Fast jedes dritte Bier nach Gigantenübernahme aus einem Konzern

Budweiser und Co. übernehmen SABMiller in Grossbritannien: Künftig stammt jedes dritte Bier aus einer Hand. (Archiv)
Budweiser und Co. übernehmen SABMiller in Grossbritannien: Künftig stammt jedes dritte Bier aus einer Hand. (Archiv) © KEYSTONE/AP/GENE J. PUSKAR
In der Bierbranche schluckt der Grösste den Zweitgrössten: Anheuser-Busch Inbev hat sich im Poker um die knapp 105 Milliarden Franken schwere Übernahme von SABMiller durchgesetzt. Beide Konzerne erzielten nach längerem Tauziehen eine Einigung über das Kaufangebot.

Der Budweiser-Produzent mit Sitz in Belgien zahle 44 Pfund pro Aktie des britischen Herstellers von Bieren wie beispielsweise Pilsner Urquell, Miller oder Grolsch teilten die Konzerne am Dienstag mit.

Das Bar-Angebot entspreche einem Aufschlag von etwa 50 Prozent auf den Schlusskurs von SABMiller am 14. September. Als Alternative bietet AB InBev ein gemischtes Angebot mit Bargeld und Aktien an und lockt damit Grossaktionäre mit einer Beteiligung am fusionierten Konzern.

Anheuser-Busch hatte zuletzt am Montag ein nachgebessertes Angebot von 43,50 Pfund vorgelegt und für die Übernahme insgesamt 70 Milliarden Pfund geboten. Mit dem neuen Angebot ist SABMiller 71,2 Milliarden Pfund (knapp 105 Milliarden Franken) wert.

SABMiller teilte mit, grundsätzlich mit der Übernahme einverstanden zu sein, bat sich aber zugleich eine Verlängerung der Frist für das bindende Gebot des Konkurrenten um zwei Wochen aus. Die neue Frist für das verbindliche Angebot läuft nun bis zum 28. Oktober. Es sei vereinbart worden, dass AB InBev drei Milliarden Dollar an SABMiller zahlen müsse, falls das Geschäft doch nicht zustande komme.

Mit der Übernahme entsteht ein Brauriese neuer Dimension: Weltweit wird künftig etwa jedes dritte Bier aus den Braukesseln des fusionierten Konzerns kommen. In anderen Worten: Der globale Marktanteil kommt auf 30 Prozent zu liegen. Zugleich ist der Deal weltweit der grösste in diesem Jahr und eine der grössten Übernahmen in der Wirtschaftsgeschichte.

Aus dem Hause AB InBev kommen Biere wie Budweiser, Corona, Stella Artois oder Franziskaner. Der Konzern war 2008 aus der Fusion der belgisch-brasilianischen InBev-Gruppe mit dem US-Braukonzern Anheuser Busch entstanden. SABMiller verkauft unter anderem Pilsner Urquell, Miller und Grolsch.

Ob die Behörden der Fusion ihren Segen geben werden, steht noch aus. Die EU-Kommission wollte die Megafusion der Bierriesen nicht kommentieren. Es liege bislang keine Anmeldung zur Genehmigung vor, teilte das Büro von EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager auf Anfrage mit. Die Unternehmen müssten jetzt prüfen, ob sie ihr Vorhaben in Brüssel anzumelden hätten.

Weder AB Inbev noch SABMiller haben Brauereien in der Schweiz. Dafür brauen hier mit Heineken die Weltnummer drei und mit Carlsberg die Nummer vier. Den Niederländern gehören hierzulande unter anderem Eichhof und Calanda. Carlsberg braut Feldschlösschen. Heineken und Carlsberg könnten von der Riesenhochzeit profitieren, wenn der neue Biergigant Geschäftsbereiche aufgeben muss.

Die Gigantenhochzeit rückt den zurückgezogen lebenden schweizerisch-brasilianischen Doppelbürger Jorge Lemann in den Fokus. Der grösste Einzelaktionär von AB Inbev wohnt in Rapperswil-Jona SG. Der Milliardär hält gemäss “Financial Times” vom Juni über seine brasilianische Investitionsgesellschaft 3G 12,5 Prozent an AB Inbev.

(SDA)


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