Binia Feltscher strebt den zweiten Grand Slam an

Binia Feltscher (rechts) und ihre Mitspielerinnen sind Erfolge gewohnt
Binia Feltscher (rechts) und ihre Mitspielerinnen sind Erfolge gewohnt © KEYSTONE/ANTHONY ANEX
Im gleichen Kalenderjahr den WM- und den EM-Titel gewinnen – die Schweizer Curlerinnen um Skip Binia Feltscher könnten dieser Tage den Grand Slam als erstes Team zum zweiten Mal schaffen.

Zum zweiten Grand Slam fehlt Christine Urech, Franziska Kaufmann, Irene Schori und Binia Feltscher noch der Titel an den am Samstag beginnenden und eine Woche dauernden Europameisterschaften in Braehead bei Glasgow.

Nachdem sie jahrelang im Schatten von Mirjam Ott gestanden ist, gehört die 38-jährige Binia Feltscher, die einzige Einheimische im Team des CC Flims, heute zu den weltbesten Skips. Davon zeugen vor allem die Weltmeister-Titel 2014 und 2016 sowie der Erfolg an den Europameisterschaften 2014 in Champéry.

Wie bereits vor zwei Jahren könnte Feltscher in der unveränderten Crew beide grossen Titel eines Kalenderjahres holen. Vor ihr glückte dieses Kunststück nur drei Skips: Gaby Casanova mit Basel Albeina 1979, im Gründungsjahr der Frauen-WM, der Norwegerin Dordi Nordby 1990 und der überragenden zweimaligen Olympiasiegerin Anette Norberg aus Schweden 2005. Wie Casanova sind auch Nordby und Norberg längst vom Spitzencurling zurückgetreten.

Wenn sie sich im nächsten Jahr in der internen Schweizer Ausscheidung für die Teilnahme an den Olympischen Spiele 2018 im südkoreanischen Pyeongchang durchsetzen, werden die Flimserinnen wohl noch mindestens anderthalb Saisons in der gleichen Formation weiterspielen. Diese Konstanz bringt ihnen gerade an den grossen Meisterschaften wie an der EM Ruhe und Sicherheit. Die bereits errungenen prächtigen Erfolge machen sie vor allem gegenüber jenen Konkurrentinnen stark, die ihrem ersten bedeutenden Titel nachjagen. «Sicher ist dies ein Trumpf für uns», sagt Binia Feltscher. «Wir kennen uns, die Harmonie ist da. Man darf sicher sagen, dass wir gut eingespielt sind. Und wir haben zusammen so viele schöne und gute Erfahrungen gemacht.»

Schweden wird an der in der Arena von Braehead bei Glasgow stattfindenden EM kein derart erfolgreiches Team stellen. Denn nicht die zweimalige Europameisterin Margaretha Sigfridsson wird die erfolgreiche Curling-Nation vertreten, sondern Anna Hasselborg. Die Curlerinnen aus Gävle sind erst einmal an einem grossen Turnier angetreten: An der EM 2014 wurden sie Fünfte.

Ähnliches gilt für Russland. Die letztjährigen Europameisterinnen um Skip Anna Sidorowa verloren die interne Ausscheidung unerwartet gegen die Formation von Viktoria Moisejewa, die bislang weder an Welt- noch an Europameisterschaften teilgenommen hat. Abgesehen von der Schweiz, stellt von den Spitzennationen nur Gastgeber Schottland das nominell stärkste Team, nämlich jenes von Eve Muirhead, der Weltmeisterin 2013 und Olympia-Dritten von 2014.

Die früheren Junioren-Weltmeister des CC Genf, die die Schweiz bei den Männern vertreten, sind erst zweimal an grossen Meisterschaften angetreten und beide Male mit Medaillen zurückgekehrt. An der WM 2014 wurden sie Dritte, an den Europameisterschaften vor einem Jahr im dänischen Esbjerg Zweite. Im Final unterlagen sie erst im Zusatz-End den vom zweimaligen Weltmeister Niklas Edin angeführten Schweden.

Dem jungen, aber gleichwohl recht routinierten Genfer Team mit Valentin Tanner, Skip Peter De Cruz, Claudio Pätz und der technisch sehr versierten Nummer 4 Benoît Schwarz ist ein neuerlicher Medaillengewinn zuzutrauen. Bei ihren bisherigen Auftritten an internationalen Meisterschaften zeigten sie, dass sie die führenden europäischen Formationen aus Schweden (Niklas Edin) und Norwegen (Thomas Ulsrud) nicht fürchten. Die ebenfalls starken Schotten werden an ihrer Heim-EM mit der Crew von Tom Brewster, dem WM-Zweiten 2012, vertreten sein. Es würde nicht erstaunen, wenn genau diese vier Team die Halbfinals erreichen würden.

Allerdings wollen die Dänen um Skip Rasmus Stjerne ein Wort mitreden. Nach ihrer Baisse mit dem Abstieg am EM-Turnier 2014 in Champéry und nach der Reaktivierung der starken Nummer 3 Johnny Frederiksen sind die Dänen auf ihr bestes Niveau zurückgekehrt. An der WM im April dieses Jahres in Basel erreichten sie zu aller Überraschung den Final, in dem sie den Kanadiern um Kevin Koe unterlagen.

Zum zweiten Mal in Folge werden die Europameisterschaften in der Schlussphase über klassische Halbfinals entschieden. Es macht demnach keinen grossen Unterschied aus, ob ein Team die Vorrunde auf dem 1. oder auf dem 4. Platz beendet. Mit herkömmlichen Halbfinals werden jeweils auch die Olympia-Turniere durchgeführt. An den Weltmeisterschaften dagegen wird weiterhin nach dem sogenannten Page-System gespielt. Dabei bekommen der Erste und der Zweite der Vorrunde erhebliche Vorteile gegenüber dem Dritten und dem Vierten.

(SDA)


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