Boykott gegen Fasnachtsumzüge

Von Vanessa Kobelt
Die bekannte Kriessner Fasnachtsgruppe "Die Läschtiga" machen dieses Jahr an keinem Umzug mit.
Die bekannte Kriessner Fasnachtsgruppe "Die Läschtiga" machen dieses Jahr an keinem Umzug mit. © zVg.
Von wegen Narrenfreiheit: Die schärferen Vorschriften an den Fastnachtsumzügen im Rheintal stossen einigen Wagenbauer sauer auf. Die eingefleischte Fasnachtsgruppe «Die Läschtiga» aus Kriessern bleibt so lieber zuhause.

Leisere Musik, striktes Glasverbot und runter vom Wagen, sobald der Umzug zu Ende ist. Schon im August 2017 haben die Organisatoren der Fasnachtsumzüge im Ober- und Mittelrheintal bekannt gegeben, dass für das Jahr 2018 ein neues Reglement gilt. Dieses kommt nicht überall gut an und sorgt sogar für Boykotts.

«Wir ziehen Konsequenzen»

14 Jahre lang war die Gruppe «Die Läschtiga» als treue Fasnachtsgruppe am Kriessener Umzug am Start. In den letzten drei Jahren konnte man ihren Wagen auch am Oberrieter Umzug bestaunen. «Das Schönste an der Fasnacht ist, dass man den ganzen Tag miteinander feiern kann», schwärmt Gruppen-Mitglied Damian Hutter. «Das Wagen-Bauen macht ebenfalls grosse Freude, auch wenn es aufwendig ist».

Besonders aufwendig wäre der Wagen wohl dieses Jahr zur 15. Teilnahme geworden. Wäre. Die Kriessner sind heuer nämlich bei keinem Umzug dabei. Zu sehr stossen sie sich an dem neuen Reglement und daran, wie es kommuniziert wurde. «Wir wurden letztes Jahr einfach vor vollendete Tatsachen gestellt. Die Fasnachtsgruppen wurden in die Entscheidung keineswegs einbezogen, obwohl wir uns im Vorfeld extra darum bemüht hatten», sagt Damian Hutter. «So ziehen wir eben auch unsere Konsequenzen.»

«Nicht mehr das Gleiche»

Vor allem in punkto Musik können die Fasnächtler die neuen Regeln nicht nachvollziehen. Die Musik darf nur noch während des Umzugs laufen. Auch im Wartebereich müssen die Boxen still bleiben. «Unser Fastnachtsumzug beginnt schon morgens mit der Besammlung und endet in einer Beizentour, genau wie bei der Guggenmusik. Ohne Musik ist das nicht mehr das Gleiche», findet Damian Hutter. Auch, dass es am Wagen keine Aussen – sondern nur noch Innenbeschallungen geben darf, versteht der Fasnächtler nicht. «Wir wollen doch während des Umzugs Musik für die Zuschauer machen.» Laut Reglement ist die musikalische Unterhaltung jedoch Aufgabe der Guggenmusik.

Weniger Anmeldungen

Die neuen Vorschriften gelten für alle Fasnachtsumzüge in Altstätten, Oberriet, Rebstein, Kriessern und Diepoldsau. Speziell ist die Situation in Oberriet. Dort gilt zusätzlich ein Reglement, das der Blauring zusammen mit den Organisatoren der Umzüge in Gams, Schaan, Vaduz und in der Wartau aufgestellt hat. Dass dies einige Wagenbauer abschreckt, stört Sonja Huber vom Organisations-Komitee nicht. «Ja, wir haben dieses Jahr weniger Anmeldungen. Für uns ist die Sicherheit aber das Wichtigste. Wir wollen sowieso nur Fasnachtsgruppen, die die neuen Vorschriften gutheissen und sich daran halten.» Laut Sonja Huber ist der Oberrieter Fasnachts-Umzug in erster Linie für die Kinder da. Mehr möchte sie zu diesem Thema nicht sagen. «Wir haben Ende August ausführlich über das neue Reglement informiert.»

«Fasnächtler haben übertrieben»

Auch Marc Sieber, Organisator des Fasnachtsumzugs Kriessern, sieht im neuen Reglement alles andere als Schikane. «Oberste Priorität hat die Sicherheit der Teilnehmer und der Zuschauer. Die strengeren Regeln sind notwendig, weil es gewisse Fasnächtler gab, die alles etwas übertrieben haben», sagt Marcel Sieber. Dass die Gruppe «Die Läschtiga» nach 14 Jahren nicht mehr dabei ist, bedauert Sieber sehr. «Sie waren immer mit super Mottos am Start. Wie der Name schon sagt, sind sie sehr ‹läschtig›. Eine geniale Gruppe, einfach nur schade, dass sie dieses Jahr nicht mitmachen.»

«Umzüge werden so kleiner»

Ob es für nächstes Jahr eine Versöhnung gibt? Möglich, denn nicht alle neuen Regeln findet Damian Hutter von den «Läschitga» lästig. «Dass man kein Glas mehr mitnehmen darf und im Schritttempo unterwegs sein muss, kann ich nachvollziehen. Auch die Dezibel-Begrenzung ist in der Lärmschutzverordnung vorgeschrieben und für mich absolut okay. Aber irgendwo sollte es dann doch mal aufhören, nicht?» Damian Hutter würde sich wünschen, dass man das Reglement nochmals überarbeitet und vielleicht eine Begleitgruppe mit Wagenbauer gründet. «Gemeinsam kämen wir bestimmt zu Lösungen, die für alle stimmen. Ansonsten werden die Umzüge womöglich immer kleiner – und somit auch das Interesse der Zuschauer.»

(kov)


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