Das drittklassige Rapperswil fordert den FCB heraus

Uli Forte mit dem FCZ auf Kurs und vor der 1. Cup-Runde
Uli Forte mit dem FCZ auf Kurs und vor der 1. Cup-Runde © KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Cupsieger FC Zürich stabilisiert sich eine Meisterschaftsetage tiefer. Coach Uli Forte spricht mit der Nachrichtenagentur sda über das hohe Zuschauerinteresse und profane Ansprüche.Der FC Zürich ist in dieser Saison im doppelten Sinn eine Cup-Mannschaft.

Der Alltag fühlt sich für den im letzten Frühling abgestürzten Klub ähnlich an. Der Absteiger mit dem Budget eines ambitionierten Super-League-Vertreters ist ausnahmslos Favorit – selbstredend auch im Duell mit dem drittklassigen FC La Chaux-de-Fonds, einer noch tiefer gefallenen Grösse aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren.

In den ersten vier Meisterschafts-Runden erfüllte der FCZ die Ansprüche mehrheitlich. Uli Forte ist mit dem Start auf zweithöchster Ebene zufrieden, die Integration der neuen Spieler sei reibungslos verlaufen: “Der Auftakt ist positiv.”

Angetan ist der Trainer auch vom Zuspruch der eigenen Anhänger. 23’891 Zuschauer erschienen in den ersten beiden Heimspielen. “Wir spüren viel Support.” Er denkt dabei auch an das Gastspiel in Baulmes: “Es war beeindruckend zu sehen, wie viele Busse mit FCZ-Fans vorgefahren sind.”

Die bisherige Entwicklung lässt den Schluss zu, das Umfeld und die Beteiligten hätten sich mit dem schweren Gang in die Provinz abgefunden. “Das Team hat die Challenge League vom ersten Tag an angenommen und tritt in den Spielen entsprechend auf”, hat Forte beobachtet.

Der Schwermut ist Zuversicht gewichen, während einer ersten Phase der kollektiven Besinnung entwickelten die Stadtzürcher Taktgeber einen konkreten Plan zum Comeback. Zum Entwurf gehört auch eine ansprechende Rolle im Cup – innerhalb der letzten sechs Jahre ist der FCZ nur einmal vor den Halbfinals ausgeschieden.

Forte kennt den Stellenwert des Knock-out-Wettbewerbs, zweimal gewann er als Coach den Cup. Nirgends sei der Weg zu Ruhm und Ehre kürzer, alle würden von einem Coup träumen – “auch La Chaux-de-Fonds!”

“Wir haben die Trophäe zu verteidigen und stehen unter Druck.” Die Aufgabe in der Westschweiz bereitet der Favorit seriös vor. Ihrerseits sei mit einer hochprofessionellen Leistung zu rechnen, “ohne irgendwelche Fragen aufkommen zu lassen. Wir wollen den Drive aus der Liga mitnehmen.”

Le Mont (2:0) sei bereits Teil der mentalen Vorbereitung gewesen, so Forte. Im Stade de la Charrière erwartet er einen unangenehmen Kontrahenten, “der in der letzten Saison fast ausschliesslich gewonnen hat.” In ihrer Blütezeit gewannen die Neuenburger sechsmal den Cup und drei Meisterschaften, 2009 verschwanden sie wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten aus dem Profi-Fussball.

In der gleichen Liga wie La Chaux-de-Fonds ist Rapperswil-Jona engagiert, nur sind die Zielsetzungen diametral anders. Die St. Galler unterhalten inzwischen einen Betrieb mit Profi-Strukturen. Im Kader sind frühere Meister und Cupsieger. Jonas Elmer, Kim Jaggy oder der Ex-Ried-Profi Michele Polverino werden vor dem FC Basel nicht in Ehrfurcht erstarren.

Ihre Chance, gegen den Serienmeister Basel die Überraschung des Jahrzehnts zu schaffen, ist verschwindend klein, eher früher als später wird den FCRJ aber nur noch eine (Liga-)Klasse vom Schweizer Branchenprimus trennen. Der innovative Pizza-Unternehmer und FCRJ-Präsident Rocco Delli Colli will seinen geschäftlichen Erfolg auf den Sport ausweiten.

Urs Wolfensberger, derzeit U17-Coach und wichtigster Ansprechpartner des Chef-Trainers, kennt die Philosophie Rapperswils im Detail. Mit einem kurzen Unterbruch ist er seit über zehn Jahren für den aufstrebenden Partnerverein der Grasshoppers tätig: “Wir werden Schritt für Schritt professioneller.” Neben den abendlichen Einheiten bietet der Klub Talenten wie dem Ex-Hopper Manuel Kubli auch Morgentrainings an.

Der Cup sei eine schöne Zugabe, im Fokus bleibe indes der angestrebte Aufstieg in die Challenge League. Gegen 4000 Zuschauer erwartet der prominent bestückte FCB-Herausforderer. “Wir können Rocco etwas zurückgeben, er engagiert sich enorm für unser Projekt.”

In der Regel muss sich ein Rekordmeister und -cupsieger vor einem drittklassigen Widersacher nicht sorgen. GC hingegen taumelt derzeit bedrohlich. Drei Fehltritte in Serie in der Meisterschaft haben die Situation verschärft. Die vom früheren FCB-Spieler Samir Tabakovic geführten Old Boys Basel spekulieren auf einen ähnlichen Coup, wie ihn vor Jahresfrist Köniz gegen GC in der 2. Runde inszenierte.

(SDA)


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