Busse statt Eistee für Hanfbauer

Hanf mit einem THC-Gehalt ab 1,0 Prozent gilt seit 2011 als Droge. Ein Toggenburger Hanfbauer kämpft gegen eine Verurteilung und für die Erhöhung des Grenzwertes. (Archivbild)
Hanf mit einem THC-Gehalt ab 1,0 Prozent gilt seit 2011 als Droge. Ein Toggenburger Hanfbauer kämpft gegen eine Verurteilung und für die Erhöhung des Grenzwertes. (Archivbild) © KEYSTONE/OLIVIER MAIRE
Das St. Galler Kantonsgericht hat das Urteil der Vorinstanz bestätigt und einen 48-jährigen Bauer aus dem Toggenburg wegen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt.

Das St.Galler Kantonsgericht verurteilt einen 48-jährigen Toggenburger wegen Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 10 Franken. Zudem wurde eine frühere Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 10 Franken für vollziehbar erklärt. Damit sind die Richter dem Schuldspruch der Vorinstanz gefolgt.

Kein “Gras” sondern Aromastoff

Die beschlagnahmten Hanfpflanzen waren eigentlich für die Produktion von Cannabis-Eistee bei einem Thurgauer Getränkehersteller vorgesehen. Der Beschuldigte hatte gefordert, dass die beschlagnahmten 150 Kilogramm Hanfblüten zu einem Sirup für den Eistee verarbeitet werden können. Falls nötig auch unter behördlicher Aufsicht.

Im Vordergrund stand beim Prozess der THC-Gehalt der konfiszierten Ware. Laut Polizeiermittlungen hatte diese einen durchschnittlichen Gehalt von 3,2 – das ist deutlich über dem zugelassenen Grenzwert. Hanf mit einem THC-Gehalt von mehr als 1,0 gilt seit dem Jahr 2011 offiziell als Droge. “Ich baue keinen Drogenhanf an”, sagte der Angeklagte laut der Angentur SDA vor dem Richter und verlangte einen Freispruch. Er sei davon ausgegangen, dass der im Frühling 2014 ausgesäte Hanf ungefähr die gleichen Werte aufweisen wird wie die Vorjahresernte.  Diese Ernte hatte damals einen THC-Gehalt von 0,7. Und die neuen Pflanzen wurden aus Samen der alten gezüchtet. Weiter warf der Bauer der Polizei auch Fehler bei der Kontrolle vor.

Nächstes Verfahren wartet schon

Das Kantonsgericht liess sich auf diese Interpretation der Dinge nicht ein und verurteilte den Mann trotzdem. Dieser war davon nicht überrascht und überlegt sich unterdessen ernsthaft, das “Nischenprodukt” Hanf aufzugeben. Die Gerichtsverfahren hätten ihn bereits rund 30’000 Franken gekostet. Und bereits läuft ein weiteres Strafverfahren gegen den Bauern: Die Polizei hat auf dem Toggenburger Hof des Züchters zehn weitere Pflanzen mit einem THC-Gehalt von 2,7 gefunden. (red./mla)


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