“Chinese Whispers”: Das Spiegelbild des modernen Chinas

Moderne chinesische Kunst ist seine Spezialität: Einen Teil seiner Sammlung präsentiert der Schweizer Uli Sigg in Bern, bevor er die Werke fernöstlicher Künstler allmählich in deren Heimat zurückbringen will.
Moderne chinesische Kunst ist seine Spezialität: Einen Teil seiner Sammlung präsentiert der Schweizer Uli Sigg in Bern, bevor er die Werke fernöstlicher Künstler allmählich in deren Heimat zurückbringen will. © /KEYSTONE/PETER SCHNEIDER
Unter dem Titel “Chinese Whispers” zeigen das Kunstmuseum Bern und das Zentrum Paul Klee 150 Werke des Kunstsammlers Uli Sigg. Die Ausstellung, die Einblicke in die chinesische Kunst der letzten 15 Jahre gewährt, öffnet am Donnerstagabend ihre Türen.

Begleitet wird die Kunstschau, die bis am 19.
Juni zu sehen ist, von einer Gesprächsreihe, in der unter anderen der chinesische Künstler Ai Weiwei und Architekt Jacques Herzog (Herzog & de Meuron) zu Gast sein werden.

Wie die Veranstalter an der Medienkonferenz vom Mittwoch mitteilten, sollen die Besucher erfahren, wie sich die modernen chinesischen Künstler eine Position zwischen Westen und Osten, Fortschritt und Tradition erarbeitet haben, und wie sie den ständigen Balanceakt zwischen der eigenen Identität und dem globalen Kunstbetrieb meistern.

Der Schweizer Kunstsammler Uli Sigg spricht von einer “eigenen Sprache”, zu der die chinesischen Künstler seit dem Ende der 1970er Jahre gefunden hätten – “als sie nicht mehr Propagandakunst produzieren mussten”. Wie er im Interview mit dem “Blick” ausserdem sagte, habe er sich überhaupt erst nach dieser Entwicklung angefangen, für chinesische Kunst zu interessieren.

Entsprechend dokumentiert “Chinese Whispers”, wie die fernöstlichen Kunstschaffenden nach der zaghaften politischen Öffnung in den 1980er Jahren anfingen, sich an modernen Kunstrichtungen des Westens zu orientieren, Versäumtes aufzuholen. Und zwar so lange, bis “die neue Generation” global an vorderster Front mitmischte und dank diesem neuen Selbstbewusstsein auch wieder anfangen konnte, sich der eigenen, künstlerischen Tradition zu besinnen.

Nachdem Uli Sigg festgestellt hatte, dass niemand diese Kunst sammelte, beschloss er, “eine Sammlung zeitgenössischer chinesischer Kunst, welche die Transformation des Landes dokumentiert” zu schaffen. Nicht nur das: “Ich beschloss, die Sammlung später in das Land zurückzubringen.”

So wandern die in Bern gezeigten Werke im Frühjahr 2017 in reduzierter Form in das Österreichische Museum für angewandte Kunst/Gegenwartskunst in Wien (MAK). Von da aus kommen sie als Schenkung in das neu gegründete M+ Museum for visual culture in Hongkong, das im Jahr 2019 eröffnet werden soll.

Die Sammlung des Schweizer Wirtschaftsjournalisten, Unternehmers, Botschafters in China (1995 bis 1998) und Kunstsammlers Uli Sigg umfasst mehr als 2200 Werke von rund 350 chinesischen Kunstschaffenden (darunter Ai Weiwei oder Zhuang Hui). Sie gilt als die weltweit bedeutendste ihrer Art. In Bern wird eine Auswahl von 150 Werken, Werkgruppen und Installationen auf mehr als 4000 Quadratmetern präsentiert.

(SDA)


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