Bluttat in Grabs: Staatsanwaltschaft gibt Fehler zu

Bluttat in Grabs: Staatsanwaltschaft gibt Fehler zu
© FM1Today
In Grabs kam es gestern Abend zu einem schweren Beziehungsdelikt: Anita Gantenbein hatte sich im Juli von ihrem Ex-Mann Yasine C. getrennt und einen neuen Lebenspartner gefunden. Der Ex rächte sich, indem er den neuen Freund mit einem Messer schwer am Bauch verletzte. Gantenbein erhebt nun schwere Vorwürfe: Sie hatte vor der Tat 20 Anzeigen gegen ihren Ex eingereicht.

Die St. Galler Staatsanwaltschaft habe in ihrem Fall versagt – dieser Überzeugung ist Anita Gantenbein. “Ich habe permanent gewarnt, Protokolle geführt und Anzeigen erstattet”, sagt Gantenbein. Ihr Ex-Mann, der 34-jährige Libanese Yasine C., hat gestern Abend ihren neuen Lebenspartner, einen 45-jährigen Schweizer, mit einem Messer attackiert und ihn dabei lebensgefährlich verletzt. “Die Justiz hat versagt. Seit unserer Trennung im Juli terrorisiert er mich systematisch”, so Gantenbein. Sie hat den Fall ausführlich dokumentiert, kann gegenüber FM1Today mehrseitige Anrufnachweise von Belästigungen und Drohungen am Telefon vorweisen, hat für ihren Ex ein Haus- und Kontaktverbot erwirkt und bei der Polizei – nach eigenen Angaben – in den letzten vier Monaten rund 20 Strafanzeigen eingereicht.

Gebracht hat dies offenbar nichts. Mindestens fünf Mal taucht Yasine C. vor der Tat am derzeitigen Wohnort von Gantenbein in Grabs auf, versucht sich ins Haus hineinzuschleichen, bedroht seine verflossene Liebe bei jeder Gelegenheit. “Mein Ex-Mann ist gefährlich. Er ist kokainsüchtig und auf Droge sehr aggressiv. Er hat mich bei unserer Trennung praktisch aus unserer gemeinsamen Wohnung herausgeprügelt”, sagt Anita Gantenbein. Ihre Habseligkeiten habe er kurze Zeit darauf mit Benzin übergossen und verbrannt. Auch ausserhalb der Beziehung sei er straffällig geworden: Sie beschreibt, er habe unter anderem Geld gefälscht und in Umlauf gebracht und mehrere Einbrüche sowie Diebstähle begangen. Die Kantonspolizei St. Gallen bestätigt in einer Medienmitteilung, dass der mutmassliche Täter in der Vergangenheit bereits straffällig war.

Im Video: So beschreibt Anita Gantenbein den Angriff ihres Ex-Mannes

Das Fazit von Anita Gantenbein: “Mein Ex-Mann war brandgefährlich – und ich wurde von der Staatsanwaltschaft permanent im Stich gelassen. Niemand hat etwas gegen ihn unternommen.”

Risiko falsch eingeschätzt

Eingereichte Anzeigen werden von der Polizei routinemässig an die Staatsanwaltschaft rapportiert. Diese entscheidet dann von Fall zu Fall über das weitere Vorgehen. Roman Dobler, Mediensprecher der St. Galler Staatsanwaltschaft, bestätigt auf Anfrage von FM1Today, dass seine Behörde Kenntnis von den Anzeigen Gantenbeins hatte – und auch, dass die Justiz nicht gegen Yasine C. eingeschritten sei.

“Aufgrund der konkreten Umstände, in denen die Drohungen geäussert wurden, sowie von weiteren äusseren Faktoren haben die Strafverfolgungsbehörden des Kantons St. Gallen keine akute Gefährdung gesehen, was sich im Nachhinein als falsche Lagebeurteilung herausgestellt hat”, so Dobler. Nach der Bluttat in Grabs ist klar: Der Staatsanwaltschaft ist ein folgenschwerer Fehler unterlaufen.

Im Video: So reagiert die Staatsanwaltschaft auf die Vorwürfe

Der Zustand des 45-jährigen Schweizers, der mit Messerstichen am Bauch schwer verletzt wurde, ist noch immer lebensgefährlich, aber stabil. (mla)


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