Block 2 des Atomkraftwerks Beznau darf wieder ans Netz

Austausch des Reaktordruckbehälterdeckels im Block 1 des AKW Beznau (Archivbild).
Austausch des Reaktordruckbehälterdeckels im Block 1 des AKW Beznau (Archivbild). © /KEYSTONE/WALTER BIERI
Der Block 2 des AKW Beznau im Kanton Aargau kann plangemäss wieder hochgefahren werden. Der Reaktor war Mitte August vom Netz genommen worden, um den Deckel des Reaktordruckbehälters auszuwechseln.Die Jahresrevision sei abgeschlossen, teilte der Energiekonzern Axpo am Mittwoch mit.

Die Revisions- und Prüfarbeiten seien erfolgreich und nach Plan durchgeführt worden, ebenso die Nachrüstungs- und Erneuerungsmassnahmen.

Die Anlage gehe nach der Freigabe durch das Eidg. Nuklearinspektorat ENSI “heute wieder ans Netz” und dürfe in rund zwei Tagen wieder “auf Volllast” sein. Die Ultraschall-Messungen am Reaktordruckbehälter hätten keine auffälligen Anzeigen ergeben, schreibt die Betreiberin weiter.

Die Nachrüstung erfolgte laut der Axpo präventiv, “mit Blick auf einen Betrieb deutlich über das Jahr 2020 hinaus”. Dazu gehörte auch die Einrichtung einer neuen, autarken Notstromversorgung und eines neuen Anlageinformationssystem. Der Block 2 ist seit 1971 in Betrieb.

Das ENSI bestätigte am Mittwoch seinerseits, dass der Austausch des Reaktordruckbehälter-Deckels erfolgreich über die Bühne gegangen sei. Der Behälter erfülle die Sicherheitsanforderungen. Die Kraftwerksbetreiberin habe bei der Revision zudem den jährlichen Brennelementwechsel durchgeführt sowie diverse Instandhaltungsarbeiten.

Das ENSI habe jeden Schritt der Arbeiten überwacht. Diese seien nach Plan durchgeführt worden. Zudem habe es Messungen auf der Insel Beznau und in der Umgebung durchgeführt, um sicherzustellen, dass die Bevölkerung keiner erhöhten Strahlenbelastung ausgesetzt war.

Bei der Prüfung der wichtigsten drei Schmiedringen des Reaktordruckbehälters habe die Axpo 77 Anzeigen festgestellt. Davon befänden sich 34 im Schmiedring C, der den grössten Belastungen ausgesetzt ist. Laut ENSI sind die gefundenen Anzeigen jedoch “nach eigenen Bewertungen auch unter konservativen Annahmen” zulässig.

Zu einem völlig anderen Schluss kommt Greenpeace. Das ENSI habe grünes Licht gegeben, ohne dass die entdeckten Anzeigen im Herzstück der Anlage genau geprüft worden seien, schreibt die Umweltorganisation in einer Mitteilung.

“Die Ursachen dieser Materialfehler bleiben im Dunkeln”, kritisiert Greenpeace. Zudem sei die Anzahl der Anzeigen nicht der einzige Indikator für den Zustand des Druckbehälters. Die Organisation bezeichnet die Wiederinbetriebnahme als “unverständlich und leichtsinnig”.

Der Block 1 des AKW Beznau bleibt weiterhin vom Netz. Die Axpo rechnet damit, dass er nicht vor Ende Juli nächsten Jahres hochgefahren werden kann. Grund dafür sind Materialfehler im Reaktordruckbehälter, die bei der Untersuchung des Behälters zu Tage getreten waren.

Der mit 46 Betriebsjahren älteste kommerzielle Reaktor der Welt ist seit März vom Netz.

(SDA)


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