfälle, macht erneut von sich reden. In Genf befindet das Polizeigericht seit Montag über einen Mann, der früher Chef der zur Bank Santander gehörenden Genfer Investmentfirma Optimal Investment Services war.

Diese Firma vertraute einen Teil ihrer Kundengelder dem US-Investor Bernie Madoff an, bevor dessen Schneeballsystem aufflog. Madoff wurde in den USA deswegen zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt.

In Genf findet nun einer der letzten Folgeprozesse des Betrugskandals statt. Die Staatsanwaltschaft wirft Beschuldigten vor, sich nicht genügend für die Aktivitäten Madoffs interessiert zu haben.

Der 55-Jährige habe die Augen vor Madoffs Machenschaften verschlossen. Dies weil die Zusammenarbeit mit dem Amerikaner dem Beschuldigten komfortable Einkünfte in Form von Boni und Lohn von seinem Arbeitgeber Santander eingebracht habe.

Der Anklage zufolge hat sich der Mann damit der ungetreuen Geschäftsbesorgung mit dem Ziel der Bereicherung schuldig gemacht. Staatsanwalt Marc Tappolet fordert eine auf drei Jahre bedingte Busse von 150’000 Franken. Die Verteidigung wird auf Freispruch plädieren, in der Annahme, dass der Beschuldigte nicht wusste, dass es sich bei Madoff um einen Betrüger erster Güte handelte.

Der Beschuldigte betonte bei der Einvernahme, welches Vertrauen ihm der amerikanische Investor eingeflösst habe. Es habe keinerlei Gründe gegeben, an den von Madoff ausgeübten Transaktionen zu zweifeln. Seine Gutgläubigkeit begründete er auch mit den Untersuchungen der US-Börsenaufsicht SEC, die Madoffs Firma in 16 Jahren insgesamt fünf Mal kontrollierte, ohne Verdacht zu schöpfen.

2004 wurde der Beschuldigte zwar von einem seiner Mitarbeiter gewarnt. Letzterer äusserte den Verdacht einer Betrügerei im grossen Stil, in der Art eines Schneeballsystems, das dadurch funktioniert, dass neue Gelder dazu verwendet werden, um frühere Investoren auszuzahlen. Der Beschuldigte nahm diese Warnung jedoch nicht ernst, da er annahm, der SEC hätte ein solcher Betrug niemals entgehen können.

Den Mangel an Interesse, der ihm der Staatsanwalt vorwirft, begründet der Angeklagte mit der Geheimnistuerei, mit der Madoff seine Aktivitäten zu umhüllen pflegte. “Er wollte uns eine Transaktion nicht zeigen, weil er nicht Informationen enthüllen wollte, die er als eigene betrachtete”, sagte der Beschuldigte.

Madoff gelang es sowohl die Aufsichtsorgane der Märkte als auch die Revisoren zu täuschen. Dem Beschuldigten zufolge sei es damals unmöglich gewesen, zu erraten, dass er ein Betrüger sei.

Der Prozess vor dem Genfer Polizeigericht läuft noch bis Ende Woche. Das Urteil soll am Freitag fallen. Geklagt hatte ein Kunde von Optimal Investment Services, der 100’000 Dollar in den Fonds investiert hatte.

(SDA)


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