Cologna auf der Suche nach Antworten

Dario Cologna beim Training in Davos am Freitag
Dario Cologna beim Training in Davos am Freitag © KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER
Die Voraussetzungen für den ersten Heimsieg von Dario Cologna in Davos sind an diesem Wochenende nicht optimal. Der Bündner weiss nach den ersten beiden Weltcup-Wochenenden selber nicht, wo er steht. Die ersten Distanzrennen von Dario Cologna in dieser Saison geben Rätsel auf – auch ihm selbst.

In Nordeuropa lief er auf den 3. (10 km Skating), den 13. (Verfolgung über 15 km klassisch) und den 27. Platz (Skiathlon). Vor allem die Leistung in seiner Lieblingsdisziplin, dem Skiathlon, gibt ihm zu denken. “Die Vorbereitung verlief gut, die Form ist besser als vor einem Jahr”, erklärt der dreifache Olympiassieger. “Ich hätte nicht erwartet, dass ich so schlecht laufe.” Im Skiathlon habe er sich von den ersten Metern an nicht gut gefühlt.

Hoffnung auf Antworten

Entsprechend schwer tut er sich damit, für den Heim-Weltcup in Davos eine Zielsetzung zu definieren. Heute steht ein Distanzrennen im Skating-Stil (30 km für die Männer, 15 km für die Frauen), am Sonntag je ein Skating-Sprint im Programm. “Ich erhoffe mir ein möglichst gutes Rennen und vor allem Antworten über meine Form”, sagt Cologna.

Die Voraussetzungen auf den ersten Sieg in seiner Wahlheimat Davos waren für den Münstertaler auch schon besser. Genau erklären kann er sich das Auf und Ab zum Saisonstart nicht. “Ich bin noch selten im ersten Distanzrennen gleich aufs Podest gelaufen”, betont er. “Das zeigt, dass die Form eigentlich gut ist.”

Norweger gilt als Favorit

Dass wegen des wenigen Schnees nur auf einer 5-km-Schlaufe gelaufen wird, macht Prognosen für das Rennen von heute nicht einfacher. Es stellt sich die Frage, was sich für Grüppchen bilden. Je nachdem, ob jemand bei einem später gestarteten Läufer, der schneller unterwegs ist, anhängen kann, verbessert er seine Chancen beträchtlich. So oder so heisst der Topfavorit aber Martin Johnsrud, gefolgt von einem halben Dutzend weiteren Norwegern.

Der 31-jährige Gesamtweltcup-Sieger der letzten beiden Saisons aus Oslo ist in diesem Jahr noch stärker gestartet. “Es ist eindrücklich, wie er allen davon läuft”, stellt auch Cologna fest. Er bleibt jedoch dabei, dass der Weltcup in dieser Saison sein grosses Ziel sei. Vorerst müsse er aber von Rennen zu Rennen schauen.

Die Dominanz der Norweger ist aktuell noch erdrückender als in anderen Jahren. Der riesige, teaminterne Konkurrenzkampf zwingt die Skandinavier dazu, bereits in den Trainings und Ausscheidungsrennen in Topform zu sein. Im Gesamt-Weltcup liegen die norwegischen Männer aktuell gleich zu fünft in Führung.

Auch Toni Livers ist ratlos

Neben Cologna ist auch Toni Livers, im Landwassertal vor acht Jahren Sieger über 15 km Skating, auf der Suche nach Antworten. Er war in der Vorbereitung krank und stieg erst vor Wochenfrist in Lillehammer mit einem enttäuschenden 36. Platz im Weltcup ein. “Ich strebe ein gutes Rennen an”, gibt sich der Bündner vorsichtig. “Das ist wichtiger als ein bestimmter Rang.”

Etwas offener scheint die Ausgangslage im Sprint vom Sonntag. Der kräftezehrende 30er am Samstag ist für die Allrounder mit Sicherheit kein Vorteil. Im letzten Dezember erreichten mit Jöri Kindschi, Roman Schaad, Roman Furger, Gianluca Cologna und Erwan Käser gleich fünf Schweizer die K.o.-Läufe. Ihnen ist auch diesmal einiges zuzutrauen.

Van der Graaff und von Siebenthal in Form

Die heissesten Schweizer Eisen bei den Frauen sind Sprinterin Laurien van der Graaff und Distanzläuferin Nathalie von Siebenthal. Die Davoserin erreichte im bisher einzigen Sprint in Kuusamo – allerdings im klassischen Stil – den 14. Platz. Das reicht ihren hohen Ansprüchen nicht. “Mein Ziel muss immer mindestens der Halbfinal sein”, hält die 28-Jährige fest. Die Berner Oberländerin von Siebenthal gehört zu den grössten Nachwuchstalenten weltweit. Die 22-Jährige belegt aktuell den 16. Rang im Weltcup-Zwischenklassement. Vor Jahresfrist holte sie auf der Flüela-Loipe über 10 km klassisch ihren ersten Weltcup-Punkt überhaupt. Diesmal sind die Erwartungen auf jeden Fall höher.

Auch bei den Frauen gibt es nur eine Favoritin. Im Abwesenheit der pausierenden Marit Björgen (Mutterschaftsurlaub) gewann die Norwegerin Therese Johaug in diesem Winter überlegen sämtliche Distanzrennen.

Davos. Langlauf-Weltcup. Programm. Samstag, 12. Dezember. 11.15 Uhr: Frauen 15 km Skating (Einzelstart). 14.00 Uhr: Männer 30 km Skating (Einzelstart). – Sonntag, 13. Dezember. 08.30 Uhr: Sprint Skating (Prolog Männer und Frauen). 11.00 Uhr: Sprint Skating (K.o.-Läufe Männer und Frauen).

(SI)


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