Private Partner für die Entwicklungshilfe

Deza-Direktor Manuel Sager erläutert die Schwerpunkte der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit im laufenden Jahr.
Deza-Direktor Manuel Sager erläutert die Schwerpunkte der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit im laufenden Jahr. © KEYSTONE/PETER SCHNEIDER
Als Sinnbild für die Entwicklungshilfe dient der Bau von Brunnen. Entwicklungshilfe kann aber auch eine Handy-App sein. Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) hat an ihrer Jahreskonferenz innovative Projekte präsentiert.

Die Deza unterhält heute rund 30 Partnerschaften mit dem Privatsektor. Diese Zahl will sie in den nächsten drei Jahren verdoppeln, wie Deza-Chef Manuel Sager am Dienstag vor den Medien sagte. Ohne Ressourcen des Privatsektors sei die Uno-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung nicht umzusetzen.

Auf die Frage, ob die Deza damit das Interesse des neuen Aussenministers Ignazio Cassis für Entwicklungshilfe wecken wolle, stellte Sager fest, der Bund setze nicht erst seit kurzem auf die Zusammenarbeit mit Privaten.

Mit dem ehemaligen Aussenminister Didier Burkhalter war ein Bundesrat für die Deza zuständig, der sich mit Überzeugung für Entwicklungszusammenarbeit einsetzte. Ignazio Cassis dagegen hat sich in der Vergangenheit auch skeptisch geäussert und im Parlament entsprechend gestimmt. Zu reden gaben zudem kürzlich seine Aussagen an einem Anlass des Aussendepartements.

Manuel Sager sagte dazu, Menschen seien an ihren Taten und nicht an Worten zu messen. Er betonte ausserdem, dass Cassis sich im Dezember für das Entwicklungshilfebudget eingesetzt habe. Der Bundesrat hatte die Mittel für die Jahre 2018 bis 2020 um 150 Millionen Franken pro Jahr gekürzt. Auf weitere Kürzungen für das laufende Jahr verzichtete das Parlament in den Budgetberatungen.

Im Zentrum stehen auch im laufenden Jahr die humanitäre Hilfe für notleidende Bevölkerungsgruppen, das Engagement in fragilen Kontexten und der Beitrag zur Armutsreduktion, etwa durch Bildungsprojekte. Die Entwicklungszusammenarbeit muss aber stetig neu definiert werden.

Was das bedeuten kann, erläuterte Alexander Schulze, Co-Leiter des Globalprogramms Gesundheit, anhand eines Beispiels aus Tansania. Dort werden zur Behandlung von Fieber bei Kindern regelmässig Antibiotika verabreicht, obwohl nur in 10 Prozent der Fälle eine bakterielle Infektion vorliegt.

Nun werden Tablets und Smartphones als Entscheidungshilfe eingesetzt. Eine Anwendung erlaubt es Personen ohne Medizinstudium, eine Diagnose zu stellen. Das führte dazu, dass signifikant mehr Kindern schneller wieder gesund werden. Ausserdem werden neun mal weniger Antibiotika eingesetzt, was der Bekämpfung von Antibiotika-Resistenzen dient. Schliesslich können dank der Handy-App Kosten gespart werden.

Ein weiteres Beispiel erläuterte Yuka Greiler, Leiterin des Globalprogramms Klimawandel und Umwelt. Dabei geht es um den Gebäude- und Bausektor, der erheblich zum CO2-Ausstoss beiträgt und somit Klimaflüchtlinge generiert. Fast 40 Prozent des globalen CO2-Ausstosses gehen auf das Konto des Gebäude- und Bausektors.

Für 5 Prozent ist Zement verantwortlich, dessen globale Produktion sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt hat und weiter steigen wird, namentlich in Indien, dem zweitgrössten Produzenten. Aus diesem Grund unterstützt die DEZA die Entwicklung eines kohlenstoffarmen Zements, der aus Kalksteinschotter, kalziniertem Ton und Klinker besteht.

Mit der neuen Zementmischung können die CO2-Emissionen im Vergleich zum Standardzement bis zu 30 Prozent reduziert werden. Das Potenzial: Jährlich könnten 1 Prozent der globalen CO2-Emissionen eingespart werden – achtmal die Emissionen der Schweiz. Das Projekt wurde von der ETH Lausanne und einem Forschungskonsortium entwickelt.

Die Schweiz habe viel anzubieten im Wissenstransfer, sagte Sager. Er hob auch hervor, dass die DEZA-Projekte evaluiert werden. Die Berichte zeigten, dass die Wirksamkeitsrate zwischen 83 und 89 Prozent liege. Zwischenbilanz zur Strategie 2017 – 2020 will die DEZA Ende des laufenden Jahres ziehen.

(SDA)


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