Briefliches Wählen unterschiedlich beliebt

Tendenziell scheinen mehr Wahlberechtigte brieflich zu wählen als noch vor vier Jahren. Aussagen zur Wahlbeteiligung lassen sich daraus aber keine ableiten.
Tendenziell scheinen mehr Wahlberechtigte brieflich zu wählen als noch vor vier Jahren. Aussagen zur Wahlbeteiligung lassen sich daraus aber keine ableiten. © KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Das briefliche Wählen erfreut sich unterschiedlicher Beliebtheit. In einigen Städten zeichnet sich gegenüber den Wahlen 2011 ein steigender Trend ab, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur sda zeigt. Hinweise auf die effektive Wahlbeteiligung gibt es aber keine.

In den grösseren Berner Gemeinden etwa bewegt sich die briefliche Wahlbeteiligung im Umfang von 2011. Weil der Versand der Kuverts vielerorts in die Herbstferien fiel, war der Rücklauf der Wahlzettel am Anfang eher verhalten.

Diese Woche ist aber nun ein eigentlicher Endspurt eingeleitet worden: In der Stadt Biel beispielsweise gingen allein vom Dienstag auf Mittwoch rund 2000 Wahlzettel ein. Zuvor waren es insgesamt rund 4500 gewesen. Damit haben etwas mehr als 20 Prozent der Wahlberechtigten brieflich gewählt, etwa gleich viele wie vor vier Jahren, wie Vizestadtschreiber Julien Steiner sagt.

Auch in Thun ist es in den letzten Tagen zu einem eigentlichen Steigerungslauf gekommen. Am Mittwoch hatten dort etwas mehr als 25 Prozent der Wahlberechtigten brieflich gewählt. Vergleichszahlen zu 2011 gibt es keine.

In der Stadt Bern hatten am Mittwoch bereits 30,5 Prozent oder gut 26’300 Wahlberechtigte brieflich gewählt, wie Vizestadtschreiberin Monika Binz sagte. Vor vier Jahren lag dieser Wert bei etwas über 32 Prozent.

Einen klar zunehmenden Trend verzeichnet Basel-Stadt. Dort haben bis am Donnerstagmorgen 37’200 Wahlberechtigte brieflich gewählt, was 40,3 Prozent der Stimmberechtigten entspricht. 2011 waren es am selben Stichtag 37,1 Prozent und 2007 sogar nur 35,8 Prozent gewesen. Der Leiter des Büros Wahlen und Abstimmungen der Staatskanzlei Basel Stadt, Daniel Orsini, erwartet denn auch eine Wahlbeteiligung von wiederum mindestens 50 Prozent. 2011 waren es 50,3 Prozent gewesen.

Tendenziell höher als vor vier Jahren war die briefliche Beteiligung auch in Aarau, wo bis Donnerstagmorgen 46 Prozent der Wahlkuverts eingegangen waren. In der Stadt Zofingen, die als schweizerischer Durchschnitt gilt, haben rund ein Drittel der Wahlberechtigten ihre Stimmen bereits abgegeben. Baden schätzte, dass sogar mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten ihre Stimmen schon abgegeben haben.

Doch es gibt auch andere Tendenzen: In der Stadt Zürich lag die briefliche Wahlbeteiligung am Donnerstag bei 35,3 Prozent gegenüber 35,8 Prozent bei den letzten Wahlen. In Winterthur dagegen hatten von den 67’848 Wahlberechtigten bereits 23’313 brieflich abgestimmt. Vor vier Jahren waren zum selben Zeitpunkt 4100 Wahlkuverts weniger eingesandt worden.

In St. Gallen waren es 35,8 Prozent, ebenfalls weniger als erwartet. Am meisten briefliche Stimmen werden aber erfahrungsgemäss noch am Samstag und am Sonntagmorgen des Wahlwochenendes abgegeben, wie Stephan Wenger, Sekretär des Stimmbüros, sagte.

In der Stadt Luzern haben bis Mittwoch rund 23 Prozent der Stimmberechtigten brieflich abgestimmt. Das waren genau gleich viele wie zur selben Zeit bei den letzten Wahlen. Thomas Zumbühl, Leiter Wahlen und Abstimmungen bei der Stadt Luzern, rechnet mit einer Wahlbeteiligung von 45 bis 50 Prozent, 2011 waren es 48,6 Prozent.

Besonders gross ist laut Zumbühl dieses Jahr die Nachfrage nach Ersatzausweisen. Weil Wahlberechtigte ihre Kuverts nicht mehr fänden oder bereits entsorgt hätten und doch noch wählen wollten, würden sie telefonisch ein neues Wahlkuvert bestellen. Bei normalen Abstimmungen seien es jeweils Einzelfälle. Vor den Wahlen seien es nun bereits schätzungsweise 30 Personen gewesen und es würden laufend mehr.

Unbekannt war die Wahlbeteiligung in der Stadt Solothurn. “Die Kuverts liegen noch alle in der Wahlurne”, hiess es bei der Stadtkanzlei. Olten rechnet mit eine Beteiligung im “durchschnittlichen Rahmen”.

Zahlreiche Gemeinden haben keine Vergleichszahlen zu den Wahlen von 2011 zur Hand. So auch Lugano. In der bevölkerungsreichsten Gemeinde des Tessins haben rund ein Viertel aller im Wahlregister erfassten Menschen vom Briefwahlrecht Gebrauch gemacht. Bellinzona lag mit bislang 24 Prozent nur knapp dahinter. Dort waren es 2011 38 Prozent gewesen.

In Sitten lag der Anteil der brieflichen Wahl gemäss Schätzungen vom Mittwoch bei 38,7 Prozent. In Siders waren es rund 46 Prozent, etwas mehr als 2011. Insgesamt wird mit einer Wahlbeteiligung von 55 bis 60 Prozent gerechnet.

Im Kanton Jura verzeichnete Delsberg einen geschätzten brieflichen Wähleranteil von 20 Prozent. Das wäre etwa gleich viel wie vor vier Jahren. In Pruntrut waren es 25 Prozent.

(SDA)


Newsletter abonnieren
0Kommentare
noch 1000 Zeichen