Das bringt der neue Fahrplan wirklich

Wo geht's denn hier zum Fahrplanwechsel?
Wo geht's denn hier zum Fahrplanwechsel? © Keystone/Walter Bieri
Ist der neue Fahrplan wirklich so viel besser für die Ostschweizer? Ja, es gibt ein paar Verbesserungen – aber wir haben auch einige Nachteile entdeckt. Und vergleichen die Preise St.Gallen – Zürich von 1962 mit den heutigen Preisen.

Beginnen wir doch mit dem Positiven: Die Umstellung auf den neuen Fahrplan hat laut SBB fast reibungslos funktioniert. Was bei der Fülle der Änderungen nicht selbstverständlich ist. Die SBB werben seit Monaten mit mehreren Verbesserungen insbesondere auch für die Ostschweiz: Schneller nach Zürich und mehr Verbindungen.

12 Minuten schneller?

Schneller nach Zürich geht es wirklich. Allerdings wurde im Vorfeld häufig die Fahrtzeit des langsamsten Zugs vor dem Fahrplanwechsel mit der Fahrtzeit des schnellsten Zugs nach dem Fahrplanwechsel verglichen. So kommt man auch auf die Aussage, dass die Zeitersparnis “bis zu 12 Minuten” betragen soll. Im direkten Vergleich der beiden schnellsten Zügen ist die Zeitersparnis nur noch ganze drei Minuten.

Übrigens könnte man die Strecke auch unter einer Stunde schaffen. Man müsste nur statt des Intercity Doppelstöcker-Zugs wieder einen Neigezug als Intercity einsetzen. Dieser schaffte die Strecke vor dem Fahrplanwechsel inklusive Halt in Gossau und Wil in 65 Minuten.

Bern und Basel bleiben weit entfernt

Leicht irreführend ist eine andere Aussage in der aktuellen Broschüre zum Fahrplanwechsel. Dort steht, dass man von St.Gallen nach Bern 18 Minuten schneller sei. Das mag für die Fahrt von Bern in die Ostschweiz stimmen nicht jedoch für die Gegenrichtung. Dort ist die Zeitersparnis nur sieben Minuten.

Ebenfalls häufig gelobt wurde die neue Direktverbindung nach Basel. Doch was bringt eine solche Verbindung, wenn man auch heute noch mit Umsteigen in Zürich 28 Minuten schneller ist?

Freude bereitet die neue Verbindung von St.Gallen nach Konstanz und Kreuzlingen. Nach Konstanz reist man neu 22 Minuten, nach Kreuzlingen immerhin noch neun Minuten schneller, da der Zug über Konstanz verkehrt.

Heute nur minim schneller

Wir haben auch noch einen Blick in die Vergangenheit geworfen. Beziehungsweise in die Kursbücher von 1951 und 1962. Damals dauerte eine Fahrt von St.Gallen nach Zürich 1 Stunde 7 Minuten. Nur fünf Minuten langsamer als heute. Allerdings ohne Halt am Flughafen.

Krasser ist der Unterschied bei den Preisen: Ein Ticket St.Gallen – Zürich retour in der 2. Klasse gab es 1962 für 14.20 Franken. Heute kostet die gleiche Strecke 60 Franken. 1951 gab es erst eine 2. und eine 3. Klasse. Berücksichtigt man die Teuerung und die Entwicklung der Konsumgüterpreise seit 1962, wäre man bei rund 27 Franken für das Retour-Ticket. Also noch immer knapp halb so teuer wie ein einfaches Ticket heute von St.Gallen nach Zürich kostet. Und damals gab es für Retour-Billette jeweils noch einen Rabatt.

Zugegebenermassen ist ein Vergleich nicht ganz zulässig. Der Komfort war damals kaum so gross wie heute. Die 1. Klasse gab es 1951 noch gar nicht, stattdessen reiste man in der 2. oder gar der 3. Klasse.

(rr)


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