Captain Lüthi setzt zwangsläufig auf die Jugend

Captain Lüthi setzt zwangsläufig auf die Jugend
© KEYSTONE/ANVAR ILYASOV
Ohne Stan Wawrinka, Roger Federer und Marco Chiudinelli kämpft die Schweiz im Davis Cup in Usbekistan gegen den Abstieg. «Das ist auch eine Chance für die Jungen», so Captain Severin Lüthi.Taschkent steht nicht gerade Kopf wegen der Davis-Cup-Partie gegen die Schweiz.

«Wann sind diese Tennisspiele», fragt der Zöllner am Flughafen leicht skeptisch. Auf der Fahrt durch die Stadt deutet ebenfalls nichts auf die Playoff-Partie hin, in der es für das Schweizer Team des Jahres 2014 gegen den Abstieg und für die Usbeken um den erstmaligen Aufstieg in die Weltgruppe geht. Das hat erstens damit zu tun, dass vor zwei Wochen Islam Karimow, seit der Gründung 1991 Staatspräsident, gestorben ist und wohl noch mehr mit dem Fehlen von Roger Federer und Stan Wawrinka.

Captain Severin Lüthi muss das Beste daraus machen, zumal erstmals in seiner Karriere auch Marco Chiudinelli freiwillig auf eine Davis-Cup-Partie verzichtet. Die Schweizer Nummer 3 zieht es vor, ihre gute Form auf Hartplatz zu nutzen und spielt diese Woche ein Challenger-Turnier in Istanbul. Den 35-jährigen Basler, der um die Fortsetzung seiner Karriere kämpft, dürfte vor allem die Wahl von Sand als Unterlage abgeschreckt haben. Für Lüthi bedeutet das Fehlen der Ü30-Fraktion nicht zuletzt eines: «Das ist auch eine Chance für die Jungen.»

Einer dieser Jungen kommt in der Olympic Tennis School in Taschkent zu seiner Feuertaufe. Der 19-jährige Genfer Antoine Bellier (ATP 507) eröffnet die Begegnung gegen die usbekische Nummer 1 Denis Istomin (ATP 113). Lüthi traut dem 1,96 m grossen Linkshänder eine Überraschung zu: «Er kann gefährlich sein mit seinem Spiel.» Bellier fühlt sich jedenfalls pudelwohl auf dem Sandplatz in Taschkent. «Die Bedingungen sind ideal, die Plätze gut und die Temperaturen angenehm. Ausserdem spiele ich seit vier Monaten fast nur auf Sand.» Bislang spielte der Genfer erst einmal im Davis Cup, im bedeutungslosen letzten Einzel bei der 0:5-Niederlage im März in Italien. Er wird am Freitag erstmals in seiner Karriere eine Partie auf drei Gewinnsätze absolvieren.

Mehr Erfahrung hat Henri Laaksonen. Der 24-jährige Schaffhauser mit finnischer Mutter gewann am Montag in Schanghai zum zweiten Mal in seiner Karriere ein Challenger-Turnier (auf Hartplatz) und kam erst am Dienstagabend in Usbekistan an. Von Müdigkeit will er allerdings nichts wissen. «Ich habe zehn Sätze gespielt, und am Sonntag hatte ich einen freien Tag, weil es regnete», macht er sich keine Sorgen über seine Fitness. «Ich fühlte mich hier im Training gut», sagte er am Donnerstag. Trotz der nicht einfachen Umstellung auf Sand.

Laaksonen, der als Nummer 138 so gut klassiert ist wie noch nie, ist in Abwesenheit der Stars der Teamleader und muss im zweiten Einzel am Freitag gegen Farrukh Dustow (ATP 237) zwingend gewinnen, wenn die Schweizer eine Chance auf den Ligaerhalt haben wollen. Druck fühle er deshalb keinen zusätzlichen. «Ich habe im Davis Cup eigentlich immer gut gespielt», betont Laaksonen.

Die Usbeken stehen bereits zum neunten Mal im Playoff, haben den Aufstieg aber noch nie geschafft. Vor einem Jahr unterlagen sie ebenfalls in Taschkent den USA 1:3. Den einzigen Punkt holte Istomin in fünf Sätzen gegen Steve Johnson. «Dies ist unsere beste Chance auf den Aufstieg», glaubt der 30-Jährige, der in diesem Jahr auf der ATP Tour nur sieben Matches gewann und deshalb aus den Top 100 fiel. Er warnt aber auch: «Die jungen Schweizer sind stark und werden topmotiviert sein.»

Die Erinnerung an Reisen ins exotische Zentralasien sind allerdings nicht rosig. Letztmals stieg das Schweizer Davis-Cup-Team 2010 ab, nach einem 0:5 – ohne Federer, aber mit Wawrinka – in Kasachstan. Gespielt wird am Freitag bereits ab 10 Uhr morgens (7 Uhr Schweizer Zeit), da die Anlage über kein Flutlicht verfügt.

(SDA)


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