Blinde treten in die Pedale

Ein Bild der Tandemtour 2014 durch den Rheingau.
Ein Bild der Tandemtour 2014 durch den Rheingau. © zvg
Um auf ihre Krankheit aufmerksam zu machen, radeln auf der Euro-Tandemtour 17 Teams mit blinden Co-Piloten durch Europa. Am Freitag fahren sie durch den Thurgau. Und das alles in Polizeibegleitung.

“Es ist ein Riesenaufwand: Man muss Bewilligungen einholen, die Polizeibegleitung organisieren, und, und, und”, sagt Stephan Hüsler, Geschäftsleiter der Retina Suisse, eine Selbsthilfeorganisation für Menschen mit Netzhauterkrankungen. Seine Organisation unterstützt die Euro-Tandemfahrt, die dieses Jahr zum 10. Mal stattfindet. 17 Tandem-Teams mit sehenden Piloten und sehbehinderten oder blinden Co-Piloten sind am 29. August in Tübingen mit ihren Tandems gestartet.

Nichts für Sportmuffel

Während zehn Tagen fährt der 150 Meter lange Tross durch Deutschland, Frankreich, die Schweiz und Österreich. Dabei passieren die Velofahrer das Bodenseeufer der Schweiz. Einen Zwischenstopp machen sie in Landschlacht. Durchschnittlich 100 Kilometer legen die Fahrerinnen und Fahrer pro Tag zurück. “Das ist nichts für Sportmuffel”, sagt Hüsler.

Die Zusammenarbeit zwischen Pilot und Co-Pilot muss geübt sein. “Die Teilnehmer machen Trainingsfahrten vor der Tour”, sagt Hüsler. Es seien schon spezielle Bedingungen. “Die Co-Piloten können nichts voraussehen. Die schnelle Kommunikation zwischen Pilot und Co-Pilot ist deshalb extrem wichtig.” Es werde die ganze Zeit geredet, auch von Velo zu Velo.

Polizeibegleitung auf der ganzen Tour

So kommt es, dass teilweise auch zwei Tandems nebeneinander fahren. Das ist insofern kein Problem, da die Tour auf der ganzen Strecke von der Polizei begleitet wird. Die Strassen werden in der Regel nicht gesperrt, höchstens einmal eine Kreuzung, damit die Tandemfahrer nicht anhalten müssten. Die Organisation der Polizeibegleitung sei die grösste Herausforderung gewesen. “Nicht alle sehen ein, dass die Begleitung der Polizei nötig ist”, sagt Hüsler. Das brauche Überzeugungsarbeit.

Rauchen kann blind machen

Mit der Tour will man auf verschiedene Erkrankungen der Netzhaut aufmerksam machen. Im Zentrum steht die altersbedingte Makuladegeneration. “Das ist heute eine Volkskrankheit”, sagt Hüsler. Viele Menschen über 50 seien betroffen. Eine der Hauptursachen ist laut Hüsler das Rauchen. “Rauchen wird immer mit Lungenkrankheiten in Verbindung gebracht. Dass man davon sehbehindert werden kann, davon redet niemand”, sagt Hüsler. Es gebe aber noch ganz viele andere Krankheitsbilder. “Das Auge ist das Organ der Menschen, das am meisten Defekte haben kann”, sagt Hüsler.

(lak)


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