Bundesrat gegen Entschädigung bei Aufgabe von Alpen

Hier stören sie niemanden: ein Jungwolf mit seiner Mutter in einem Tierpark bei Vallorbe. (Archiv)
Hier stören sie niemanden: ein Jungwolf mit seiner Mutter in einem Tierpark bei Vallorbe. (Archiv) © KEYSTONE/FABRICE COFFRINI
Bauern sollen nicht dafür entschädigt werden, wenn sie aus Angst vor dem Wolf eine Alp aufgeben. Dafür fehle die rechtliche Grundlage, hält der Bundesrat fest. Er erinnert ferner daran, dass die meisten Schafe auf Alpen nicht wegen Wölfen sterben.

Jährlich gingen während der Sömmerung insgesamt 2 bis 3 Prozent des Schafbestandes verloren, schreibt der Bundesrat in seiner am Donnerstag veröffentlichten Antwort auf einen parlamentarischen Vorstoss. Das entspreche 4000 bis 6000 Schafen. Die Hauptursachen seien Krankheiten, Blitzschläge und Abstürze.

Wölfe reissen laut dem Bundesrat jeden Sommer zwischen 150 und 300 Schafe. Wie viele Schafe indirekt wegen Wolfsangriffen sterben, weil sie zum Beispiel fliehen und abstürzen, könne nur schwer beziffert werden, räumt der Bundesrat ein. Nach den Erfahrungen von Wildhütern dürfte es jedoch nur um einige Dutzend Tiere gehen.

Erkundigt hatte sich der Berner SVP-Nationalrat Erich von Siebenthal. Er wollte wissen, wie viele Alpen in den vergangenen Jahren wegen des Wolfs aufgegeben wurden und ob der Bund bereit sei, dafür Entschädigungen auszurichten.

Eine Statistik gibt es laut dem Bundesrat nicht. Ihm sei aber bekannt, dass einige Schafalpen nicht mehr bestossen würden, hält er fest. Die Schafe dieser aufgegebenen Alpen weideten heute auf anderen Alpen mit Kontrollen oder ständiger Behirtung. Diese Entwicklung begrüsse er, schreibt der Bundesrat.

Während sich von Siebenthal um die Bauern und deren Schafe sorgt, befürchtet GLP-Nationalrätin Tiana Moser (ZH), der Wolf könnte wegen des gelockerten Schutzes in der Schweiz wieder ausgerottet werden. Die Regeln seien so angepasst worden, dass Bestände und Rudel reguliert werden könnten, hält Moser fest – obwohl die Wolfspopulation noch keine stabile Grösse erreicht habe.

Dazu schreibt der Bundesrat, eine überlebensfähige Wolfspopulation müsse aus mindestens 125 Paaren beziehungsweise Rudeln bestehen. Für eine eigenständige Wolfspopulation sei die Schweiz zu klein. Sie sei aber bemüht, einen Beitrag zum Schutz einer Alpenwolfpopulation zu leisten.

Das Parlament befasste sich zuletzt im Frühjahr mit dem Wolf. Es sprach sich dagegen aus, den Wolf zur jagdbaren Art zu erklären und damit generell zum Abschuss freizugeben. Zugestimmt hatte es aber Vorstössen für eine weitere Lockerung des Schutzes. Derzeit bereitet der Bundesrat eine Revision des Jagdgesetzes vor.

(SDA)


Newsletter abonnieren
0Kommentare
noch 1000 Zeichen