Damhirsche brauchen mehr Rückzugsorte

Im Munot-Graben in Schaffhausen lebt seit über 100 Jahren eine Damhirsch-Kolonie. (Archivbild)
Im Munot-Graben in Schaffhausen lebt seit über 100 Jahren eine Damhirsch-Kolonie. (Archivbild) © Bild Stadt Schaffhausen
Seit über 100 Jahren leben im Graben des Schaffhauser Wahrzeichens Munot Damhirsche. Gemäss einem Expertenbericht sind die Tiere gut genährt und gesund. Weil die Kolonie zu gross war, wurden einige Hirsche geschossen. Zudem sollen mehr Rückzugsorte geschaffen werden.

Angelegt wurde die Damhirsch-Kolonie im Munotgraben vor 110 Jahren vom Verschönerungsverein Schaffhausen. 1927 wurden die Tiere der Stadt übergeben. Seit Frühling dieses Jahres liegen die Aufsicht über die Tiere und die Verantwortung bei Grün Schaffhausen.

“Wir wollten wissen, worauf wir bei der Tierhaltung achten müssen und ob die Tierschutzverordnung eingehalten wird” sagte Felix Guhl, Bereichsleiter Grün Schaffhausen, am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Aus diesem Grund wurde ein Expertenbericht in Auftrag gegeben.

Dieser wurde am Montag vorgestellt. Erarbeitet hat ihn Martin Wehrle vom Natur- und Tierpark Goldau. Der Experte gibt der Haltung und dem Gesundheitszustand der Tiere gute Noten. Die Hirsche seien gut genährt und hätten ein intaktes Haarkleid, heisst es im Bericht. Auch die vorhandenen Einrichtungen bezeichnet er als “gut gepflegt”.

Kritik übt Wehrle aber an der Grösse der Kolonie. Idealerweise bestehe eine solche aus einem Hirsch, sieben Hirschkühen und einem bis zwei Jungtieren. Bis Montagmorgen vergnügten sich im Munotgraben aber neben dem Hirsch acht Kühe und sieben Jungtiere.

Um der Empfehlung nachzukommen, wurden noch am gleichen Tag vier Tiere geschossen, wie Guhl erklärte. “Dass man dezimieren muss, ist nichts Neues”, sagte der Bereichsleiter von Grün Schaffhausen. Man wolle die Tiere bewusst nicht kastrieren. Um auf den Idealbestand zu kommen, würden im Laufe des Winters weitere Tiere abgetan.

Auf Empfehlung des Experten will Grün Schaffhausen ausserdem durch die Bepflanzung mit Hecken zusätzliche Rückzugsorte für die Tiere schaffen. Wehrle empfiehlt, die Besucherfläche nicht weiter auszubauen. Beim Futter wurden bereits Anpassungen vorgenommen. “Gemäss Experte sind unsere Tiere fast zu wohlgenährt”, sagte Guhl.

Überdies sollen die Zäune mit Maschendrahtgeflecht abgedeckt werden, damit die Hirsche sich nicht mehr einklemmen. Im Sommer erlitt ein Jungtier nämlich tödliche Verletzungen, als es sich in der Einzäunung verheddert hatte. Bereits ein Jahr zuvor hatte ein junger Hirsch gerettet werden müssen, als er sich im Zaun eingeklemmt hatte.

Die Betreuung der Tiere gehört zu den Aufgaben des Munotwächters. Verantwortlich ist derzeit das Ehepaar Christine und Christian Beck. “Dazu gehört neben dem Füttern zweimal pro Tag auch das Ausmisten”, sagte Guhl.

Auf das Frühjahr 2017 sucht die Stadt Schaffhausen einen neuen Munotwächter oder eine Munotwächterin. Die Stelle ist bereits ausgeschrieben. “Wir müssen früh mit der Suche beginnen, denn der Auserwählte muss vor Amtsantritt noch einen Kurs in Tierhaltung besuchen”, erklärte Guhl.

(SDA)


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