Bundesrat senkt den Kapitalzinssatz für Stromnetze

Der Strom könnte für Wirtschaft und Privathaushalte billiger werden: Der Bundesrat hat den Kapitalzinssatz für Stromnetze per 2017 gesenkt.
Der Strom könnte für Wirtschaft und Privathaushalte billiger werden: Der Bundesrat hat den Kapitalzinssatz für Stromnetze per 2017 gesenkt. © KEYSTONE/ARNO BALZARINI
Der Bundesrat hat auf Grund des tiefen Zinsniveaus beschlossen, den Kapitalzinssatz für Stromnetze ab 2017 zu senken. Dadurch könnte die Stromrechnung für Haushalte und Gewerbe billiger ausfallen.

Der Beschluss des Bundesrates vom Freitag betrifft den so genannten WACC (Weighted Average Cost of Capital). Mit einer Änderung der Stromversorgungsverordnung, die am 1. Januar 2016 in Kraft tritt, ändert er die Berechnungsparameter für den WACC. Dieser dürfte deshalb ab 2017 von 4,7 auf 3,83 Prozent sinken.

Wirtschaft und Haushalte würden dadurch jährlich voraussichtlich um 174 Millionen Franken an Netzgebühren entlastet. Die Kosten für die Netznutzung machen nach Angaben des Bundesamtes für Energie (BFE) rund die Hälfte der Stromkosten der Endverbraucher aus.

Die Netznutzungskosten setzen sich zusammen aus den Kosten für die Abschreibung des Netzes, den Betriebskosten und den Kapitalkosten. Der WACC setzt fest, zu welchem Satz Kapital, das Investoren in bestehende und neue Infrastrukturen stecken, verzinst werden muss. Wie er berechnet wird, regelt die Stromversorgungsverordnung.

Wie hoch der mit geänderten Parametern berechnete WACC effektiv sein wird, dürfte im März 2016 bekannt sein, wie das BFE schrieb. Gestützt auf diese Angaben können die Stromversorger ihre Tarife für das Jahr 2017 festlegen. Das gegenwärtige Berechnungskonzept ist seit dem 1. März 2013 in Kraft.

15 Kantone lehnten die Anpassung in einer konferenziellen Anhörung Ende Oktober ab, wie einem Bericht zu entnehmen ist. Sie kritisierten unter anderem, dass das Konzept nach drei Jahren wieder angepasst wird. Das widerspreche dem Ziel, stabile Rahmenbedingungen zu schaffen und langfristigen Investitionen Rechnung zu tragen.

Auch der Städteverband kritisierte, dass die erneute Anpassungen Unsicherheiten auslösen und die Versorgungssicherheit gefährden könne, besonders vor dem Hintergrund der Energiestrategie 2050 und langfristigen Investitionen.

In der Wirtschaft waren die Positionen unterschiedlich: Während der Gewerkschaftsbund für die Wirtschaft eine zuverlässige Strompreispolitik für wichtiger hält als kurzfristige Anpassungen der Stromtarife, begrüsste der Gewerbeverband die Anpassung.

Die Elektrizitätswirtschaft stellte sich geschlossen dagegen. Sie machte laut dem Bericht geltend, dass der Investitionsbedarf hoch bleibe, nicht zuletzt wegen der Umsetzung der Energiestrategie 2050.

(SDA)


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