Buntspecht ist Botschafter für den Erhalt alter Bäume

Der Buntspecht ist Vogel des Jahres 2016 und Botschafter für den Erhalt alter Bäume.
Der Buntspecht ist Vogel des Jahres 2016 und Botschafter für den Erhalt alter Bäume. © Michael Gerber/SVS/BirdLife
Der Buntspecht ist vom Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife zum Vogel des Jahres 2016 ernannt worden. Als Baumkünstler soll er Botschafter sein für den Erhalt von grossen, alten Bäumen im Siedlungsraum, im Kulturland und im Wald.

Der Buntspecht ist stark auf das Leben am Baum spezialisiert. Bereits Ende Januar beginnt die Balz. Mit lautem Trommeln auf morschen Ästen verkünden die schwarz-weissen Vögel die Suche nach einem Partner und die Abgrenzung des Reviers.

Sowohl Männchen als auch Weibchen trommeln. Hat sich ein Paar gefunden, beginnt der Bau einer Höhle in einem Baumstamm. Beim Herausmeisseln haut der Buntspecht mit ungeheurer Wucht auf den Stamm ein – und bekommt dennoch kein Kopfweh, wie SVS/BirdLife in einer Mitteilung vom Donnerstag schreibt.

Der Körper des Vogels ist nämlich hoch spezialisiert und an das Leben auf dem Baum angepasst. Der verknöcherte Teil des Unterschnabels ist ein wenig länger und leitet damit die Wucht des Schlages über die verstärkten Rippen auf den ganzen Körper ab.

Der Übergang vom Schnabel zum Schädelknochen besteht zudem aus einer schwammartigen Knochenstruktur, die als Stossdämpfer wirkt. Die Schädeldecke ist stabiler und dicker als bei andern Vögeln.

Der Buntspecht kann sich ausserdem sehr gut am Baum festhalten. Die vierte Zehe ist eine Wendezehe, die er um rund 45 Grad bewegen kann. Seine Schwanzfedern sind verdickt und bilden mit den Beinen zusammen quasi ein Stativ, auf das er sich am Baum bequem abstützen kann.

Als Nahrung bevorzugt der Buntspecht dicke Larven von Totholzkäfern. Diese leben in alten und morschen Bäumen. Wahrscheinlich seien Spechte in der Lage, die Fressgeräusche solcher Larven im Holz zu hören, schreibt SVS/BirdLife.

Gezielt hacken die Spechte mit ihrem Schnabel dort das Holz auf und ziehen mit ihrer langen Zunge die Larven heraus. Die Spechtzunge hat eigens zu diesem Zweck an der Spitze kleine Widerhaken. Um an die Samen in Tannenzapfen oder an Nusskerne heranzukommen, benutzt der Buntspecht so genannte Spechtschmieden. Er klemmt die Zapfen oder Nüsse in Spalten ein und hämmert die Samen heraus.

Im Frühjahr kann er auch Bäume ringeln, um den begehrten Baumsaft zu lecken. Und im Sommer nimmt er Raupen und andere Insekten ab den Blättern. Mit dem Aufhacken von morschen Bäumen bei der Nahrungssuche ermöglichen die Spechte auch Pilzen, Käfern und anderen Insekten, das morsche Holz zu besiedeln und es somit längerfristig zu zersetzen.

Der Buntspecht und mit ihm die andern Spechte sind laut SVS/BirdLife auf alte Bäume und Totholz angewiesen. Doch in zwei Dritteln der Schweiz drohten grosse, einheimische Bäume zu verschwinden. Im Siedlungsgebiet und im Kulturland gebe es immer weniger Bäume.

Da Bäume Jahrzehnte benötigen bis sie gross sind, müssten jetzt die Weichen neu gestellt werden, fordert der Vogelschutz. Sonst werde es dem Buntspecht ähnlich ergehen wie der Feldlerche, die schon heute fast auf der Roten Liste stehe.

(SDA)


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