Buschauffeur putzt Kot weg – und wird beschimpft

Abfall im Bus: Hier ist es ein Papierfötzel, auf Kurs 158 war es kürzlich gar Hundekot.
Abfall im Bus: Hier ist es ein Papierfötzel, auf Kurs 158 war es kürzlich gar Hundekot. © Appenzeller Zeitung/Mea Mc Ghee
Ein Hundehaufen im Bus, ein putzender Chauffeur, ein ungeduldiger Passagier: Das sind die Zutaten eines Vorfalls in einem Fahrzeug der Regiobus AG. Geschäftsführer Bruno Huber erklärt, wie das Unternehmen handelt.

Regiobus Kurs 158, Bahnhof Herisau, 14.28 Uhr: Eine Passagierin bemerkt einen «strengen» Geruch. Jemand macht den Chauffeur darauf aufmerksam, dass ein Hund sein Geschäft im hinteren Teil des Gefährts verrichtet habe, worauf der Chauffeur ausserhalb des Busses Putzzeug holt. Kurs 158 sollte gemäss Fahrplan den Bahnhof verlassen, durch die Putzarbeit verzögert sich jedoch die Abfahrt. Dies ärgert einen weiteren Fahrgast dermassen, dass er den Chauffeur beschimpft. «Dumme Siech» und «huere Tubel» sei dieser genannt worden, schildert besagte Passagierin der «Appenzeller Zeitung» den Vorfall. Der erzürnte Fahrgast habe geklagt, er verpasse bei der Arena den Anschluss Richtung St. Gallen. Das sei «eine verdammte Sauerei».

14.31 Uhr, Kurs 158 verlässt den Bahnhof Herisau. Die Verspätung beträgt drei Minuten. Der ungeduldige Gast habe weiter geflucht und sich beschwert, beschreibt die Passagierin weiter. Der Chauffeur sei ruhig geblieben, habe erklärt, der Anschluss Richtung St. Gallen sei gemäss Fahrplan nicht gewährleistet. Über Funk habe der Chauffeur seinen Kollegen aber gebeten, bei der Arena zu warten. 14.44 Uhr, Kurs 158 erreicht die Haltestelle beim Fussballstadion. Der andere Bus ist noch da und der pressante Passagier kann umsteigen. Auf die Bitte der Passagierin, er solle sich doch beim Buschauffeur bedanken, habe der Fahrgast nur gesagt: «Ich wüsste nicht, wofür. Es ist selbstverständlich, dass er sich bemüht, damit ich meinen Anschluss erreiche.»

Dem Chauffeur ein Kränzchen winden

Dem Buschauffeur gehöre ein Kränzchen gewunden, findet die Passagierin. Und Bruno Huber, Geschäftsführer der Regiobus AG, sagt: «Der Chauffeur hat richtig gehandelt.» Ähnliches komme immer wieder vor, weshalb die Fahrer geschult würden. Diesen Frühling etwa hätten sie eine Weiterbildung zum Thema «Aggression und Gewalt» absolviert, im Herbst stehe Erste Hilfe auf dem Programm. Als Dienstleistungsunternehmen sei die Regiobus AG bemüht, es allen Fahrgästen recht zu machen. Die Anspruchshaltung der Klientel sei aber sehr unterschiedlich. Manche bedankten sich für den guten Service, andere regten sich über dieses und jenes auf. «Unsere Chauffeure sind Profis, und sie brauchen manchmal eine dicke Haut», sagt Huber. Es komme sogar vor, dass Passagiere im Bus urinieren oder erbrechen würden. Für Ordnung im Bus müssten die Chauffeure sorgen.

Notfallset an Bord der Fahrzeuge

Passiert einem Fahrgast unterwegs ein Malheur, gibt es in allen Fahrzeugen der Regiobus AG ein Notfallset, um das Gröbste zu putzen und den schlechten Geruch einzudämmen. Grössere Reinigungsarbeiten könnten aber nur während der Wendezeiten an den Endhaltestellen verrichtet werden, wo Putzzeug vorhanden sei, erklärt Bruno Huber. Die Mitarbeitenden seien bemüht, die Busse sauber zu halten, weshalb auch das Essen und Trinken nicht erlaubt ist. Seit einiger Zeit verfügen die Fahrzeuge des Busbetriebs über keine Abfalleimer mehr. Man habe gute Erfahrungen gemacht, so der Geschäftsführer. Es liege eher weniger Abfall in den Bussen als zuvor.

Verspätungen gehören zum Alltag

Auch Verspätungen gehören zum Alltag der Buschauffeure, sei es aufgrund des Verkehrs oder wegen eines Defekts. «Unsere Fahrer sind geschult, in solchen Situationen ruhig zu bleiben», sagt Bruno Huber. «Die Sicherheit hat oberste Priorität.» Selten komme es vor, dass ein Fahrzeug ausgetauscht werden müsse und dass deswegen ein Kurs ausfalle. Und was, wenn Fahrgäste ausfällig werden? «Die Chauffeure müssen sich vieles gefallen lassen – aber nicht alles!» Bei Berührungen oder gar Tätlichkeiten könne ein Fahrgast aus dem Bus gewiesen werden, so Bruno Huber. Und bei Bedarf betreue die Fahrdienstleistung betroffene Chauffeure. Alle 84 Mitarbeitenden des Unternehmens könnten sich zudem mit Problemen und in schwierigen Situationen anonym an eine externe Fachstelle wenden, um Hilfe zu holen.

Und das Fazit: Unverfrorene Hundehalter, ungehobelte Fahrgäste, dankbare Passagiere – Buschauffeure erleben so einiges, nicht nur auf Kurs 158.

Der Artikel erschien am 20. Oktober 2017 in der Appenzeller Zeitung. 


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