Blatter: Kein Geld von Beckenbauer

Joseph S. Blatter und Franz Beckenbauer gemeinsam in Basel.
Joseph S. Blatter und Franz Beckenbauer gemeinsam in Basel. © (KEYSTONE/Markus Stuecklin)
Er habe nie Geld verlangt, sagt der suspendierte FIFA-Präsident Sepp Blatter in einem Interview mit der Zeitung “Schweiz am Sonntag” – und widerspricht damit dem Präsidenten des DFB, Wolfgang Niersbach, der die Weltpresse von einem Vier-Augen-Gespräch zwischen Blatter und OK-Chef Franz Beckenbauer Anfang 2002 informiert hat. Blatter soll dabei 10 Millionen Franken verlangt haben.

Der Vorwurf des Deutschen Fussballbunds ist ungnädig: Blatter habe einen Kuhhandel vorgeschlagen, der zu einer schwarzen Kasse und dem mutmasslichen Kauf der Weltmeisterschaft 2006 geführt habe. Blatter solle von Beckenbauer 10 Millionen Franken verlangt haben – als Voraussetzung dafür, dass die Fifa dem deutschen OK 250 Millionen Franken als Zuschuss für die WM gebe. Darauf angesprochen, sagt Sepp Blatter im Interview: “Ich habe niemals Geld von Beckenbauer verlangt. Jamais de la vie. Nie im Leben. Auch nicht vom DFB. Das stimmt einfach nicht.” Der 79-Jährige sagt weiter, er habe aus seiner Erziehung Grundsätze vermittelt bekommen: “Nimm kein Geld an, das du nicht verdient hast und versuche nie, deine Ziele mit Geld zu erreichen.”

DFB-Präsident Niersbach hatte am Donnerstag unter Berufung auf Beckenbauer erklärt, mit dem Geld habe der DFB einen Zuschuss in Höhe von 250 Millionen Schweizer Franken für die Organisation der Weltmeisterschaft 2006 gesichert. Bei einem Gespräch zwischen Beckenbauer und Blatter im Januar 2002 sei der Zuschuss in Aussicht gestellt worden.

Warum die Fifa trotzdem über ein “Kulturprogramm” in die ominöse Zahlung verstrickt ist, weiss Blatter nach eigenen Angaben nicht. “Ich war nicht involviert”, sagt er in dem Interview. Die Pressekonferenz des DFB habe Blatter verfolgt. “Da kommt mir der Schlusskommentar der ARD in den Sinn: ‘Es sollte ein Befreiungsschlag für Niersbach werden, doch wahrscheinlich war es ein Eigentor'”, wiederholt Blatter die Worte.

Ob er auf die Bühne des Weltfussballs zurückkehre, hänge vom Entscheid der Berufungskommission ab. Eine Entscheidung dazu soll bis Jahresende folgen. Aufgaben will Blatter nicht – “sonst hätte ich Angst, das Grab meines Vaters zu besuchen.” (red)


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